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Schuldtitel : Bund begibt mehr Anleihen im neuen Jahr

Der Kurs bleibt unverändert: Die EZB setzt auch weiterhin auf Bundesanleihen. Bild: dpa

Bundesanleihen sind immer noch gefragt – zumindest wenn es nach der Europäischen Zentralbank geht. Private und andere öffentliche Investoren bleiben dagegen skeptisch.

          Die Schuldtitel des deutschen Staates sind weiterhin gefragt, obwohl ein Großteil der Anleihen seit längerem nur noch negative Renditen abwirft. Gegenwärtig tragen die Marktzinsen aller Bundesanleihen, die bis zum 15. Februar 2025 fällig werden, ein negatives Vorzeichen. Jedoch zeigte sich der Geschäftsführer der Finanzagentur des Bundes, Tammo Diemer, am Dienstag anlässlich der Vorstellung des Emissionskalenders 2018 mit den Ergebnissen des zu Ende gehenden Jahres zufrieden. Der Schuldenverwalter begab Bundesanleihen in Höhe von 175,5 Milliarden Euro. Dafür boten Banken aus der Bietergruppe Bundesemissionen im Volumen von 214,9 Milliarden Euro. Das waren 22 Prozent mehr. Im nächsten Jahr plant die Finanzagentur die Begebung von Bundeswertpapieren über 189 bis 193 Milliarden Euro. Die Bandbreite ergibt sich aus dem noch nicht feststehenden Volumen inflationsindexierter Anleihen, die zwischen 6 und 10 Milliarden Euro liegen werden.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Der Anstieg des Emissionsvolumens ist vor allem auf den neuen Emissionsrhythmus für sechsmonatige Geldmarktpapiere (Bubills) zurückzuführen. Von diesen sehr kurzfristigen Schuldtiteln will die Finanzagentur im neuen Jahr mit 36 Milliarden Euro 80 Prozent mehr begeben. Die höheren Umlaufvolumina sollen nach Angaben von Diemer den Handel von größeren Portionen erleichtern und die Liquidität erhöhen. Von den 36 Milliarden Euro werden 21 Milliarden Euro dieser Titel aber schon im kommenden Jahr fällig. Damit tragen die sechsmonatigen Bubills zum Finanzierungsvolumen im kommenden Jahr nur 15 Milliarden Euro bei. Bereinigt um die sechsmonatigen Papiere, errechnet sich also ein Finanzierungsvolumen von 170 Milliarden Euro, das sogar unter dem Tilgungsvolumen von 171,6 Milliarden Euro liegt.

          Im nächsten Jahr wird der Bund auch mehr Anleihen im 30-jährigen Laufzeitenspektrum begeben. Die Finanzagentur plant mit einem Volumen von 16 Milliarden Euro. Das ist ein Anstieg von 5 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr. Im Jahr 2015 hatten die 30-jährigen Titel noch 6 Milliarden Euro zur Finanzierung des deutschen Staates beigetragen. Im Jahr 2016 waren es dann 9 Milliarden Euro. Es wird im kommenden Jahr aber keine neue 30-jährige Anleihe plaziert werden. Vielmehr sollen die schon umlaufenden Titel aufgestockt werden, um die Handelbarkeit dieser Titel zu erhöhen. Eine Ausweitung des Laufzeitenspektrums auf 50 Jahre oder noch länger schloss Diemer aber aus. Die Laufzeit von 30 Jahren bleibe weiterhin das Instrument für die Abdeckung des langfristigen Finanzierungsbedarfs zu attraktiven Konditionen. Im September hatte Österreich mit der erfolgreichen Plazierung einer 100-jährigen Anleihe am Finanzmarkt für Aufsehen gesorgt.

          Investoren halten sich zurück

          Wichtigster Investor in Bundesanleihen ist die Deutsche Bundesbank, die im Auftrag der Europäischen Zentralbank (EZB) im Rahmen des Anleihekaufprogramms die Titel erwirbt. Auf sie dürfte mittlerweile mehr als ein Fünftel aller umlaufenden Bundesanleihen entfallen. Diemer erwartet, dass die Bundesbank im neuen Jahr 3 bis 4 Milliarden Euro an Bundesanleihen erwerben wird. Hinzu kämen aus Fälligkeiten weitere 3 Milliarden Euro im Monat. Nach den Worten von Diemer hat die Bundesbank noch nicht das Limit aus dem EZB-Anleihekaufprogramm erreicht. Die Grenze liegt bei 33 Prozent, die insgesamt von einer Staatsanleihe erworben werden dürfen. Als weitere wichtige Investoren nannte Diemer Zentralbanken aus Asien und europäischen Ländern außerhalb des Euroraums. Dazu dürfte vor allem die Schweizerische Nationalbank (SNB) zählen, die insbesondere Bundesanleihen kauft, um einen zu starken Wechselkursanstieg des Schweizer Frankens zu verhindern.

          Private oder andere öffentliche Investoren dagegen halten sich schon seit einiger Zeit zurück. Der größte deutsche Lebensversicherer, die Allianz Leben, sieht die Renditen der Papiere schon seit Jahren als nicht mehr lukrativ genug an. Weil immer wieder Kunden kündigen und sich ihre Police auszahlen lassen, muss das Unternehmen dennoch Liquidität bereithalten, wie es durch Staatstitel möglich ist. Allerdings setzt die in Stuttgart sitzende Tochtergesellschaft des Allianz-Konzerns auf Staats- und Unternehmensanleihen aus anderen europäischen Ländern und Schwellenmärkten. Im Bestand gebe es noch in größerem Umfang Bundesanleihen, auch mit Laufzeiten von 50 Jahren wurden Papiere erworben – diese sind aber deutlich höher verzinst als Neuemissionen und müssen zu den hohen Verpflichtungen gegenüber Kunden passen, für deren Altersvorsorge gespart wird.

          Ähnlich argumentiert die Bayerische Versorgungskammer, die für zwölf Versorgungswerke die Kapitalanlage übernimmt – darunter für Angestellte im öffentlichen Dienst, Ärzte, Architekten, Apotheker und Anwälte. Im vergangenen Jahr waren nur noch 33 Milliarden der 65 Milliarden Euro Anlagegeld in festverzinslichen Wertpapieren angelegt. Ein wachsender Anteil liegt in Aktien – damals waren es 28 Milliarden Euro. Hinzu kommt ein kleiner Bestand an Immobilien. Selbst für 30 oder 50 Jahre laufende Bundesanleihen gebe es bei der Versorgungskammer keinen Bedarf, sagt eine Sprecherin. Zu viel Geld werde auf diese Weise zu lange festgelegt. Die Allianz Leben strebt zwar durchaus nach langen Laufzeiten, aber in höher rentierlichen Anlagen wie erneuerbaren Energien, Infrastruktur oder Mittelstandsfinanzierungen.

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