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EZB-Präsidentin : Lagarde an der Spitze der Bewegung

EZB-Präsidentin Christine Lagarde trifft auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos ein. Bild: EPA

EZB-Präsidentin Christine Lagarde überbietet sich selbst auf einmal mit Ankündigungen für eine straffere Geldpolitik. Was ist davon zu halten?

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          Fast könnte man sich an die Versuche von Bundeskanzler Olaf Scholz erinnert fühlen, nach vielen Vorwürfen des Zögerns und Zauderns mit einer bewusst energisch vorgetragenen Rede zum 1. Mai die Sache etwas zu retten. Auf jeden Fall ist es auffällig, dass EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Montag deutlich klarer als bisher einen strafferen Kurs in der Geldpolitik ankündigt – und am Tag danach sogar noch eine Schippe drauflegt.

          Noch weiß man nicht, ob den Worten auch Taten folgen. Und es lässt sich einwenden, die neue Linie komme zu spät und bleibe zu zögerlich. Gleichwohl ist es richtig, dass eine Inflation von 7,4 Prozent und ein EZB-Einlagezinssatz von minus 0,5 Prozent nicht zusammenpassen und die Notenbank dringend handeln muss.

          Im EZB-Rat war die Unterstützung für eine zügige Zinsanhebung zuletzt breiter geworden. Die EZB-Präsidentin dagegen hatte sich öffentlich zurückgehalten, und es hatte fast den Eindruck, sie sei mehr Getriebene als Treibende.

          Jetzt versucht sie offenbar, sich an die Spitze der Bewegung zu setzen und zugleich ihr zu weit gehende Forderungen abzuwehren. Auch diese Strategie kann Haken haben: Wenn der EZB-Rat den Eindruck gewinnt, sie nähme seine Entscheidungen vorweg und lasse ihm keine Wahl mehr, dürfte das Ratsmitgliedern nicht gefallen.

          Gefragt ist also Diplomatie gegenüber dem Kollegium; aber doch auch ein beherzteres und entschlosseneres Vorgehen gegen die Inflation – im Interesse aller Menschen im Euroraum.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

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