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Ethische Geldanlagen : Investoren entdecken nachhaltige Strategien

  • -Aktualisiert am

Sorgt für Strom, aber nicht für ein gutes Gewissen: Braunkohlekraftwerk „Neurath“ Bild: AFP

Lange achteten nur Nischenanbieter auf nachhaltige Kriterien in der Geldanlage. Doch öko und sozial ist so sehr im Trend, dass es mittlerweile fast schon zum Mainstream zählt.

          Der Kohle- und Erdölindustrie bläst ein scharfer Wind entgegen. „Während die globale Gemeinschaft daran arbeitet, den Einsatz von fossilen Brennstoffen zu reduzieren, ergibt es keinen Sinn – finanziell und ethisch –, weiterhin Anteile an diesen Unternehmen zu halten“, schrieb der Rockefeller Familienfonds im März, um seinen Rückzug zu begründen. Die Stiftung mit 815 Millionen Dollar Anlagevolumen schreibt einen Trend fort, der als „Divestment“-Strategie immer beliebter wird. Inzwischen addiert sich die Summe der Investitionen, die aus Gründen der Nachhaltigkeit aus Kohlendioxid-intensiven Industrien abgezogen werden, auf mehr als 3 Milliarden Euro. Die prominentesten Beispiele: der norwegische Ölfonds und die Versicherer Allianz und Axa. „Ethische Investments entwickeln sich aus der Nische und werden zum Mainstream“, sagt Alexander El Alaoui, der für die Nichtregierungsorganisation „Brot für die Welt“ für grüne Geldanlage lobbyiert. Die nachhaltigen Entwicklungsziele, die unter Mithilfe der Vereinten Nationen die UN-Millenniumsziele abgelöst haben, hätten daran einen ähnlich großen Anteil wie die Beschlüsse vom Pariser Klimagipfel im vergangenen Dezember.

          „Durch Paris hat die Nachhaltigkeitsbewegung in der Finanzbranche den Ritterschlag erhalten“, sagt El Alaoui. Überall auf der Welt berücksichtigten Anleger inzwischen stärker Kriterien der Umwelt, des Sozialen und der Unternehmensführung – nach den englischen Begriffen „environmental, social and governance“ auch ESG abgekürzt.

          Drei Phasen der Entwicklung

          Drei Phasen dieser Entwicklung unterscheidet Will Oulton, Leiter der Abteilung Responsible Investments der australischen Fondsgesellschaft First State Investments. „Am Beginn stand in den achtziger Jahren ein wertebasierter Ansatz“, sagte er kürzlich in einem Vortrag in Frankfurt. Damals hätten einzelne Investoren unverantwortlich handelnde Unternehmen für die Geldanlage ausgeschlossen. Darauf sei eine Phase gefolgt, in der nur die jeweils besten Unternehmen ihrer Branche für Investitionen akzeptabel waren. „In diesem „Best of Class“-Ansatz konnte man British American Tobacco einschließen – merkwürdig“, sagte er. Heute dominiere ein Ansatz, der auf Kriterien zurückgreife, mit denen nachhaltiges Verhalten beschrieben wird. „Die Daten werden immer besser. Studien aus der akademischen Welt unterstützen den Trend“, sagte Oulton.

          Erst in dieser Woche wieder machte die Fondsgesellschaft Union Investment auf Ergebnisse einer Untersuchung aufmerksam, die sie in Auftrag gegeben hatte. „Die Analyse zeigt die Vorteile einer Anlagestrategie, die auf Aktien von Unternehmen mit niedriger CO2-Intensität setzt“, ließ sich der Finanzwissenschaftler Alexander Bassen von der Universität Hamburg in einer Mitteilung zitieren. Auf Basis eines Datensatzes, der 4000 Unternehmen umfasste, wies der Forscher nach, dass ein Portfolio mit geringer Kohlendioxidintensität sich um 30 Prozent besser entwickelt hat als das Portfolio mit der höchsten Intensität. Die Studie ist ein weiteres Zeichen dafür, dass die Fragestellungen der Nachhaltigkeit im Markt immer ernster genommen werden.

          Auch große Dienstleister in der Fondsbranche stellen sich auf die wachsende Nachfrage ein. Die Ratingagentur Morningstar hat in diesem März begonnen, Nachhaltigkeitsanalysen einzubeziehen, wenn sie Fonds bewertet. „Das Thema hat viele Tretminen. Deshalb haben wir uns lange Zeit nicht darangesetzt“, sagt Ali Masarwah, der für Analysen im europäischen und vorderasiatischen Raum für Morningstar Europe verantwortlich ist. Dabei setze man auf einen vergleichsweise defensiven „Best in Class“-Ansatz, in dem die nachhaltigsten Titel einer Branche empfohlen werden. „Wir versuchen, mit unserem Research das Thema aus der Nische herauszuziehen“, sagt er. Für Anleger werde eine solche Analyse immer wichtiger, weil hinter dem Kohlendioxid erkennbare Geschäftsrisiken stünden.

          Deutschland nimmt passive Rolle ein

          Dennoch ist das Volumen der nachhaltigen Geldanlage immer noch überschaubar. Der Jahresbericht des deutschen Forums Nachhaltige Geldanlage (FNG) beziffert den Anteil an allen Investments auf 2,7 Prozent – bescheiden zwar, aber durch hohe Wachstumsraten immerhin mehr als doppelt so hoch wie die 1,2 Prozent vor fünf Jahren. Inzwischen sei der Anteil der institutionellen Investoren auf 85 Prozent gestiegen. Die wichtigsten Ausschlusskriterien deutscher Anleger seien Waffenhandel und -produktion, Arbeitsrechts- und Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung. „Es ist weltweit nicht aufzuhalten, dass CO2 durch weitere Klimakonferenzen auf der Agenda bleibt und Kapitalanleger das berücksichtigen müssen“, sagt Volker Weber, Präsident des FNG.

          Doch Deutschland nehme eine bemerkenswert passive Rolle in diesem Trend ein. Im Montreal Pledge, einer Vereinigung von Banken, die Nachhaltigkeitskriterien aus Risikoerwägungen noch stärker betonen wollen, dominierten amerikanische und britische Institute. Gleichzeitig etabliere sich London als Zentrum für soziale Investments, Paris als Hauptort für Klimainvestitionen, und von Peking gingen Initiativen auf Ebene der G20 aus. Was in Deutschland noch einmal starke Auswirkungen haben werde, sei die europäische Richtlinie, die alle börsennotierten und systemrelevanten Unternehmen zwingen wird, ESG-Berichte zu veröffentlichen, und die bis Dezember in deutsches Recht umgesetzt werden muss.

          Aus Sicht der Nichtregierungsorganisation Facing Finance sind viele Kriterien noch zu lasch. „Die Standards sind mit Vorsicht zu genießen. Da gibt es noch viel zu wenig, was wirklich mit Nachhaltigkeit in Verbindung gebracht werden kann“, sagt Geschäftsführer Thomas Küchenmeister. Um mehr Transparenz zu erzeugen, hat seine Organisation ein Informationsportal errichtet, auf dem zu sehen ist, zu welchen sozialen und ökologischen Ansprüchen sich Banken selbst verpflichten und wie gut sie das einhalten. Die GLS Bank erreicht 92 von 100 Punkten, die Deutsche Bank nur 21.

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