https://www.faz.net/-gv6-9q2o1

Negativzins : Der Druck auf die Banken steigt

  • Aktualisiert am

Parkverbot für Geld: Die Raiffeisenbank in Gmund am Tegernsee ist Vorreiterin in Sachen Strafzinsen Bild: dpa

Auch der Verband des privaten Bankgewerbes äußert sich nun zu dem umstrittenen Thema negativer Zinsen. Die Europäische Zentralbank könnte den Einlagenzinssatz im September weiter in den negativen Bereich schieben.

          Eine steigende Zahl von Bankkunden muss womöglich bald Strafzinsen auf Einlagen zahlen. „Es könnte sein, dass viele Banken auf Dauer nicht mehr umhinkönnen, die zusätzlichen Belastungen auch in der Breite an Privatkunden weiterzugeben“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, Andreas Krautscheid, den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Mittwoch.

          Hintergrund sind Befürchtungen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Einlagenzins im September von minus 0,4 Prozent auf 0,5 Prozent weiter absenken könnte. Krautscheid zufolge schlägt schon heute der Strafzins, den die Banken bei der EZB für das Parken von Geldanlagen bezahlen müssen, bei den deutschen Geldhäusern mit rund 2,3 Milliarden Euro im Jahr zu Buche.

          Bislang stellen aber nur wenige Institute ihren Kunden die Strafzinsen in Rechnung, wie die Funke Zeitungen schrieben. Demnach sind meist besonders hohe Guthaben auf Giro- und Tagesgeldkonten im sechsstelligen Bereich betroffen. Die Möglichkeiten, die zusätzlichen Belastungen über Entgelte und Zinsen an die Kunden weiterzugeben, nannte Krautscheid „begrenzt“. Dies müsse jede Bank selbst entscheiden. „Aber der Druck steigt weiter, sie auszuschöpfen.“

          Der Bankenverband forderte zugleich die EZB auf, unter ihrer künftigen Präsidentin Christine Lagarde umfassender die Folgen ihrer Geldpolitik mit Niedrig- und Negativzinsen zu prüfen. „Dazu müssten auch die Kollateralschäden der Niedrigzinspolitik mehr wahrgenommen werden – also in Deutschland die steigenden Immobilienpreise oder die Probleme für die Altersvorsorge“, sagte Krautscheid den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Denn die private Vorsorge und Versicherungen gerieten immer mehr in Bedrängnis, mahnte der Verbandshauptgeschäftsführer. „Klar ist doch, dass negative Zinsen kein Dauerzustand sein dürfen.“

          Mit Krautscheid haben sich nun auch die privaten Banken zum Negativzins für Privatkunden geäußert, nachdem die Präsidentin des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken im Juli dazu Stellung genommen hatte. „Es wird für Banken immer schwerer, bei anhaltenden Negativzinsen eine angemessene Profitabilität im Kundengeschäft sicherzustellen“, sagte die BVR-Präsidentin Marija Kolak damals. Was Banken bei dieser Debatte meist unerwähnt lassen: Die Geldpolitik ist nicht die einzige Determinante der Marktzinsen. Diese werden eben auch durch das Angebot und die Nachfrage nach Kapital bestimmt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ihnen reicht der Kompromiss nicht: Wie in Berlin demonstrierten Hunderttausende

          Kompromiss und Proteste : Was in der langen Nacht geschah

          Erst war das Klimaschutzgesetz fast am Ende, dann kam der Protest – und dann stritt das Kabinett eine Nacht lang. Jetzt sonnt sich die Politik im Glanz der Einigung. Währenddessen dröhnt der Protest Hunderttausender.
          Bittet zum Rapport: Gauland bei einem Wahlkampftermin in Thüringen

          Streit in der AfD : Zum Vorsprechen bei Gauland

          Die AfD-Führung zitierte am Freitag einige Unruhestifter zum Rapport – einer kam gar nicht erst, sondern schimpfte auf Facebook. Andere verkündeten den Frieden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.