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EZB-Präsidentin : Lagarde warnt vor systemgefährdenden Cyberattacken

Die EZB-Präsidentin warnt. Bild: AP

Die EZB-Chefin hält einen umfassenden Angriff auf das Finanzsystem des Euroraums für möglich. Neue Schutzmaßnahmen sollen helfen, schneller und besser reagieren zu können.

          2 Min.

          Der Begriff des „systemischen Risikos“ ist in der Finanzkrise populär geworden. Er umschrieb damals vor allem die Gefahr, dass die Insolvenz einer Bank eine Kettenreaktion hervorrufen kann, die dann das gesamte Finanzsystem gefährdet. Heute sieht Christine Lagarde, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), solche „systemischen Risiken“ vor allem im Zusammenhang mit dem Klimawandel, der auch die Banken vor Herausforderungen stelle; und bei Cyberangriffen auf das Finanzsystem. Das hob sie am Mittwoch auf der Jahreskonferenz des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken (ESRB) hervor, der im Jahr 2010 als Reaktion auf die Finanzkrise gegründet worden war.

          Riskanten Verfälschung von Informationen

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Der Finanzsektor ist auf eine robuste Informationstechnologie angewiesen“, sagte Lagarde. Das Vertrauen der Menschen in das Finanzsystem hänge von der „Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit“ der von ihm verwendeten Daten und Systeme ab. Es sei deshalb über die Einzelfälle hinaus gefährlich, wenn Cyberangriffe dafür sorgten, dass Informationen und Daten verfälscht würden. Nichts Geringeres als das Vertrauen in das Finanzsystem selbst könnte dadurch ins Wanken geraten. „Cyberattacken stellen in diesem Sinne ein systemisches Risiko dar“, äußerte die EZB-Präsidentin. Bislang habe es zwar noch keinen Cybervorfall von systemischer Bedeutung gegen das Finanzsystem gegeben. „Aber die Cyberangriffe auf Krankenhäuser in Europa während der Corona-Krise und der Angriff auf die Colonial Pipeline in den Vereinigten Staaten haben uns einen Vorgeschmack darauf gegeben, was in Zukunft passieren könnte“, sagte Lagarde. Ein solcher Angriff sei wahrscheinlich nur noch eine Frage des „Wann“, nicht des „Ob“.

          Dafür gebe es drei Gründe, sagte Lagarde: Erstens führe die fortschreitende Digitalisierung dazu, dass Unternehmen immer anfälliger für Cyberangriffe würden. Die Krise habe diesen Trend beschleunigt. „Die Finanzinstitute mussten ihre technologische Infrastruktur an die plötzliche Zunahme des Homeoffice und der Kundenbeziehungen aus der Ferne anpassen, was die Effizienz, aber auch die Anfälligkeit erhöhte.“ Zweitens habe die zunehmende Vernetzung von Informationssystemen eine schnelle Verbreitung von Cybervorfällen erleichtert. In der EU gebe es etwa 22.000 Finanzunternehmen und die Digitalisierung habe die Verflechtungen zwischen ihnen und mit Dritten vertieft. „Deshalb kann sich ein Cybervorfall schnell von einer betrieblichen Störung zu einem systemischen Ereignis ausweiten“, warnte Lagarde.

          Drittens würden Cybervorfälle insgesamt häufiger und raffinierter. So sei allein die Zahl der an die EZB gemeldeten Cyberangriffe im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 54 Prozent gestiegen. Alle beteiligten Institutionen müssten sich vorbereiten: „Wenn ein solches Ereignis eintritt, ist eine koordinierte und rasche Antwort unerlässlich.“ Der Ausschuss für systemische Risiken werde bald ein Rahmenwerk vorlegen, wie man im Falle eines solchen systemischen Angriffs reagieren müsse. Dazu gehörten Kommunikationskanäle und eine Klassifizierung von Cybervorfällen, die es allen Behörden ermögliche, die Situation möglichst rasch angemessen einzuschätzen.

          Sorgen über Anstieg des Schuldenberges

          Lagardes Vorvorgänger an der Spitze der EZB, Jean-Claude Trichet, erinnerte an die Gründungsjahre des ESBR: die Finanzkrise und Eurokrise. Jene Zeit, in der nicht nur Griechenland gerettet werden musste, sondern auch Irland, Portugal, Italien und Spanien erheblich unter Druck gerieten. Damals habe man Eingriffe vorgenommen, die schwer zu realisieren waren, stark kritisiert wurden – aber aus seiner heutigen Sicht „absolut notwendig“ gewesen seien. Trichet warnte, die Krisen der Vergangenheit von der Asienkrise bis zur Finanzkrise seien überwiegend nicht vorhergesehen worden. Das lasse für die Zukunft vorsichtig sein. Was ihn im Moment sehr beunruhige, sei der globale Anstieg der Schulden.

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