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Deutsche Börse : Express-Umfrage zu vorgezogenem Dax-Rauswurf von Wirecard

  • -Aktualisiert am

Von außen scheint die Welt noch in Ordnung zu sein: die Zentrale von Wirecard in Aschheim bei München Bild: Frank Röth

Die Deutsche Börse will ihre Regeln doch schon bald ändern. Jeder darf dazu per E-Mail seine Meinung sagen. Bis Mitte August will die Börse die Antworten auswerten.

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          Und sie bewegt sich doch: Gut drei Wochen nach dem Insolvenzantrag der Wirecard AG erwägt die Deutsche Börse einen früheren Ausschluss der Aktie aus dem deutschen Leitindex Dax als geplant. Wie der Frankfurter Börsenbetreiber am Freitag mitteilte, werden bis zum 7. August Meinungen eingeholt, was Marktteilnehmer davon halten. Jedermann kann unter der E-Mail-Adresse consultation@stoxx.com seine Meinung dazu äußern, auch „interessierte Dritte“. Bis zum 13. August will die Börse die Antworten auswerten und eine Entscheidung treffen. Das Regelwerk könnte dann binnen einer Woche angepasst und auf dieser Basis zwei Handelstage später Wirecard aus dem Dax genommen werden, also in der dritten oder vierten Augustwoche.

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Ausschluss käme damit rund einen Monat früher als bisher absehbar. Das Regelwerk sieht eine Herausnahme von Unternehmen mit Insolvenzantrag zum nächsten Index-Anpassungstermin vor. Das ist im Fall von Wirecard der 22. September. Zunächst hatte die Börse die Verlässlichkeit ihres Regelwerks betont und eine schnellere Herausnahme von Wirecard aus dem Dax ausgeschlossen. Doch der Druck auf die Börse ist gewachsen. Alle anderen relevanten Indexanbieter haben Wirecard aus den Indizes entfernt, auch die ebenfalls zur Deutschen Börse gehörenden Stoxx-Indizes.

          Von 200 auf 2 Euro gefallen

          Nun hat die Börse erkannt, dass „dieses Verfahren nicht den Erwartungen eines großen Teils der Marktteilnehmer entspricht“. Gleichwohl sieht das Regelwerk Konsultationen vor, bevor die Indexregeln geändert werden können, daher nun die Möglichkeit, per Mail seine Meinung kundzutun. Anders als üblich wurde die Frist dazu auf drei Wochen verkürzt.

          Formal sollen die Marktteilnehmer in ihren E-Mails Bezug auf ein Schreiben nehmen, das auf der Internetseite dax-indices.com zu finden ist. Dort werden die Vorschläge der Börse genauer erörtert. So soll künftig das Bekanntwerden eines Insolvenzantrages dazu führen, dass ein Unternehmen binnen zweier Handelstage aus den Dax-Indizes herausgenommen wird. Sollte sich das Unternehmen wieder berappeln und fortgeführt werden, kann es sich nach dem Insolvenzverfahren wieder neu für Dax-Auswahlindizes qualifizieren.

          Die Börse will alle Antworten veröffentlichen – es sei denn, es wird um Vertraulichkeit gebeten. Auch eine Zusammenfassung soll es geben. Auf dieser Basis wird der Indexanbieter eine Entscheidung treffen.

          Der Kursverfall der Wirecard-Aktie hat zu einem Indexgewicht des Titels von 0,02 Prozent geführt. Die Aktie ist mithin jetzt schon praktisch irrelevant für die Dax-Entwicklung. Für die Reputation des Index ist es jedoch wenig dienlich, dass ein mutmaßlich auf Basis krimineller Machenschaften in den Index gekommenes Unternehmen dort noch mehrere Monate verbleiben darf, auch wenn es aus Sicht des Marktes fast wertlos geworden ist. Am Freitag kostete eine Wirecard-Aktie rund 2 Euro. Mitte Juni waren es noch gut 100 Euro. Zur Dax-Aufnahme im Spätsommer 2018 kostete die Aktie fast 200 Euro. Der Unternehmenswert ist von mehr als 24 Milliarden Euro auf rund 200 Millionen Euro abgesackt.

          Grundsätzliche Überprüfung des Regelwerks erwogen

          Misslich ist auch, dass Wirecard weiterhin Teil des Prime Standard ist, also jenes Börsensegments, das die Deutsche Börse als am strengsten reguliert bezeichnet. Dass Wirecard mehrmals die Bilanz für das Jahr 2019 nicht vorgelegt hat, führt nicht zu einem Rauswurf aus diesem Segment und damit auch aus dem Dax, für den der Prime-Status Voraussetzung ist. Vielmehr löst ein Verstoß gegen die Bilanzvorlagepflicht ein mehrstufiges Verfahren mit Anhörungen, Mahnungen, Geldstrafen und erst in einer sehr weiten Zukunft womöglich einen Rauswurf aus.

          Die Börse erwägt daher, ihr Dax-Regelwerk auch grundsätzlich zu überprüfen. Dazu sollen in den kommenden Wochen Vorschläge erarbeitet werden, die dann wohl im September mit dem Arbeitskreis Aktienindizes diskutiert werden und noch vor Jahresende bekanntgegeben werden sollen. Hier wird es dann zum einen um die Erfahrungen aus dem Fall Wirecard gehen, und es könnte zum Beispiel eine Loslösung der Dax-Indizes vom Prime Standard geben. Aber auch ganz grundsätzliche Themen wie die Zahl der Index-Mitglieder, die oft schon als zu klein kritisiert wurde, aber auch die Pflicht zu Quartalsberichten, könnten diskutiert werden.

          Größere Änderungen in den Regeln für den Dax gab es schon längere Zeit nicht mehr. In der Dax-Familie wurde im September 2018 die letzte große Veränderung vorgenommen, als der M-Dax und der S-Dax für Technologieunternehmen geöffnet wurden, die zuvor nur im Tec-Dax sein durften. In diesem Zusammenhang wurde auch die Zahl der Index-Mitglieder im M-Dax von 50 auf 60 und im S-Dax von 50 auf 70 erhöht. Den Dax gibt es seit Sommer 1988, und er hatte stets 30 Mitglieder, wie auch der amerikanische Dow Jones. Viele andere Indizes haben wesentlich mehr Werte wie der französische Cac 40, der britische FTSE 100 und der japanische Nikkei 225.

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