https://www.faz.net/-gv6-7rie7

Exklusive Anlagen : Milliardäre auf Trophäenjagd

Begehrtes Anlageobjekt: Basketballclubs wie die Los Angeles Clippers locken Milliardäre an Bild: Los Angeles Times / Polaris /Stu

Wer reich ist, hat einen exklusiven Geschmack. Das gilt auch in der Anlage. Superreichen kaufen Kunst, Sportmannschaften und Luxusimmobilien.

          Noch widersetzt sich der amerikanische Milliardär Donald Sterling. Er will seine Basketballmannschaft Los Angeles Clippers nicht verkaufen. Doch er muss: Nachdem sich der 80 Jahre alte Milliardär gegenüber seiner Freundin über dunkelhäutige Menschen abfällig geäußert hat, verhängte der amerikanische Basketballverband NBA gegen ihn eine Strafe von 2,5 Millionen Dollar, sperrte ihn lebenslang und forderte ihn dazu auf, seine Anteile an den Clippers zu verkaufen. Ein Käufer fand sich schnell: Der ehemalige Microsoft-Chef Steve Ballmer war bereit, 2 Milliarden Dollar zu zahlen. Dabei besitzt Ballmer schon die Seattle Super Sonics, ebenfalls eine Basketballmannschaft der ersten amerikanischen Profiliga.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ballmers Vermögen wird auf 19 Milliarden Dollar geschätzt, und er liegt mit seinem Interesse an Sportmannschaften voll im Trend: Die Superreichen gehen auf Trophäenjagd. Die Liste dieser „trophy assets“ ist lang. Die für die Vermögensverwaltung sehr reicher Personen in den Vereinigten Staaten zuständige Managerin der Deutschen Bank, Caroline Kitidis, zählt zu diesen prestigeträchtigen Objekten neben Sportmannschaften Luxusimmobilien, Weingüter, Golfplätze oder Kunst. „Das Interesse an solchen Trophäen ist vor allem bei den Neureichen stark verbreitet“, sagt sie. In einer Studie der Schweizer Großbank UBS wird der durchschnittliche Besitz an Luxusgütern je Milliardär auf 58 Millionen Dollar geschätzt.

          Bei insgesamt 2170 Milliardären in der Welt mit einem Gesamtvermögen von 6,5 Billionen Dollar sind das 126 Milliarden Dollar. Hinzu kommt der Immobilienbesitz: Die Milliardäre besitzen nach UBS-Schätzung Grundstücke und Häuser im Gesamtwert von 169 Milliarden Dollar oder durchschnittlich 78 Millionen Dollar. Wie aus der UBS-Studie weiter hervorgeht, ist Kunst das beliebteste Hobby der Milliardäre. Nach dem Jahresbericht der European Fine Art Foundation, die in Maastricht eine der wichtigsten Kunstmessen veranstaltet, stiegen im vergangenen Jahr die Umsätze mit Kunst und Antiquitäten um 8 Prozent auf knapp 66 Milliarden Dollar.

          Ein Beispiel der Trophäenjagd ist der Rekordpreis, den das Gemälde „Three Studies of Lucian Freud (Triptychon)“ des irischen Malers Francis Bacon im November 2013 erzielte. Das Auktionshaus Christie’s hatte das Gemälde selbst auf 85 Millionen Dollar geschätzt. Am Ende machte Elaine Wynn, die Mitgründerin der Spielkasinokette ihres Ex-Gatten Steve Wynn, das Rennen. Sie bot 142,4 Millionen Dollar. Laut Christie’s haben zehn Personen bis zu 80 Millionen Dollar geboten. Im Fokus steht gegenwärtig Kunst aus der Nachkriegszeit sowie zeitgenössische Kunst.

          Luxusimmobilien spielen wichtigste Rolle

          Doch die wichtigste Rolle spielen Luxusimmobilien. Zum Symbol dafür ist der Londoner Gebäudekomplex One Hyde Park geworden, der zwischen Hyde Park und dem Kaufhaus Harrods im teuren Einkaufsviertel Knightsbridge liegt. Nach Angaben der Entwickler des Immobilienprojekts, der Brüder Christian und Nick Candy (Candy & Candy), wurde das Penthouse mit 1500 Quadratmetern im Frühjahr zum Rekordpreis von 170 Millionen Euro verkauft. Der Käufer soll ein Oligarch aus Osteuropa gewesen sein. In den Hamptons, dem Rückzugsgebiet der New Yorker Oberschicht, wechselte eine Strandvilla für 100 Millionen Euro den Besitzer. Sowohl Käufer als auch Verkäufer stammen angeblich aus der Finanzbranche.

          Auch Deutschland ist verstärkt in den Blickpunkt der Reichen geraten. Der Immobilienberater Knight Frank zählt in seiner aktuellen Vermögensstudie München zu den begehrtesten Standorten. Dort seien die Preise im vergangenen Jahr um 10 Prozent gestiegen. Doch das reicht in Europa nur zum zweiten Platz. Dublin weist einen Anstieg von 17,5 Prozent aus. Die irische Hauptstadt befindet sich laut Knight Frank im vollen Erholungsmodus. Am deutlichsten sind die Immobilienpreise im vergangenen Jahr in Indonesien (Jakarta 38 Prozent, Bali 22 Prozent) sowie in Neuseeland (Auckland 29 Prozent, Christchurch 21 Prozent) gestiegen.

          Der wichtigste Markt für die Superreichen sind die Vereinigten Staaten. Die Deutsche-Bank-Managerin Kitidis, die im vergangenen Jahr von Goldman Sachs kam, zählt zu ihren Schlüsselkunden Personen mit einem Vermögen von mehr als 100 Millionen Dollar. Ihrer Ansicht nach werden die Vereinigten Staaten die führende Position in den nächsten zehn Jahren halten. Mehr als ein Drittel des Vermögens der Superreichen, das auf knapp 28 Billionen Dollar geschätzt wird, befindet sich in amerikanischen Händen.

          Europa kommt auf 28 Prozent, Asien auf 25 und Südamerika auf 8 Prozent. Insgesamt beziffert Kitidis die Zahl der Personen in der Welt, die ein Vermögen von mindestens 100 Millionen Dollar haben, auf über 52000. Sie besitzen zusammen fast 20 Billionen Dollar. Laut Kitidis versuchen die Superreichen verstärkt, traditionelle Anlagen zu reduzieren. Im Trend liegen direkte Unternehmensbeteiligungen, gerne auch mit anderen Reichen zusammen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Streit über Seehofer-Vorstoß : „Jede dritte Abschiebung ist gescheitert“

          Im Koalitionsstreit über den Vorschlag, Abschiebehäftlinge in normalen Gefängnissen unterzubringen, stellen sich Unionspolitiker hinter den Innenminister. Ausreisepflichtige Ausländer seien oft nicht auffindbar, sagte Innenpolitiker Schuster der F.A.Z. Doch die SPD hat Bedenken.

          Brexit-Debakel : Jetzt wird der Brexit lästig

          Nach der Chaos-Woche in London steht die britische Regierung jetzt endgültig im Regen. Doch politisch sind viele Akteure Lichtjahre voneinander entfernt. Wie lange noch?

          „Tatort“ aus Dortmund : Der Steiger geht

          Verdächtige Grabung im falschen Revier: Der Dortmund-„Tatort - Zorn“ baut lieber auf eine übersteigerte Parallelerzählung, als seinem Zentralmotiv zu vertrauen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.