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Europäische Aktienmärkte : Bankaktien fallen abermals in Ungnade

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Kreditkrise ist mit voller Wucht zurückgekehrt und reißt die Bankaktien nach unten. Analysten fürchten sogar weitere Milliardenverluste. Am Freitag zählte zu den größten Verlierern die Barclays Bank.

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          Die noch lange nicht ausgestandene Kreditkrise ist in das Bewusstsein der Anleger zurückgekehrt. Zum Wochenschluss gerieten die Kurse der Banken auf den europäischen Aktienmärkten unter Druck und zogen den Gesamtmarkt ins Minus. Der europäische Dow Jones Stoxx Banks sank um gut 2 Prozent. Seit Jahresbeginn ist der Teilindex um 12 Prozent gefallen, mehr als jedes andere Segment des europäischen Kursbarometers Stoxx. Auslöser des jüngsten Kursrutsches waren Ängste vor weiteren Milliardenabschreibungen und die Herabstufungen vieler Bankwerte.

          Zu den größten Verlierern zählte am Freitag die Barclays Bank, deren Kurs in der Spitze um rund 8 Prozent einbrach. Der Grund dafür waren Gerüchte über Liquiditätsprobleme der drittgrößten britischen Bank. Analysten bezeichneten dies als unwahrscheinlich. Jedoch häufen sich die Sorgen über hohe Abschreibungen sowohl bei Barclays als auch bei der Royal Bank of Scotland (RBS), da beide im Geschäft mit strukturierten Kreditprodukten sehr aktiv sind. Goldman Sachs stufte Barclays wegen dieser Unsicherheiten herab. Barclays und RBS veröffentlichen keine Quartalsberichte, so dass die Ungewissheit bis ins nächste Jahr dauern dürfte.

          Neue Quartalszahlen in der nächsten Woche

          Steigende Ausfallraten auf dem amerikanischen Markt für Hypothekenkredite hatten in den vergangenen Monaten eine Vertrauenskrise auf dem Bankenmarkt ausgelöst und viele Großbanken zu milliardenschweren Abschreibungen gezwungen. Vor allem amerikanischen Banken wird unterstellt, nicht sämtliche Risiken rechtzeitig offengelegt zu haben - wegen dieses Verdachts fiel am Freitag der Kurs von Merrill Lynch um weitere 9 Prozent.

          Für zu wenig transparent halten Analysten auch die belgisch-niederländische Fortis. Die Schweizer UBS halbierte am Freitag mit dieser Begründung das Kursziel, woraufhin der Kurs um 4 Prozent einbrach. Der Kurs der französischen Société Générale fiel gleichfalls um rund 4 Prozent. Die Investmentbanksparte werde im dritten Quartal durch hohe Abschreibungen und Verluste im Eigenhandel belastet, sagte Cyril Meilland von Lehman Brothers. Die französische Bank veröffentlicht in der nächsten Woche Quartalszahlen, ebenso wie der Rivale BNP Paribas, für die Analysten keine negativen Überraschungen erwarten. Auch die Commerzbank und die Postbank berichten nächste Woche über ihr drittes Quartal.

          „Das vierte Quartal wird nicht schön aussehen“

          Marktbeobachter gehen nun davon aus, dass die Krise auf den Kreditmärkten die Gewinne der Investmentbanken auch im vierten Quartal kräftig belasten wird. Analysten von Goldman Sachs stuften am Freitag die gesamte europäische Bankbranche herunter. Zwar seien die Bankaktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 9,4 im Vergleich zum Gesamtmarkt (12,8) günstig, schreibt Analyst Peter Oppenheimer. „Dieses Argument gilt aber nur, wenn die Gewinnziele erreicht werden. Wir halten weitere Prognosesenkungen für wahrscheinlich.“ Eines der Hauptprobleme ist der Markt für kurzlaufende Anleihen („Commercial Papers“), der nunmehr seit zwölf Wochen schrumpft. Dies führt dazu, dass die Banken weitere sich über Commercial Papers refinanzierende Zweckgesellschaften (Conduits und SIVs) auf ihre Bilanzen nehmen und die von diesen Gesellschaften gehaltenen Kreditprodukte wertberichtigen müssen.

          Hinzu kommen steigende Ausfallraten amerikanischer Hypotheken, die zu weiteren Abschreibungen führen dürften. „Das vierte Quartal wird nicht schön aussehen“, sagt Ronny Rehn von Morgan Stanley. Zumal schon die nächsten Gewitterwolken aufziehen: Nach den aus amerikanischen Krediten für Privathäuser gestrickten Anleihen stehen seit kurzem diejenigen unter Druck, die aus gewerblichen Immobiliendarlehen bestehen. In den vergangenen Wochen ist die Zinsspanne für derartige CMBS-Papiere mit der schlechten Ratingnote „BBB“ von 70 auf 120 Basispunkte hochgeschossen. Auf diesem Markt waren Investmentbanken wie Deutsche Bank, Lehman Brothers, Morgan Stanley und Credit Suisse äußerst aktiv. Verbessern sich die Zinsspannen nicht, drohen hohe Abschreibungen.

          Auch die Probleme mit Krediten für Fusionen und Übernahmen sind nicht ausgestanden, denn den klassischen Abnehmern dieser Darlehen - sogenannten CLOs - fließt seit Monaten kein frisches Kapital mehr zu. „Die Banken kämpfen damit, das Zeug loszuwerden“, sagt ein Analyst. Marktbeobachter misstrauen daher auch den Aussagen von Deutsche-Bank-Vorstandschef Josef Ackermann, die Bank werde keine weiteren Abschreibungen vornehmen müssen. „Die Spuren der Kreditkrise werden wahrscheinlich auch im vierten Quartal in den Zahlen der Deutschen Bank Spuren hinterlassen“, sagt Rehn.

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