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Geldpolitik : EZB akzeptiert vorübergehend mehr als 2 Prozent Inflation

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Die EZB in Frankfurt Bild: dpa

Die Währungshüter haben erstmals auf Basis ihrer neuen Strategie entschieden. Die Zinsen bleiben unverändert niedrig – geändert hat sich etwas anderes.

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          Die Europäische Zentralbank hat entschieden, künftig eine noch expansivere Geldpolitik zu verfolgen. Die Euro-Währungshüter setzen damit ihre gerade beschlossene neue Strategie um, in der sie das Inflationsziel angepasst haben. Sie haben während ihrer Sitzung an diesem Donnerstag in Frankfurt bekräftigt, dass sich die mittelfristige Teuerungsrate auf 2 Prozent stabilisieren solle. „Dies kann auch eine Übergangsphase beinhalten, in der die Teuerungsrate leicht über dem angestrebten Zielwert liegt“, heißt es in einer Mitteilung der EZB. Die Wortwahl, mit der die Währungshüter die Leitzinsen in der Europäischen Währungsunion vorhersagen, hat sich damit noch einmal geändert; sie signalisiert eine noch größere Bereitschaft zu einer lockeren Geldpolitik als bislang schon.

          Den Leitzins selbst beließ die EZB derweil auf dem Rekordtief von null Prozent. Auf diesem Niveau liegt der wichtigste Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld inzwischen seit März des Jahres 2016. Zugleich müssen Geschäftsbanken nach wie vor 0,5 Prozent Zinsen zahlen für das Geld, das sie auf Konten bei der Notenbank vorhalten.

          Das zu Beginn der Corona-Pandemie aufgelegte, besonders flexible Notkaufprogramm für Staatsanleihen und Wertpapiere von Unternehmen (Pandemic Emergency Purchase Programme, PEPP) mit einem Volumen von 1,85 Billionen Euro führt die EZB bis mindestens Ende März 2022 fort. Obwohl angesichts der anziehenden Konjunktur die Zweifel an der Notwendigkeit solcher Käufe wachsen, will die Notenbank das Tempo der Wertpapierkäufe im dritten Quartal erhöhen.

          Die Anleihenkäufe der EZB helfen Staaten wie Unternehmen: Diese müssen für ihre Wertpapiere nicht so hohe Zinsen bieten, wenn eine Zentralbank als großer Käufer am Markt auftritt. Insbesondere für Staaten ist das wichtig, weil sie in der Corona-Krise milliardenschwere Rettungsprogramme aufgelegt haben, die es zu finanzieren gilt.

          EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte in der vergangenen Woche Hoffnungen auf ein baldiges Ende des Anti-Krisen-Kurses abermals eine Absage erteilt. „Es ist jetzt nicht die Zeit, um über eine Ausstiegsstrategie zu sprechen“, betonte Lagarde: „Wir müssen sehr flexibel sein und dürfen nicht die Erwartung wecken, dass der Ausstieg in den nächsten Wochen oder Monaten erfolgt.“

          Am 8. Juli hatte die EZB ein flexibleres Inflationsziel vorgestellt. Künftig strebt die Notenbank für die 19 Staaten des Euroraums eine jährliche Teuerungsrate von zwei Prozent an. Bislang lag das Inflationsziel der EZB bei „unter, aber nahe zwei Prozent“. Mit diesem „symmetrischen“ Inflationsziel ist die Notenbank nicht mehr unmittelbar zum Reagieren gezwungen, sollten die Inflationsraten nach oben oder nach unten von dem prozentualen Ziel abweichen. Nach Ansicht von Volkswirten und Bankenvertretern verschafft sich die EZB mit ihrem neuen Inflationsziel von zwei Prozent mehr Freiraum, um auch bei steigenden Preisen an ihrer extrem expansiven Geldpolitik festhalten zu können.

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