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Ethische Investments : Wenn der Koran die Anlagerichtlinien vorgibt

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Ethisches Investment, das heißt auch Rücksicht nehmen auf religiöse Aspekte, wie sie etwa der Islam vorgibt.

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          Zinsen und Islam - wie soll das zusammenpassen? Zunächst einmal gar nicht. „Das Zinsverbot basiert auf dem Koran, in dem es heißt 'Allah hat den Handel erlaubt und den Wucher verboten'“, erklärt Laurent Chappuis, Mitinitiator der vom Genfer Privatbankhaus Pictet in der Schweiz angebotenen islamischen Fonds. Das bringe nicht nur einen generellen Ausschluss von Banken und Versicherungen mit sich, erklärt Chappuis. „Die Einschränkung verhindert auch jedes Engagement in zinstragenden Papieren wie Anleihen oder kurzfristigen Engagements am Geldmarkt.“

          Das heißt allerdings nicht, dass Anleger, die sich zum Islam bekennen, kein Geld mit ihren Investitionen verdienen dürfen. „Hier muss man zwischen dem Erzielen von Zinseinkünften und dem Wertzuwachs einer Aktie deutlich unterscheiden“, erläutert Ulrich Schellenberg von der Commerz International Capital Management, einer hundertprozentigen Tochter der Commerzbank. Die brachte vor gut einem Jahr den AlSukoor European Equity Fund an den Markt, den ersten in Deutschland zugelassenen Fonds, der nach den strengen Regeln des Islam gemanagt wird.

          Spezialisten gefragt

          „Die Wertsteigerung von Sachgütern, wie sie Aktien einerseits, aber auch Immobilien und Rohstoffe darstellen“, so Schellenberg, „ist durchaus vereinbar mit den Regeln des Islam.“ Allerdings muss man sich schon ganz genau auskennen, was nach den Vorschriften des Koran geht und was nicht. Die Frankfurter stehen deshalb in engem Kontakt mit den Spezialisten der Al-Tawfeek Company for Investment Funds. Die hat ihren Sitz im saudi-arabischen Jeddah und gilt als Pionier, was die Islam-kompatible Geldanlage angeht.

          Grundsätzlich ausgeschlossen für die Aufnahme in den AlSukoor-Fonds sind neben Banken und Versicherungen auch Fluglinien, Kaufhäuser und Hotels wie auch der gesamte Bereich aus Tabakherstellern, Brauereien, Kasinos, Nachtclubs und Glücksspielbetreibern. Außerdem muss der Anteil des Zinsertrags am Bilanzgewinn weniger als fünf Prozent betragen. Ein so genanntes Sharia-Komitee wacht über die Einhaltung der Regeln. „Unter Sharia versteht man das islamische Rechtssystem“, erklärt Laurent Chappuis, „aus Sicht des Fondsmanagers stellen solche Komitees ein Pendant zu den Beiräten dar, wie man sie aus dem Management anderer ethisch orientierter Fonds kennt.“

          Ein lösbares Problem

          Ein Problem für die Macher des AlSukoor European Equity Fund besteht darin, dass nur eine begrenzte Anzahl an Aktien überhaupt eine Chance haben, in den Fonds aufgenommen zu werden. „Ein Problem, das sich aber durchaus lösen lässt“, erklärt Schellenberg. Um das Anlagespektrum der rund 1.200 liquidesten Aktien in Europa auf das für den AlSukoor-Fonds zulässige Maß zu reduzieren, durchlaufen die Papiere bei den CICM-Leuten eine Art Screening anhand der islam-kompatiblen Anlagekriterien. „Übrig bleiben rund 350 Werte“, so Ulrich Schellenberg, „die sowohl nach ihrer Liquidität als auch nach der Marktkapitalisierung ein ausreichend großes Universum darstellen, über das sich auch eine sinnvolle Risikostreuung im Fonds erreichen lässt.“

          Die rund 50 bis 60 Papiere, die die CICM-Fondsmanager für die interessantesten halten, landen dann schließlich im Portfolio des AlSukoor-Fonds. In der aktuellen Zusammensetzung gehören dabei Werte wie die Schweizerische Nestlé, die britisch-schwedische AstraZeneca, aber auch die deutsche Preussag sowie die niederländische Royal Dutch zu den größten Positionen.

          Eine Performance, die sich sehen lassen kann

          Und auch was die Performance des Fonds angeht, bringt die Beschränkung auf Islam-konforme Werte keinen Nachteil mit sich. Das zumindest legt die Wertentwicklung des AlSukoor nahe. „Wir haben unseren Vergleichsindex, den MSCI Europe ex Financials, in den vergangenen zwölf Monaten um 17 Prozentpunkte geschlagen“, berichtet Schellenberg nicht ganz ohne Stolz.

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