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Nationale Unterschiede : EZB-Rat ringt um künftige Antwort auf höhere Inflation

Notenbank vor neuen Herausforderung: Zentrale der EZB in Frankfurt Bild: dpa

Die Inflationsrate im Euroraum, die im Januar wieder positiv geworden ist, dürfte im Jahresverlauf weiter anziehen. Die Notenbank diskutiert: Was heißt das für die Geldpolitik?

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          Im Augenblick muss man noch nichts tun. Darüber waren sich die Mitglieder des EZB-Rats recht einig, wie aus den Protokollen der Januarsitzung des obersten geldpolitischen Gremiums des Euroraums hervorgeht, die am Donnerstag veröffentlicht wurden. Trotzdem scheint es unterschiedliche Einschätzungen zur Frage zu geben, ob der Euroraum sich dieses Jahr bei der Inflationsrate auf Überraschungen nach oben einzustellen hat.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Jedenfalls dürfte die Inflation, die schon im Januar wieder positiv geworden war, im Jahresverlauf weiter ansteigen, wie EZB-Chefvolkswirt Philip Lane ausführte. Ein Grund seien die Energiepreise, ein anderer die höhere deutsche Mehrwertsteuer. Auf einem ähnlichen Pfad wie in den Vereinigten Staaten seien die Inflationserwartungen an den Finanzmärkten gestiegen, nicht aber in den professionellen Prognosen.

          Nicht ganz einig aber waren sich die Notenbankgouverneure offenbar rückblickend in der Einschätzung der Aufstockung des Krisenprogramms PEPP auf 1,85 Billionen Euro im Dezember. Insbesondere Bundesbankpräsident Jens Weidmann hatte das Programm für zu groß gehalten. Weidmann war es auch gewesen, der zuletzt in einem Interview gewarnt hatte, die Inflation in Deutschland, gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex, könnte im Laufe dieses Jahres zeitweise sogar auf mehr als 3 Prozent ansteigen.

          Unterschiedliche Coronafolgen in den einzelnen Eurostaaten 

          Dass die EZB-Ratsmitglieder derzeit in Nuancen unterschiedlich auf die Inflation blicken, scheint auch mit unterschiedlichen Folgen der Corona-Krise in den einzelnen Staaten zu tun zu haben. So ist die Inflation in Deutschland im Januar wegen Mehrwertsteuer und CO2-Preis besonders stark gestiegen. Der Effekt taucht in anderen Ländern so nicht auf. Außerdem könnte sich in Deutschland besonders viel Kaufkraft aufgestaut haben: Die Menschen hierzulande konnten mehr sparen als in manchen anderen Ländern, in denen Corona schärfere Folgen für die Einkommen hatte und in denen es kein Abfedern durch Kurzarbeit gab. Das könnte für relativ viel Nachholkonsum in Deutschland nach dem Lockdown sprechen, mit Auswirkungen auf die Inflation.

          Zudem könnten sich die Eurostaaten in unterschiedlichen Phasen des Wirtschaftszyklus befinden: In Deutschland könnte, wenn das Impfen bis zum Herbst erfolgreich ist, schon im ersten oder zweiten Quartal 2022 wieder das Produktionsniveau der Vorkrisenzeit erreicht sein; in Frankreich oder Italien dürfte das erst später der Fall sein. Diese nationalen Unterschiede scheinen, neben unterschiedlichen ökonomischen Positionen, zu Diskussionen im EZB-Rat geführt zu haben. Mehrfach taucht in den Protokollen auf, es gebe weiter viel Unsicherheit.

          Mit Blick auf einen vorübergehenden Anstieg der nominalen Anleiherenditen hieß es hingegen, dass nicht jede Erhöhung der nominalen Renditen als Verschärfung der Finanzierungsbedingungen anzusehen sei und eine geldpolitische Reaktion der Notenbank auslösen sollte. Dabei wurde laut Protokoll angemerkt, dass die nominalen Renditen kein geeigneter Maßstab seien, um zu bewerten, ob Finanzierungsbedingungen günstig seien. Die um die Inflationsrate bereinigten Renditen seien viel wichtiger – und diese seien zeitweise auf Rekordtiefstände gesunken.

          Gewinn der EZB sinkt

          Im Geschäftsjahr 2020 hat die EZB unterdessen einen geringeren Gewinn gemacht als im Vorjahr. Der Überschuss habe 2020 um 722 Millionen Euro auf 1,64 Milliarden Euro abgenommen, teilte die EZB am Donnerstag mit. Allein die Nettozinserträge aus Währungsreserven gingen wegen geringerer Einnahmen aus dem Dollar-Portfolio um 578 Millionen Euro auf 474 Millionen Euro zurück.

          Die EZB schüttet ihren Gewinn vollständig an die 19 nationalen Notenbanken der Eurostaaten aus. Auf die Deutsche Bundesbank entfallen dabei rund 26 Prozent. Die Währungshüter haben bereits Ende Januar 1,26 Milliarden Euro Gewinn an die Notenbanken der Euroländer verteilt. Die restlichen Gelder sollen am heutigen Freitag ausgeschüttet werden.

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