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Europäische Zentralbank : Auch Hauspreise beeinflussen die Inflation

Teurer Wohnraum: Reihenhäuser in Hannover Bild: dpa

Unsere Kaufkraft verliert nicht nur, wenn die Verbraucherpreise steigen, auch Preise für Wohnimmobilien spielen eine Rolle. Ein EZB-Fachmann schlägt vor, das für die Messung der Inflation stärker zu berücksichtigen.

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          Manchmal kann Kritik auch ein Lob sein. Wenn Frederik Ducrozet, Stratege des Vermögensverwalters Pictet, beispielsweise sagt, der frühere EZB-Präsident Mario Draghi „failed“ – er habe versagt. Zum Beleg zeigt der Ökonom drei Charts mit Kurven. Darauf sieht man, wie sich die Verbraucherpreise unter den drei EZB-Präsidenten Wim Duisenberg, Jean-Claude Trichet und Mario Draghi entwickelt haben – und wie sie sich hätten entwickeln müssen, wenn die Inflation bei 2 Prozent gelegen hätte, wo sie nach dem Ziel der EZB „drunter, aber nahe bei“ hätte liegen sollen. Der Vergleich zeigt: Keiner der Vorgänger lag so weit entfernt von dem Ziel.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das sei „Draghis großes Paradox“, meint Ducrozet, dass ausgerechnet der Mann, dem oft übergroße Aktivität und Handeln über die Grenzen des Erlaubten hinaus vorgeworfen werde, dem einzigen Ziel der Notenbank am wenigsten nahegekommen sei: Draghi habe „den schlechtesten Inflations-Track-Record“ von allen. Gleichwohl ist sich Ducrozet sicher: Wenn Draghi das alles nicht getan hätte, lebten wir heute in einer anderen Welt; auch in Deutschland, mit einer höheren Arbeitslosigkeit und weniger Wachstum.

          Von der neuen EZB-Präsidentin Christine Lagarde erwartet Ducrozet einen neuen Stil. Lagarde werde die Kommunikation mit der breiten Öffentlichkeit verbessern. Sie lerne Deutsch. Früher oder später werde sie auch ins deutsche Fernsehen gehen. Zudem könnten die Beobachter der EZB jetzt nicht mehr versuchen, aus der Krawatten-Farbe des EZB-Präsidenten etwas herauszulesen – stattdessen vielleicht aus der Farbe des Halstuchs. Mit steigenden Zinsen dagegen rechnet Ducrozet für die nächsten zwei bis drei Jahre nicht.

          Spannend werde die Überprüfung von Mandat, Inflationsziel und Werkzeugen der EZB. Ducrozet glaubt, das Inflationsziel von „unter, aber nahe 2 Prozent“ könne man vereinfachen auf „2 Prozent“ oder „um die 2 Prozent“. Er meint zudem, die EZB könnte bei der Messung der Inflation künftig die Hauspreise stärker berücksichtigen, wie das in Amerika schon gemacht werde. Durch eine solche Umstellung könnte die Inflation dichter an 2 Prozent heranrücken. Sie bleibe aber weiterhin sehr niedrig, das ändere sich nicht.

          Dass Lagarde eine Juristin ist und keine Ökonomin, findet Ducrozet nicht so schlimm. Immerhin hatte das künftige EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel mal geäußert, es sei bemerkenswert, dass eine Juristin Chefin der Notenbank werden könne, aber niemand auf die Idee komme, dass eine Ökonomin ein oberstes Gericht leiten könne. Ducrozet meint, die EZB habe schließlich gute Ökonomen. Chefvolkswirt Philip Lane sei zwar „ein sehr akademischer Ökonom“, der Kenner der Finanzmärkte sei bislang Benoît Cœuré gewesen, der ausscheidet. Aber mit dem Italiener Fabio Panetta rücke ein „exzellenter Fachmann“ nach.

          Auch für Bundesbankpräsident Jens Weidmann findet Ducrozet Lob („ein großartiger Ökonom“, „humorvoll“, „smart“); deutet aber an, von dessen Interview in der „Bild“-Zeitung „Ist unser Geld in Gefahr?“ nach der letzten Zinssenkung irritiert gewesen zu sein – und sich vorstellen zu können, das Weidmann in die Politik wechseln wolle.

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