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Kritik an Bewertungsprozess : EU-Aufsicht bestraft Ratingagentur Scope

Das Logo der europäischen Rating-Agentur Scope in Berlin: Die Finanzaufsicht ESMA kritisiert die Scope-Bewertung von Pfandbriefen. Bild: Andreas Pein

Die deutschen Bonitätsprüfer haben gegen eigene Regeln verstoßen. Für Scope ist das ein Rückschlag im Bemühen, von der EZB anerkannt zu werden.

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          Die deutsche Ratingagentur Scope ist wegen Mängeln bei ihrem Bewertungsprozessen für Anleihen von der europäischen Finanzmarktaufsicht ESMA mit einer Strafzahlung von 640.000 Euro belegt worden. Scope habe ihre 2015 selbst aufgestellten Verfahren zur Bewertung von gedeckten Schuldverschreibungen (Covered Bonds, Pfandbriefe) nicht systematisch angewandt und habe die ESMA zudem nicht über eine weitreichende Änderung des Verfahrens im Jahr 2016 informiert, erklärte die Behörde am Donnerstag.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bei 559 von 622 nach dem Ratingverfahren 2015 (2015 Covered Bonds Methodology) ausgestellten Bonitätsnoten habe die Analyse nicht so stattgefunden, wie dies nach den eigenen Kriterien vorgeschrieben war. Scope akzeptierte die Strafe, sieht aber darin nicht die Unabhängigkeit, Sorgfalt und Belastbarkeit der damals erstellten Ratings in Frage gestellt. Vielmehr habe die eigene Interpretation der EU-Vorschriften für Ratingagenturen von denen der ESMA abgewichen.

          Die 2002 gegründete Scope hat ihr Geschäft in den vergangenen Jahren ausgeweitet und gewann 2016 mit den Gase-Hersteller Linde erstmals einen Dax-Konzern als Kunden. Sie sieht sich als europäische Alternative zu den dominierenden amerikanischen Ratingagenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch. Die Nähe der großen Drei zu ihren Kunden wurde von Politikern als einer der Gründe für die Finanzkrise 2008/2009 angeprangert.

          Erste Hürde für EZB genommen

          Scope bemüht sich seit Jahren um die Aufnahme und hat Ende 2018 eine erste Hürde genommen, indem sie die aus Sicht der Europäischen Zentralbank (EZB) notwendige Mindestabdeckung von Anleiheemittenten und Schuldtiteln erfüllt hat. Nun muss Scope über mehrere Jahre diese Mindestabdeckung nachweisen, so dass frühestens im kommenden Jahr mit einer Aufnahme gerechnet werden kann. Die ESMA-Strafe kann ein Rückschlag auf diesem Weg sein.

          Scope hat in den Geschäftsaufbau seit 2015 rund 70 Millionen Euro investiert und prominente Ratinganalysten von anderen Agenturen abgeworben. Zu den Anteilseignern zählen unter anderem BMW-Großaktionär Stefan Quandt sowie eine Gruppe von Versicherern wie Signal-Iduna und HDI.

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