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Immer weitere Äußerungen : EZB bereitet geldpolitische Wende für ihre März-Sitzung vor

Die EZB bereitet ihre März-Sitzung verbal vor. Bild: dpa

Nach Jahren der ultralockeren Geldpolitik dürfte Europas Notenbank auf ihrer nächsten Sitzung erste Schritte zur Normalisierung ankündigen. Spitzenvertreter bereiten den Schritt jetzt mit öffentlichen Äußerungen vor. Auch der EZB-Chefvolkswirt rechnet nicht mehr mit einer Rückkehr der sehr niedrigen Inflationsraten.

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          Am 10. März steht bei der Europäischen Zentralbank (EZB) eine spannende Sitzung an. Die Notenbank will dann, so wird jetzt zumindest erwartet, erste Schritte zu einer Straffung der Geldpolitik ankündigen. Oder zu einer „Normalisierung“, wie man es in der EZB lieber ausdrückt. Zu dieser Sitzung soll es neue Inflationsprognosen aus dem Stab der Notenbank geben. Diese werden höher ausfallen als die alten, daran kann es eigentlich keinen Zweifel geben. Die EZB wird dann zwar nicht erwarten, dass die Inflationsraten im Jahresverlauf drastische Höhen erreichen. Aber eine Position, dass die Inflation mittelfristig deutlich unter dem Ziel von 2 Prozent liegt und deshalb unkonventionelle Maßnahmen der Geldpolitik weiterhin notwendig macht, wäre damit vermutlich schwer zu halten.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nun bereiten die EZB-Spitzen die Sitzung offenbar mit vorsichtigen Äußerungen in der Öffentlichkeit vor. Und zwar in einem Prozess, in dem man sich immer mal wieder vorwagt, und dann bei zu starken Reaktionen der Finanzmärkte die Äußerungen in der nächsten Rede wieder ein bisschen relativiert. Aufhorchen lässt, dass auch Vertreter aus dem EZB-Rat, die nicht unbedingt zu den „Falken“ gehören, die immer schon eine Straffung der Geldpolitik forderten, sich mittlerweile in Richtung einer Normalisierung zu Wort melden – wenn sie auch vor Übereilung warnen.

          Immobilienpreise sind besonders stark gestiegen

          Zuletzt äußerte sich EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel. In einem Interview sagte sie, es gelte bei der Bewertung der Inflation auch den Anstieg der Preise für Wohneigentum in den Blick zu nehmen. Der Immobilienboom erhöhe das Risiko, dass die Währungshüter zu spät bei der Änderung der Geldpolitik agierten, warnte die Ökonomin im Gespräch mit der Zeitung „Financial Times“. Mit Blick auf die weitere geldpolitische Kursbestimmung sagte sie: „Wir können das nicht ignorieren.“

          Bemerkenswert sind auch Äußerungen des französischen Notenbankchefs Francois Villeroy de Galhau: Er brachte am Dienstag auf einer Veranstaltung der London School of Economics ein Ende der Anleihenkäufe im Rahmen des längerfristigen Anleihekaufprogramms APP („Asset Purchase Programme“) für das dritte Quartal ins Spiel. Ein Ende der Nettoanleihekäufe gilt als eine Voraussetzung für eine Zinserhöhung. Lediglich der österreichische Notenbankchef Robert Holzmann hatte im Gespräch mit der F.A.Z. ins Spiel gebracht, die Zinsen womöglich schon vor dem Ende der Anleihekäufe zu erhöhen. Manche Ökonomen würden für den Fall allerdings Schwierigkeiten mit der sogenannten Zinsstrukturkurve befürchten, die das Verhältnis von langfristigen zu kurzfristigen Zinsen beschreibt. Die EZB versucht mit den Anleihekäufen, die langfristigen Zinsen zu beeinflussen, während die Leitzinsen eher auf die kurzfristigen Zinsen wirken.

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