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EZB-Direktorin im Interview : „Wir werden keine übermäßig hohe Inflation erleben“

Isabel Schnabel, 49, ist seit 2020 Mitglied im Direktorium der EZB. Bild: Lucas Bäuml

EZB-Direktorin Isabel Schnabel verteidigt das neue Inflationsziel, spricht über die Zukunft der Anleihekäufe und erklärt, warum die EZB jetzt auch im Klimaschutz mitmischt.

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          Frau Schnabel, die Europäische Zen­tralbank (EZB) hat sich ein neues, höheres Inflationsziel von zwei Prozent gegeben. Müssen die Menschen jetzt Angst vor höherer Inflation haben?

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
          Dennis Kremer
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nein. Zum einen ist der Anstieg des Inflationsziels minimal. Zum anderen hat ein Ziel von zwei Prozent eine wichtige Funktion: Es schafft zusätzliche Spielräume, damit unsere Geldpolitik ihre stabilisierende Wirkung entfalten kann. In schlechten Zeiten, wie in der Pandemie, stimuliert sie die Wirtschaft mit niedrigen Zinsen und hat dadurch erhebliche positive Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung und den Arbeitsmarkt. Allerdings sind heute die Zinsen bereits so niedrig, dass sie kaum noch gesenkt werden können. Das liegt nicht in erster Linie an der EZB. Der Wunsch nach Ersparnis ist beispielsweise aufgrund der demographischen Entwicklung sehr groß, die Nachfrage nach Investitionen hingegen eher gering. Deswegen fallen die Zinsen weltweit seit vielen Jahren. Das neue Inflationsziel sichert unseren Handlungsspielraum und nutzt den Menschen.

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