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50 Prozent mehr Anleihekäufe : Die EZB erhöht das Tempo

Zentrale in Frankfurt: Die EZB gibt Gas. Bild: dpa

Europas Notenbank macht ihre Ankündigung wahr und kauft auf Wochensicht erheblich mehr Anleihen als bislang. Was das für Anleger heißt – und warum die Märkte am Montag eher gelassen reagierten.

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          Die Europäische Zentralbank (EZB) hat das Tempo ihrer Anleihekäufe spürbar erhöht. In der vergangenen Woche stiegen die Netto-Anleihekäufe von 14 auf 21 Milliarden Euro, wie die Notenbank mitteilte. Das war der höchste Wert seit drei Monaten und der zweithöchste seit den Anfangswochen der Pandemie. Der Durchschnitt war zuletzt deutlich niedriger. Seit Januar hatte er zuvor bei wöchentlich 13,6 Milliarden Euro gelegen, wie der Ökonom Frederik Ducrozet von der Bank Pictet hervorhob.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Lagarde hatte auf der Pressekonferenz nach der vorigen EZB-Ratssitzung am 11. März angekündigt, die Notenbank wolle ihr gewaltiges Krisenprogramm von 1,85 Billionen Euro zwar aktuell nicht vergrößern, aber die Flexibilität stärker nutzen und das Tempo erhöhen – also Käufe gleichsam vorziehen. Im nächsten Vierteljahr sollten die Anleihekäufe „deutlich umfangreicher“ ausfallen als in den ersten Monaten des Jahres. Die Notenbank reagierte damit auf den Renditeanstieg am Anleihemarkt: Wenn dieser die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen deutlich verschlechtern sollte, so lautet die Überlegung, könnte das die Erholung der Wirtschaft aus der Pandemie schwieriger machen. „Wir werden die Ankäufe flexibel nach Maßgabe der Marktbedingungen und mit dem Ziel tätigen, eine verfrühte Verschärfung der Finanzierungsbedingungen zu vermeiden“, schrieb Lagarde am Montag in einem Blog-Beitrag.

          In der vorvergangenen Woche, als die Pressekonferenz mit der Ankündigung stattfand, hatten die Anleihekäufe gegenüber der Vorwoche von 12 auf 14 Milliarden Euro nur leicht zugelegt. In dieser Woche war der Anstieg also deutlich höher. Zu Beginn des Krisenprogramms im vergangenen Jahr hatte es allerdings auch schon mal noch höhere wöchentliche Käufe gegeben – damals wollte die Notenbank möglichst schnell auf die Krise reagieren.

          „Marktreaktion eher gedämpft“

          Die Finanzmärkte zeigten sich am Montag eher gelassen. Der Kurs des Euro legte gegenüber dem Dollar leicht zu, der deutsche Aktienindex Dax blieb im Handelsverlauf auf 14657 Punkten etwas im Plus und die Anleiherenditen bewegten sich nur leicht. Der Schritt der EZB habe innerhalb der Markterwartungen gelegen, meinte David Zahn, Chef für europäische Anleihen bei der Fondsgesellschaft Franklin Templeton: „Die Marktreaktion war eher gedämpft, da sich die Teilnehmer auf die laufenden EZB-Reden und -Zitate konzentrierten, die signalisieren, dass diese Erhöhung vorübergehend ist.“

          Der Anstieg der Nettokäufe um etwa 50 Prozent gegenüber der Vorwoche gehe aber über ein reines Signal hinaus, sagte Holger Schmieding, der Chefvolkswirt des Hamburger Bankhauses Berenberg: „Die EZB greift spürbar in den Markt ein, und zwar bisher mit dem Erfolg, den sie sich erhofft hat.“ Sie habe ihren Worten Taten folgen lassen. Die Eurozone werde sich auf Dauer allerdings nicht vom amerikagetriebenen Aufwärtstrend der globalen Renditen abkoppeln können.

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