https://www.faz.net/-gv6-aaxz4

Leere Börsenmäntel : EU-Aufsicht will Spacs-Geschäft untersuchen

Das Börsenparkett an der New Yorker Wall Street: Dort ist in der Pandemie das Geschäft mit leeren Börsenmänteln, den sogenannten Spacs, explodiert. Bild: dpa

Die Welle ist aus den Vereinigten Staaten nach Europa geschwappt. Kritiker werten die Spacs als weiteres Indiz für den Überschwang an den Kapitalmärkten.

          1 Min.

          Auf die Welle an Börsenmänteln, sogenannten Special Purpose Acquisition Companies (Spacs), will nun die EU-Börsen- und Wertpapieraufsicht Esma einen näheren Blick werfen. Das kündigte die designierte Exekutivdirektorin der Esma, Natasha Cazenave, in ihrer Anhörung vor dem Europäischen Parlament am Donnerstag an. Die Börsenmäntel, in denen noch keine Unternehmen enthalten sind, aber über die später geeignete Kandidaten an die Börsen gebracht werden sollen, werfen nach Aussage der Französin die Frage auf, ob sie im Einklang mit den EU-Regularien stehen.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Kritiker werten Spacs als weiteres Indiz für den Übermut an den Finanzmärkten. In Europa hat der frühere Commerzbank-Vorstandschef Martin Blessing einen Spac an die Amsterdamer Börse gebracht. Ebenfalls in das Geschäft mit Börsenmänteln ist der frühere Unicredit-Chef Jean-Pierre Mustier zusammen mit dem reichsten Franzosen, dem LVMH-Präsidenten Bernard Arnault, eingestiegen. Bislang gab es in Europa zehn Spac-Börsengänge mit einem Volumen von insgesamt 1,3 Milliarden Dollar. In den Vereinigten Staaten waren es im vergangenen Jahr 522 Börsenmäntel über mehr als 300 Milliarden Dollar.

          „Wir müssen verstehen“

          „Wir müssen verstehen, warum Spacs so beliebt sind, warum Menschen Geld nur auf der Grundlage der Namen der Sponsoren und der Ankündigung eines Projekts bereitstellen“, sagte Cazenave. Noch sei es aber zu früh, eine Entscheidung über eine angemessene Regulierung zu treffen. Cazenave soll Nachfolgerin der Deutschen Verena Ross werden, die wiederum im Rennen um die Esma-Spitze steht, nachdem der Niederländer Steven Maijoor Anfang des Monats regulär seine Amtszeit beendet hat und zur niederländischen Notenbank gewechselt ist.

          Amerikas Börsenaufsicht SEC beschäftigt sich schon mit dem Spacs-Thema. Sie will wissen, wie die Investoren mit den damit verbundenen Risiken umgehen. Auch die britische Finanzaufsicht FCA prüft ihre Regeln, weil der Finanzplatz London ein führender Standort für diese Börsenmäntel werden will.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          So einfach ist das: Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) mit einer Illustration zum neuen Klimaschutzgesetz.

          Gesetz wegen Karlsruhe? : Holterdiepolter in die Klimaneutralität

          Die Koalition begründet das neue Klimaschutzgesetz mit dem Karlsruher Urteil zur Klimapolitik. Der wahre Grund ist der Wahlkampf und die Angst vor den Grünen. Anspruch und Wirklichkeit klaffen nun weiter auseinander denn je.
          Ursprung des Pandemie-Virus oder nicht:  Das staatliche Institut für Virologie in Wuhan, das auch mit westlichen Virologen kooperiert hat?

          Shitstorms für Genpioniere : Im sozialen Strudel von Sars-Cov-2

          Der Ursprung bleibt unklar, die genetischen Tricks von Sars-CoV-2 ein Rätsel. Zwei Genpioniere, die auch im hohen Alter nach Antworten darauf suchten, fanden sich plötzlich in Deutungskämpfen verwickelt, die in den sozialen Netzwerken toben.
          Der amerikanische Präsident Joe Biden am 7. Mai im Weißen Haus

          Eskalation im Nahen Osten : Nicht auf Bidens Radar

          Die Eskalation im Nahen Osten bringt den amerikanischen Präsidenten in eine heikle Lage. In seiner Partei wird der israelfreundliche Kurs vom linken Flügel zunehmend in Frage gestellt – zur Freude der Republikaner.
          Israels Raketenabwehrsystem Iron Dome fängt Raketen ab, die vom Gazastreifen aus abgefeuert wurden, gesehen von Aschkelon am Freitag.

          Mehr Geschosse aus Gaza : Im Hagel der Hamas-Raketen

          Laut den israelischen Streitkräften wurden seit Montag mehr als zweitausend Geschosse auf Israel abgefeuert. Das zeigt: Die Feuerkraft der Hamas und anderer Milizen ist gewachsen. Doch wie ist ihnen das gelungen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.