https://www.faz.net/-gv6-a3qzd

Geldpolitik : EZB hadert mit Inflationsziel

Die Geldmenge wächst - aber nicht mehr ganz so stark wie noch im Juli. Bild: dpa

Die Geldmenge in der Eurozone wächst im August nicht mehr ganz so stark. Unterdessen diskutieren Mitglieder des EZB-Rats über das künftige Inflationsziel - und den digitalen Euro

          1 Min.

          Die Geldmenge in der Eurozone ist im August weiter kräftig gewachsen, aber nicht mehr ganz so stark wie im Juli. Das hat die Europäische Zentralbank (EZB) am Freitag mitgeteilt. Die breiter gefasste Geldmenge M3, dazu gehören neben Bargeld und Sichteinlagen auch diverse geldähnliche Wertpapiere und Anlagen, stieg im August um 9,5 Prozent, nach 10,1 Prozent im Juli. Die enger gefasste Geldmenge M1 dagegen, das ist vor allem Bargeld und Sichteinlagen von Nichtbanken, stieg um 13,2 Prozent, nach 13,5 Prozent im Juli.

          Kreditvergabe steigt weiter kräftig

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Kreditvergabe an Unternehmen wuchs um 7,1 Prozent. Damit fällt der Anstieg schon den dritten Monat in Folge so stark aus wie seit elf Jahren nicht mehr. An die Haushalte vergaben die Banken im August 3 Prozent mehr Kredite als ein Jahr zuvor. Auch in den beiden Monaten zuvor lag der Zuwachs in dieser Höhe.

          Mitglieder des EZB-Rats äußerten sich am Freitag unterdessen auch zum künftigen Inflationsziel der Notenbank und zum digitalen Euro. Der Präsident der französischen Notenbank, François Villeroy de Galhau, sagte bei einer Online-Konferenz, das Inflationsziel von „unter, aber nahe 2 Prozent“ werde häufig als eine Art Obergrenze verstanden. Er sprach sich dafür aus, es in einem symmetrischen Sinn zu interpretieren: Nach dem Unterschreiten könnte die EZB übergangsweise auch Inflationsraten von mehr als 2 Prozent tolerieren. „Wir sollten überprüfen, ob die aktuelle Formulierung das in Frage stellt“, sagte Villeroy de Galhau. Eine solche Umstellung müsse aber kein durchschnittliches Inflationsziel („Average Inflation targeting“) wie bei der amerikanischen Notenbank Fed zur Folge haben.

          Noch langer Weg zu digitalen Euro

          Der spanische Notenbankchef Pablo Hernández de Cos vertrat unterdessen die Auffassung, der Weg zum digitalen Euro in Europa sei noch lang: Die EZB brauche vor einer Entscheidung erstmal „umfassende Beratungen und Vorprüfungen“. „Ich denke, wir sollten den gegenwärtigen Stand unserer Arbeit vertiefen“, fügte de Cos hinzu. Es müsse ein starkes Gewicht auf die Entwicklung einer Testagenda für ein solches Projekt  gelegt werden. Dies werde der Notenbank dabei helfen, eine sachkundige Entscheidung über die Ausgestaltungsmöglichkeiten zu fällen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Abgeordnete im Deutschen Bundestag

          Corona-Kompetenzen : Die Gesetze macht immer noch der Gesetzgeber

          Beim Streit über die Kompetenzen des Bundestages geht es um mehr als nur um Formalitäten. Die Debatte ist auch eine Abrechnung mit der Art, wie die Corona-Politik bisher zustande gekommen ist.
          Schönau am Königssee: Alle Touristen mussten den Landkreis Berchtesgadener Land bis zum Beginn des Lockdowns verlassen. (Archivbild)

          Lockdown am Königssee : Jetzt ist auch für den Tourismus Schluss

          2500 Gäste mussten bis 14 Uhr den Landkreis Berchtesgadener Land verlassen. Bergbahnen und Ausflugsschiffe stehen still. Bei den Einheimischen macht sich Wut breit – über all jene, die den Lockdown durch ihr sorgloses Verhalten provoziert haben.
          Ein Kühlschrank mit kostenlosen Lebensmitteln im Stadtteil Brooklyn.

          Lebensmittelversorgung : Von New Yorkern für New Yorker

          In New York stehen auf den Bürgersteigen Kühlschränke mit kostenlosen Lebensmitteln. In Zeiten der Corona-Krise ist die Nachfrage danach immens. Das Konzept ist unkomplizierter als die Tafeln.
          Netflix: Keine besonders guten Zahlen für die Kalfornier

          Weniger Neukunden als erwartet : Corona-Kater für Netflix

          Netflix hat zwar weiter Neukunden während der Corona-Krise gewinnen können, doch die eigene Prognose wurde verfehlt. Auch für die Zukunft plant das kalifornische Unternehmen vorsichtig. Die Aktie sank.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.