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Euribor-Zins-Manipulation : Starhändler der Deutschen Bank muss ins Gefängnis

  • Aktualisiert am

Christian Bittar hat einst einen Bonus von mehr als 80 Millionen Euro erhalten. Jetzt muss er ins Gefängnis. Bild: Reuters

80 Millionen Euro-Bonus hat Christian Bittar 2009 erhalten. Jetzt muss er für über fünf Jahre ins Gefängnis. Ein Komplize flieht indes vor der britischen Justiz.

          Ein ehemaliger Starhändler der Deutschen Bank muss wegen Zinsmanipulationen ins Gefängnis. Der 46-jährige Christian Bittar wurde von einem Londoner Gericht am Donnerstag zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und vier Monaten verurteilt. Außerdem muss er umgerechnet etwa 3,7 Millionen Euro Strafe zahlen.

          Bittar war bekannt geworden, weil er 2009 mit 80 Millionen Euro den höchsten Bonus in der Geschichte der Deutschen Bank zugesprochen bekommen hatte. Der Zinsmanipulationen hatte er sich bereits im März schuldig bekannt.

          Bittar soll zusammen mit anderen Händlern von 2005 bis 2009 zum eigenen Vorteil den Euribor manipuliert haben, das europäische Pendant zum Londoner Interbankensatz Libor. Von solchen Zinssätzen hängen Geschäfte und Verträge im dreistelligen Billionen-Volumen ab. Die Deutsche Bank wurde 2015 wegen der Zinsmanipulationen von den amerikanischen und britischen Behörden zu einer Strafe von 2,5 Milliarden Dollar verurteilt.

          Zur Ermittlung des Euribor melden verschiedene Banken jeden Tag ihre internen Zinssätze. Daraus wird automatisch ein Durchschnitt gebildet, der dann von Agenturen und Zeitungen veröffentlicht wird. Dieser Zinssatz ist der Euribor.

          Weitere Verurteilungen

          Die beteiligten Banken hatten jedoch nicht ihre tatsächlichen Zinssätze gemeldet, sondern frei erfundene Werte, die den Euribor zu ihren Gunsten manipulierten. Der Skandal kam 2011 an die Öffentlichkeit.

          Will nicht ins Gefängnis: Phillippe Moryoussef. Deshalb ist er jetzt nach Frankreich geflohen.

          Der ehemalige Barclays-Händler Philippe Moryoussef wurde zu einer Haftstrafe von acht Jahren verurteilt. Eine Jury hatte ihn vergangenen Woche für schuldig befunden, zwischen 2005 und 2009 den Euribor manipuliert zu haben. Moryoussef und Bittar werden als Treiber der Zinsmanipulation angesehen und waren auch privat befreundet.

          In den letzten Wochen hatten sich ihre Wege jedoch getrennt. Während Bittar auf schuldig plädiert hat und deshalb eine geringe Strafe erhält, hat Moryoussef London verlassen und scheint zu versuchen, sich in Frankreich vor den britischen Behörden zu verstecken, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete.

          Bei drei weiteren ehemaligen Barclays-Händler hatte sich die Jury vergangene Woche nicht auf ein Urteil einigen können. Das für die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität zuständige britische Serious Fraud Office (SFO) kündigte am Donnerstag an, ein neues Gerichtsverfahren für das Trio anzustreben.

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