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Emission für Wiederaufbau : EU legt größte grüne Anleihe auf

Verantwortet die Anleiheemissionen: EU-Haushaltskommissar Johannes Hahn. Bild: Getty

Titel über 12 Milliarden Euro wird von den Investoren mehr als zehnfach so stark nachgefragt. Die EU schickt sich an, der größte Emittent grüner Anleihen zu werden.

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          Das Debüt der Europäischen Union (EU) am Markt für grüne Anleihen ist am Dienstag sehr erfolgreich gewesen: Zum einen hat sie als Emittent neue Maßstäbe für die ökologischen und nachhaltigen Zielen dienenden Schuldtitel gesetzt. Zum anderen zeigt das abermals hohe Interesse der Investoren an der Emission, dass die EU am Anleihemarkt sehr willkommen ist. Die erste grüne EU-Anleihe weist eine Laufzeit von 15 Jahren auf und stellt mit einem Volumen von 12 Milliarden Euro den bislang größten Titel in dieser Kategorie dar.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie schon bei den ersten EU-Anleihen im vergangenen Jahr, die im Zuge der Corona-Krise an sozialen Zwecken ausgerichtet waren, stürzten sich die Anleger regelrecht auf die Emission: Die Nachfrage von gut 135 Milliarden Euro lag um mehr als das Zehnfache über dem Angebot. Damit übertraf die EU den von Großbritannien im vergangenen Monat aufgestellten Nachfragerekord für eine grüne Anleihe. Damals hatte das britische Schatzamt Orders von mehr als 100 Milliarden Pfund (umgerechnet knapp 118 Milliarden Euro) registriert bei einer Emission über 10 Milliarden Pfund. Der EU gelang es mit ihrem Debüt am grünen Anleihemarkt aber nicht, einen Nachfragerekord über alle Anleihekategorien hinweg aufzustellen. Sie kann sich aber damit trösten, diesen Rekord selbst im vergangenen Jahr mit 145 Milliarden Euro aufgestellt zu haben.

          Günstigere Finanzierungskonditionen

          Die hohe Nachfrage nach der grünen Anleihe drückte die Finanzierungskonditionen. Sorgt die hohe Nachfrage nach einer Anleihe für steigende Kurse, dann fällt deren Rendite, also die von den Investoren geforderte Verzinsung. Hatte die EU ursprünglich einen Nachlass von 0,05 Prozentpunkten oder fünf Basispunkten zum Referenzzins (Swapmitte 15 Jahre) angestrebt, waren es am Ende sogar acht Basispunkte weniger. Das entspricht einer Rendite von 0,44 Prozent. Eine vergleichbare Bundesanleihe, die Anfang 2037 fällig wird, weist dagegen eine Rendite von nur 0,02 Prozent auf. Der Renditevorsprung gegenüber den überwiegend negativ verzinsten Bundesanleihen ist ein wichtiger Grund, warum viele Investoren die neuen EU-Anleihen schätzen. Diese weisen ebenfalls eine sehr hohe Kreditwürdigkeit auf. An den fristgerechten Zinszahlungen und Tilgungen der EU bestehen keine Zweifel.

          Diese will bis Ende 2026 insgesamt 800 Milliarden Euro aufnehmen, um den in der Corona-Krise beschlossenen Wiederaufbaufonds zu finanzieren. 30 Prozent oder rund 250 Milliarden Euro sollen über grüne Anleihe abgedeckt werden. Damit schickt sich die EU an, der größte Emittent grüner Anleihen in der Welt zu werden. Da viele institutionelle Investoren inzwischen verpflichtet sind, mehr Mittel in nachhaltig konzipierte Wertpapiere anzulegen, wächst die Nachfrage nach grünen Anlageprodukten kontinuierlich, Dazu trägt auch die EU bei, die bis Ende des Jahres ihre Kriterien für nachhaltige Finanzprodukte, die sogenannte Taxonomie, endgültig verabschieden will. Doch noch ist nicht geklärt, ob sich Frankreich mit seiner Forderung, Atomkraft als Übergangstechnologie einzustufen, durchsetzen kann.

          Auch der deutsche Staat setzt seit dem vergangenen Jahr auf grüne Anleihen. Bislang hat er in den Laufzeiten über fünf, zehn und 30 Jahre insgesamt 21 Milliarden Euro aufgenommen. In diesem Monat sollen weitere 3 Milliarden Euro über die Aufstockung der neuen grünen zehnjährigen Anleihe hinzukommen. Der Bund verfolgt das Konzept der Zwillingsanleihe, zu jedem grünen gibt es einen konventionellen Zwillingstitel. Aufgrund der selben Laufzeit lässt sich der Zinsvorteil der grünen Titel exakt bestimmen. Am Markt wird die grüne Prämie als „Greenium“ bezeichnet. Die fünfjährige grüne Bundesanleihe liegt mit einer Rendite von minus 0,67 Prozent um sechs Basispunkte unterhalb des konventionellen Zwillings. In der zehnjährigen Laufzeit weist der grüne Titel mit minus 0,18 Prozent eine um vier Basispunkte niedrigere Rendite auf. Die 30-jährige grüne Anleihe hat mit einer Rendite von 0,29 Prozent derzeit einen Zinsvorteil von fünf Basispunkten.

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