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Euro : Der Aussteiger

  • -Aktualisiert am

Bernhard Seitz glaubt nicht, dass der Euro zu retten ist Bild: Wonge Bergmann

Bernhard Seitz glaubt nicht mehr an den Euro. Er hat seine Lebensversicherung gekündigt, Gold gekauft, Vorräte angelegt: Thunfisch und Apfelmus.

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          Bernhard Seitz bereitet sich auf das Ende des Euro vor. Wer nur das über Seitz gehört hat, der stellt sich einen verhuschten Menschen vor, der in einem dunklen Kellerraum kartonweise Apfelmus, Dosenmilch und Haferflocken hortet und natürlich auch ein Hunderterpack Haushaltskerzen. Für alle Fälle. Man sieht einen Mann, der auf den Ernstfall vorbereitet ist, für den Tag, an dem der Euro zerbricht. An dem die Zentralbank beginnt, wieder D-Mark-Scheine zu drucken, und die Läden für eine Weile dichtmachen müssen, bis all die neuen Geldscheine wieder unters Volk verteilt sind. So jedenfalls stellt man sich das vor. Wenn man Seitz aber sieht, verschwindet das Bild von der Kellergestalt und der gebunkerten Überlebensnahrung schnell wieder.

          Bernhard Seitz ist ein Mann, der manchmal betont langsam spricht, aber mit fester Stimme. Der kraftvolle Gesten einsetzt und gern gedeckte Anzüge trägt. Der auch ganz gut Politiker sein könnte und lieber in seinem aufgeräumten Büro als zu Hause im Keller erklärt, was er vom Euro hält.

          Regelrecht ein „Staatsputsch“

          Noch ist Seitz nicht Politiker, aber er hat eine politische Bewegung mitgegründet. Weil er unglaublich findet, was sich die Politiker im vergangenen Jahr bei der Euro-Rettung geleistet haben. Weil er für skandalös hält, dass mit dem Euro-Rettungsfonds die Schulden einzelner Länder auf ganz Europa umgelegt wurden. Und weil es für ihn regelrecht "ein Staatsputsch" war, dass Europa mittlerweile "vom Verbund unabhängiger Staaten übergegangen ist in einen Zentralhaftungsverbund", in dem sich die Regierenden des Kontinents klammheimlich wegbewegt hätten von der föderalen Europäischen Union hin zu den Vereinigten Staaten Europas mit Zentralregierung. Einfach so, über die Köpfe ihrer Bevölkerungen hinweg. Oder hat irgendjemand das Volk befragt, ob es all das wünscht und ob es in einem länderübergreifenden Haftungsverbund auf Gedeih und Verderb aneinandergekettet werden möchte? Seitz kann sich jedenfalls nicht erinnern. Und genau das regt ihn auf. Deshalb geht er seit ein paar Monaten auf die Straße.

          Er ist keiner, der laut wird, wenn er sich ereifert. Oder hektisch. Man merkt es daran, dass er einen gesagten Satz einfach noch einmal formuliert, oder sogar dreimal. Bis er noch präziser, noch schärfer, noch direkter sitzt. Bis er mit einem Wort wie Tyrannei, totalitär oder Putsch endet. Oder mit dem Aufruf, dass es wieder mehr Anstand geben müsse, mehr Moral und natürlich direkte Demokratie. Denn das ist es, wofür Seitz kämpft.

          Aktionsbündnis direkte Demokratie

          Er fordert mit dem Aktionsbündnis direkte Demokratie, dass die Regierung das Volk gefälligst wieder fragt, bevor sie "das gesamte deutsche Volksvermögen auf den Tisch legt", um weiter den Euro zu stützen, statt das Experiment einer gemeinsamen Währung für gescheitert zu erklären. Dazu hat er die Verfassungsbeschwerde eingereicht, um den Rettungsschirm für null und nichtig erklären zu lassen. Das Verfassungsgericht lehnte sie im April ab. Seitz aber beharrt: "Dieses diffuse Gefühl, dass das Ganze nicht richtig ist, das ist weit verbreitet in der Bevölkerung."

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