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Indexfonds : Gefährliche ETFs

  • -Aktualisiert am

Bullen stehen für steigende Börsenkurse Bild: Lucas Bäuml

Indexfonds sind eine gute Erfindung. Aber sie bergen auch Gefahren, weil sie Kursausschläge immer wieder verschärfen können.

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          Die Geschichte des börsennotierten Indexfonds, besser bekannt unter dem Kürzel ETF, ist eine einmalige Erfolgsgeschichte. Daran ändert auch nichts, dass ETFs Anlegern gerade weniger Spaß machen: Ein ETF bildet die Wertentwicklung eines Börsenindex nach. Fällt der Dax also wie derzeit, gibt auch der ETF in gleichem Maße nach.

          Letzteres hat niemand gerne, dennoch haben Indexfonds für Anleger fast nur ihr Gutes. Sie sind günstig, leicht zu handeln und leicht zu verstehen. Aber ETFs haben wie alles im Leben leider auch ihre schlechten Seiten: So gibt es schon seit Längerem eine Debatte darüber, ob Indexfonds dem Finanzsystem schaden. Würden beispielsweise alle Anleger nur noch ETFs kaufen und sich keine Meinung mehr zu einzelnen Aktien bilden, wäre es kaum noch möglich, den richtigen Preis für eine Aktie zu finden.

          Ein anderes gravierendes Problem von ETFs haben die Forscher Alessandro Moro und Alessandro Schiavone in einer aktuellen Studie identifiziert. Denn die gute Handelbarkeit der ETFs bringt ebenfalls einen Nachteil mit sich: Anleger können schnell in einzelne Märkte einsteigen, aber genauso schnell auch wieder aussteigen. Das kann zu Verwerfungen führen, wie die Forscher mit Blick auf die Schwellenländer festgestellt haben. In der Corona-Krise zogen ETF-Anleger ihr Geld schnell aus der Region ab und verschärften so die dortigen Kursausschläge. Solche Börsenschocks bleiben in aller Regel nicht auf den Finanzmarkt begrenzt, sondern schaden auch den Unternehmen und den Staaten, in denen sie sich ereignen. Bei den Firmen droht die schlechte Stimmung dann auf ihr eigentliches Geschäft überzugreifen, die Staaten müssen häufig mit höheren Zinsen auf ihre Anleihen zurechtkommen.

          Klassische Anleger wie Versicherungen und Pensionsfonds agieren in solchen Situationen langsamer, sie sind langfristiger orientiert. Die ETF-Investoren handeln dagegen häufig taktisch und kurzfristiger, so die Studie. Das ist bei aller Wertschätzung für das Anlageinstrument ETF eine schlechte Nachricht für das Weltfinanzsystem. Es wird so instabiler.

          Dennis Kremer
          Redakteur im Ressort „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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