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Neue Regeln der Bankenaufsicht : Europas Banken fehlen 135 Milliarden Euro Eigenkapital

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hat ihren Sitz in Basel. Bild: Reuters

Neue Vorgaben der Bankenaufseher belasten europäische Geldhäuser merklich. In Deutschland erwartet der Bankenverband noch größere Auswirkungen.

          Die europäischen Banken benötigen zusätzliches Eigenkapital in Höhe von 135 Milliarden Euro, um die neuen Eigenkapitalregeln (Basel IV) zu erfüllen. Das geht aus einer Studie der EU-Bankenaufsicht Eba hervor, die an diesem Dienstag veröffentlicht wurde.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Mindeskapitalanforderungen erhöhen sich durch die vollständige Umsetzung der neuen Vorgaben um 24,4 Prozent. Dafür haben die Banken bis zum Jahr 2027 Zeit. Die neuen Regeln werden ab dem Jahr 2022 schrittweise eingeführt.

          „Die Auswirkungen für die deutsche Banken fallen im europäischen Vergleich deutlich höher aus“, sagte Christian Ossig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB). Der private Bankenverband, dem Deutsche Bank und Commerzbank angehören, warnt vor den beträchtlichen Kapitalanforderungen der Regeln insbesondere für die Mittelstands- und Immobilienfinanzierung.

          Umsetzung in EU-Recht steht an

          „Bei der Umsetzung des Regelwerks in europäisches Recht muss eine Überforderung der Banken verhindert werden“, fordert Ossig. Darüber wird derzeit auf EU-Ebene noch diskutiert. Die EU-Regeln dürften erst im kommenden Jahr verabschiedet werden.

          „Basel IV wird nach den Ergebnissen der Eba-Untersuchung wesentliche Änderungen der Kapitalanforderungen für Europa bringen, obwohl vom Basler Ausschuss keine Erhöhung des Kapitalbedarfs der Banken beabsichtigt war“, sagte Gerhard Hofmann, Vorstandsmitglied im Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR).

          In der Europäischen Union wird nach Hofmanns Ansicht die politische Frage aufgeworfen, wie
          Spielräume genutzt werden könnten, um Wettbewerbsnachteile zu verhindern,
          ohne dabei jedoch die Glaubwürdigkeit der EU in Frage zu stellen.

          Nach Angaben der Eba entfällt der Kapitalbedarf fast ausschließlich auf die rund um den Erdball tätigen Großbanken. Dazu zählt eine Deutsche Bank ebenso wie die führenden französischen Institute BNP Paribas oder Socíété Générale. Schließlich fließen in die Eba-Studie auch noch britische Banken wie die stark in Asien vertretene HSBC ein.

          Die Eba verweist darauf, dass die Studie keine Gegenmaßnahmen der Banken wie die Verkleinerung der Bilanzen vorsieht. Zudem sinkt die Kapitallücke durch die Einbehaltung von Gewinnen auf 58,7 Milliarden Euro. Für mittelgroße Institute fällt der Kapitalbedarf mit 0,9 Milliarden Euro deutlich geringer aus. Kleine Instituten fehlen nur 0,1 Milliarden Euro.

          Die Bankenregulierer hatten sich im Dezember 2017 nach langen Verhandlungen auf neue weltweite Kapitalvorschriften für Banken geeinigt. Europäische Institute befürchten durch die strengeren Vorschriften Nachteile gegenüber amerikanischen Banken. So konzentriert sich in den Vereinigten Staaten das Geschäft mit der Immobilienfinanzierung vor allem auf die beiden staatlich kontrollierten Förderbanken Fannie Mae und Freddie Mac.

          Diese entlasten die amerikanischen Banken von den Immobilienkrediten, so dass sie dafür kein Eigenkapital vorhalten müssen. Je mehr Risiken die Banken in ihren Bilanzen haben, um so mehr Eigenkapital müssen sie vorhalten.

          Für die Basler Regeln ist der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht zuständig, dem die Vertreter von Notenbanken und Aufsichtsbehörden aus den führenden Wirtschaftsländern angehören. Er ist der in Basel ansässigen Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), der Bank der Notenbanken, angegliedert. Die strengeren Kapital- und Liquiditätsregeln sind eine Reaktion auf die Finanzkrise und sollen die Institute krisensicherer machen.

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