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Börsenwoche : Erreicht die Inflation noch im Mai die Marke von 8 Prozent?

Wie viel ist das Geld morgen noch wert? Bild: dpa

Zinswende und Inflation bleiben zentrale Themen an den Finanzmärkten. Die kommende Woche wird spannend: Viele Ökonomen rechnen mit einem weiteren Inflationsanstieg.

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          Was für Börsenzeiten! Beherrschte noch in der vergangenen Woche die Furcht vor einer globalen Rezession die Aktienmärkte, war die Stimmung zuletzt wieder deutlich zuversichtlicher: Der Dax näherte sich am Freitag mit einem Plus von mehr als 2 Prozent dem Wochenende und erreichte zeitweise den höchsten Stand seit fünf Wochen. Der amerikanische Index Dow Jones stand auf Wochensicht mehr als 5 Prozent im Plus – und der zuletzt arg gebeutelte Technologieindex Nasdaq 100 kam zeitweise auf ein Wochenplus von 5,6 Prozent. Die Analysten der Landesbank Hessen-Thüringen sprachen von einem „Stimmungsumschwung“.

          „Fed scheint mit Augenmaß vorzugehen“

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zinswende und Inflation bleiben dabei zentrale Themen für die Finanzmärkte: Die jüngste Sitzungsprotokolle der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) wurden als Zeichen gedeutet, dass die Notenbank ihren geldpolitischen Normalisierungskurs im bisherigen Tempo fortsetzt und zumindest nicht unerwartet weiter beschleunigt. „Die Investoren zeigen sich erfreut, dass die Fed bei aller Aggressivität mit Augenmaß vorzugehen scheint“, kommentierten die Analysten des Bankhauses Metzler.

          „Der Euroraum hingegen ist noch damit beschäftigt, die (zu) späte Kehrtwende der EZB zu verarbeiten“, meinen die Analysten der Helaba.

          Europäische Bankaktien legen deutlich zu

          EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte zu Wochenbeginn deutlich konkreter als bislang den geplanten Pfad der geldpolitischen Normalisierung beschrieben – mit einer ersten Zinserhöhung im Juli und einem Ende der Negativzinsen oder einem sogar leicht positiven Zinssatz im September.

          Bundesbank-Präsident Joachim Nagel bekräftigte zum Wochenausklang in einem Interview, der erste Zinsschritt müsse im Juli kommen, weitere „in der zweiten Jahreshälfte“ folgen. Kein Wunder, dass Bankaktien zu den Wochengewinnern gehörten: Banken profitieren oftmals von steigenden Zinsen. Die Commerzbank verzeichnete ein Kursplus von fast 12 Prozent, die Deutsche Bank von mehr als 10 Prozent.

          Kommende Woche Inflationszahlen für Mai

          In der kommenden Woche dürften mit Interesse die Inflationszahlen für Mai erwartet werden. Am Montag will das Statistische Bundesamt den Wert für Deutschland veröffentlichen, am Dienstag das europäische Statistikamt Eurostat den Wert für den Euroraum insgesamt.

          War bislang gern mal die Rede davon, im Sommer könnte die Inflation 8 Prozent erreichen, so wird aktuell spekuliert, dieser Wert könnte schon im gerade zu Ende gehenden Monat erreicht worden sein.

          Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer jedenfalls rechnet mit 8,0 Prozent Inflation im Mai für den Euroraum: „Der unterliegende Inflationsdruck hat sich noch einmal verstärkt“, sagt er. So seien die Erzeugerpreise im verarbeitenden Gewerbe Deutschlands zuletzt um mehr als 33 Prozent gestiegen. Aber auch bei den Löhnen tue sich etwas: Nachdem die Tariflöhne im Euroraum im vierten Quartal 2021 nur um 1,6 Prozent gestiegen seien, legten sie im ersten Quartal dieses Jahres immerhin schon um 2,8 Prozent zu. Außerdem forderten die Gewerkschaften etwa in Deutschland für die anstehenden Verhandlungen Lohnsteigerungen um 6 bis 7,5 Prozent für eine Laufzeit von zwölf Monaten. „Die Inflation kommt zunehmend bei den Löhnen an“, glaubt Krämer: „Das Risiko einer Lohn-Preis-Spirale steigt.“

          Etwas vorsichtiger ist da Karsten Junius von der Bank J. Safra Sarasin. Er rechnet mit 7,8 Prozent Inflation im Mai im Euroraum, der Consensus der Analysten beim Nachrichtendienst Bloomberg liege bei 7,7 Prozent.

          „Etwa 8 Prozent“ Inflation sowohl im Euroraum als auch in Deutschland erwartet Holger Schmieding, der Chefvolkswirt des Hamburger Bankhauses Berenberg. Im Mai sei der Ölpreis wieder etwas gestiegen – zudem erreichten die hohen Preise etwa für Erdgas und Getreide die Verbraucher mit Zeitverzögerung. Auch aus den durch chinesische Lockdowns abermals erheblich gestörten Lieferketten ergebe sich Kostendruck, ist der Ökonom überzeugt: „Der Tankrabatt und andere Eingriffe dürften dann dafür sorgen, dass die Rate im Juni etwas zurückgeht.“

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