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Euro-Krise : Eine neue Hoffnung

  • Aktualisiert am

Auf der Kippe: In Brüssel wird die Zukunft des Euros beraten Bild: dpa

Die Kurse italienischer und spanischer Staatsanleihen steigen wieder. Die Anleger an den Anleihemärkten halten, so scheint’s, spürbare Fortschritte in der Krisenbewältigung für möglich.

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          Zunächst einmal zu den Fakten: Die Kurse italienischer und spanischer Staatsanleihen steigen wieder, und zwar merklich. Italienische Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren rentieren zu Wochenbeginn mit 6,1 Prozent. Noch vor nicht einmal sieben Tagen waren es mit 7,2 Prozent ein ganzer Prozentpunkt mehr. Das ist für die Verhältnisse am Staatsanleihenmarkt ein ganz schöner Schritt. Er mag auch daran liegen, dass der neue italienischer Minsterpräsident Mario Monti nunmher erste Ergebnisse geliefert hat. Am Wochenende legte er ein 30 Milliarden Euro umfassendes Paket vor, mit dem in den kommenden drei Jahren der Haushalt saniert und außerdem das Wirtschaftswachstum gefördert werden sollen.

          Auch am spanischen Anleihemarkt geht die Entspannung weiter. Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren rentieren nun mit 5,1 Prozent und damit erstens einen vollen Prozentpunkt niedriger als entsprechende italienische Papiere und zweitens rund 1,5 Prozentpunkte niedriger als noch vor einer Woche. Auch das ist - wie im Falle Italiens - eine respektable Verbesserung. Und das, obwohl der neue spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy zwar eine stattliche Mehrheit bei der Parlamentswahl erreichte, aber noch kein konkretes Sparprogramm vorgelegt hat.

          Deutschland leiht zum Nullzins Milliarden Euro

          Dass die Kurse französischer Staatsanleihen ebenfalls zulegten und Deutschland sich am Montag beinahe zu Nullzinsen (tatsächlich waren es 0,0005 Prozent) für sechs Monate 2,675 Milliarden Euro lieh - es hätte  sich sogar etwas mehr als 10 Milliarden Euro leihen können - ist da schon fast nicht mehr erwähnenswert. Zugleich steigen nicht nur die Kurse europäischer Staatsanleihen, sondern auch die europäischer Aktien - der Euro Stoxx 50 und der Dax liegen beide mit mehr als 1 Prozent im Plus nach einer starken Kurssteigerung in der Vorwoche wohlgemerkt.

          Wieso das so ist, wird von Marktteilnehmern überwiegend mit einer neuen Hoffnung auf merkliche Fortschritte in punkto Euro-Krisenbewältigung beantwortet. Geholfen hat zweifelsohne auch eine konzertierte Aktion der großen Zentralbanken der Welt unter der Führung der amerikanischen Federal Reserve, die Dollarausleihungen verbilligte. Das dürfte inbesondere europäischen Banken helfen, die interantional stark engagiert sind, dafür viele Dollar brauchen, aber gerade in dieser Währung offenbar zuletzt zunehmend Schwierigkeiten hatten, sich zu refinanzieren. Sind die Banken stärker, brauchen sie weniger Hilfe, was die Staaten belastet hätte, was wiederum die Banken aufgrund ihrer hohen Staatsanleihebestände getroffen hätte, was wiederum die Staaten betrofen hätte - die Stelle  eben, an der  sich die Krisenkatze in den Schwanz beißt.

          Zentralbanken greifen ein

          Tatsächlich ist der Zentralbankschritt aber wohl nur ein Grund. Gewichtiig scheint auch zu sein, dass es den europäischen Regierungen und wesentlich dem Krisen-Führungsduo Merkel/Sarkozy offenbar ernst ist mit einem neuen Schuldenpakt, der die Euroländer zu mehr Haushaltsdisziplin veranlassen soll - dem nachhaltig wichtigsten Schritt zur Überwindung der Krise. Auf dem nächsten Euro-Gipfel in dieser Woche könnte der Pakt schon von den übrigen Ländern angenommen werden.

          Daneben gibt es eine Menge Spekulationen, die sich im Wesentlichen darum drehen, welche Rolle die Europäische Zentralbank und der Internationale Währungsfonds in der Krisenbewältigung spielen könnten. EZB-Chef Mario Draghi hatte vor dem EU-Parlament weitere Hilfen nicht ausgeschlossen, diese aber davon abhängig gemacht, dass ein neuer Stabilitätspakt zustande kommt. Außerdem betonte er - was übrigens niemand bestreitet -, dass die EZB diese Krise nicht lösen, sondern allenfalls den Regierungen Zeit kaufen kann. Sollten sich die Regierungschefs einigen, gilt ein größeres Engagement der Zentralbank jedenfalls nicht als ausgeschlossen am Markt. Tatsächlich ist  die im Vergleich mit anderen großen Notenbanken wie der Federal Reserve und der Bank of England nach Ansicht von Marktbeobachtern der wesentliche Grund dafür, warum einige Staatsanleihen von Euroländern höher rentieren als britische Gilts, obwohl die Wirtschaft des Vereinigten Königreichs strukturell wesentlich schlechter dasteht als zum Beispiel die deutsche.

          Hilft die EZB über den IWF?

          Schließlich hält sich seit Tagen schon die Spekulation, die EZB könnte (und womöglich auch die amerikanische Federal Reserve) dem Internationalen Währungsfonds Geld leihen, dass dieser in einem Fonds einsetzt, um Euroländern mit Refinanzierungsschwierigkeiten notfalls helfen zu können.

          Was tatsächlich daran ist, wird diese und die kommenden Wochen zeigen. Zumindest die „Märkte“ gehen aber offenbar davon aus, dass die Politiker Fortschritte machen in der Bewältigung der Währungskrise.

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