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EU-Austritt : Brexit-Sorgen belasten den Pfund-Kurs

Großbritannien ist eine politische Baustelle. Bild: dpa

Weil die Chancen auf ein Freihandelsabkommen zwischen Großbritannien und der Europäischen Union sinken, ziehen Anleger sich aus der britischen Währung zurück.

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          Die Aussichten auf einen harten Brexit ohne Handelsabkommen am Ende des Jahres belasten den Wechselkurs des Pfunds. Gegenüber dem Dollar fiel die britische Währung am Mittwoch um einen halben Cent auf 1,293 Dollar, dies war der niedrigste Stand seit sechs Wochen.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Gegenüber dem Euro sank das Pfund um 0,2 Prozent auf 1,10 Euro. Damit hat es seit Monatsbeginn rund 5 Cent gegenüber dem Dollar und 2,5 Cent zum Euro eingebüßt. Zuvor war der Pfundkurs Ende August noch gestiegen.

          Analysten sehen nach der jüngsten Verschärfung des Streits um ein Post-Brexit-Abkommen zwischen London und der EU eine schwindende Wahrscheinlichkeit für ein Freihandelsabkommen, bevor die Brexit-Übergangsfrist Ende 2020 ausläuft. „Die Pfund-Abwertung ist getrieben von den wiederaufgekommenen No-Deal-Brexit-Risiken“, sagte Barclays-Chefvolkswirt Christian Keller. Der Chefvolkswirt der Ratingagentur Fitch, Brian Coulton, geht nun davon aus, dass ab Januar im Handel WTO-Zöllen gelten werden.

          Pfund je Dollar

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          Die Bank Unicredit ist anderer Meinung: „Wir haben eine höhere Prognose von 1,35 Dollar für das britische Pfund im vierten Quartal, unter der Annahme, dass in letzter Minute ein Kompromiss erzielt wird“, schrieb die Bank. Kurzfristig sei jedoch die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass der Wechselkurs die Marke von 1,28 oder 1,27 Dollar teste. UniCredit erwartet, dass der Kurs abrutscht, bevor er sich wieder erholt.

          EUR/GBP Indication

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          Das schwächere Pfund hilft den Aktienkursen der internationalen Großkonzerne, die im Londoner FTSE100-Index gelistet sind und etwa zwei Drittel ihrer Umsätze außerhalb des Königreichs machen. Der FTSE100 stieg am Mittwoch zeitweise um fast 1 Prozent auf 5980 Punkte. Der breitere Index FTSE250, der auch viele Unternehmen umfasst, die hauptsächlich in Großbritannien Geschäfte machen, sank indes um ein halbes Prozent.

          Dies lag auch an neuen Sorgen wegen der Corona-Pandemie und möglichen neuen Lockdown-Einschränkungen. Die Regierung hat für private Treffen vom 14. September an eine neue Obergrenze von sechs Personen gesetzt. Die Nachricht von der Unterbrechung der Corona-Impftests durch AstraZeneca drückte ebenfalls auf die Stimmung. Die Gastronomie fürchtet eine längere Krise. Der Aktienkurs der Kneipenkette Wetherspoons fiel um mehr als 7 Prozent, der Kurs der Buchhandelskette WHS, die in Bahnhöfen und Flughäfen Läden betreibt, sank um 6 Prozent.

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