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EY-Studie : Weniger Geld für deutsche Start-ups

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Mit 250 Millionen Euro erhielt der Münchner Flugtaxi-Entwickler Lilium im ersten Halbjahr 2020 die größte Investitionssumme. Bild: dpa

Deutsche Start-ups erhalten häufiger Geld von Investoren als jemals zuvor. Doch das ganz große Geld ist immer seltener drin.

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          Die Zahl der Finanzspritzen für Start-ups in Deutschland ist gestiegen, die investierte Summe jedoch gesunken. Zu diesen Ergebnissen kommt eine am Montag veröffentlichte Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY). Der Analyse zufolge gab es in der ersten Hälfte dieses Jahres zwar 8 Prozent mehr Finanzierungen als noch im Vorjahreszeitraum, das Investitionsvolumen sank im Vergleich jedoch um mehr als ein Fünftel auf 2,2 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2019 sei das Investitionsvolumen noch um mehr als 600 Millionen Euro höher gewesen.

          Besonders hervorzuheben seien die Standorte Berlin und Bayern: Während in der Hauptstadt die Finanzierungen für junge Unternehmen auf 149 angestiegen seien, sei das Investitionsvolumen um rund die Hälfte auf 1,1 Milliarden Euro eingebrochen. In Bayern hingegen sei die Anzahl der Finanzspritzen um 60 Prozent auf 83 geklettert und gleichzeitig das Investitionsvolumen von 204 auf 773 Milliarden Euro gewachsen. Damit bleibe Berlin zwar Deutschlands Start-up-Hauptstadt, der Freistaat habe jedoch deutlich aufgeholt. „München bildet sich als zweiter großer Start-up-Standort heraus“, sagt EY-Start-up-Experte Thomas Prüver.

          In anderen Bundesländern sehe die Lage nicht so rosig aus: Sowohl in Nordrhein-Westfalen als auch in Baden-Württemberg und Hamburg sei die Anzahl der Finanzierungen wie auch das Investitionsvolumen deutlich zurückgegangen.

          Einen klaren Corona-Effekt hat Prüver beobachtet. Die offensichtlichste Entwicklung sei der starke Rückgang der sehr großen Transaktionen mit einem Volumen von mehr als 100 Millionen Euro. Davon habe es nur noch zwei gegeben. Im Vorjahreszeitraum seien es noch sieben gewesen. Da es aber mehr kleine Transaktionen gegeben habe, mildere das den Corona-Effekt ab.

          Mit 250 Millionen Euro erhielt der Münchner Flugtaxi-Entwickler Lilium im ersten Halbjahr 2020 die größte Investitionssumme, gefolgt vom Berliner Technik-Verleiher Grover mit 195 Millionen Euro und der mobilen Smartphone-Bank N26 mit 91 Millionen Euro.

          Die Zahl der Finanzierungen sei nach einem sehr starken Jahresauftakt im Verlauf des ersten Halbjahres spürbar gesunken, weil geplante Transaktionen zunächst zum großen Teil auch noch abgeschlossen worden seien. Erst im Juni sei die Zahl auf ein Tief von 34 Finanzierungen gesunken. Die mittelfristigen Folgen der Krise werden sich daher erst in den kommenden Monaten zeigen. Die Investoren seien aber eindeutig vorsichtiger geworden.

          „Der Markt befindet sich im Umbruch – aber nicht in Schockstarre“, sagt Prüver. „Herausragende Geschäftsideen stoßen bei den Investoren nach wie vor auf großes Interesse.“ Trotz weniger Transaktionen habe das Gesamtvolumen im Juni immerhin 373 Millionen Euro betragen.

          Prüver sieht in der aktuellen Situation auch eine Normalisierung nach der Überhitzung der Vorjahre: „Die Investoren achten jetzt mehr auf Qualität, die Bewertungen rücken sich zurecht, einige Hype-Themen sind in der Realität angekommen – das muss keine schlechte Entwicklung sein.“

          Im ersten Halbjahr dieses Jahres verschoben sich die Schwerpunkte der Investitionstätigkeit in Deutschland deutlich: Auf der einen Seite konnte der Bereich Software & Analytics kräftig zulegen, und zwar um 12 Prozent auf 112 Transaktionen und um 30 Prozent auf 501 Millionen Euro. Andererseits floss deutlich weniger Geld vor allem an Mobilitäts-Startups und FinTechs: Im Mobilitäts-Segment ging das Finanzierungsvolumen um 34 Prozent auf 434 Millionen Euro zurück, bei jungen Finanzunternehmen gab es sogar einen Rückgang um 55 Prozent auf 313 Millionen Euro. SaaS (Software as a Service), Analytics und KI böten  vielversprechende Geschäftsideen – auch und gerade in Pandemie-Zeiten.

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