https://www.faz.net/-gv6-a8rad

ESG-Berichte : Kraut und Rüben zur Nachhaltigkeit der Banken

Kredite für Solaranlagen könnten auf das Nachhaltigkeitskonto einer Bank einzahlen. Bild: dpa

Null Frauen in Führungspositionen oder Werkstudenten als Nachhaltigkeitsbeauftragte. Wenn Banken über ihre Wohltaten berichten, kommt Kurioses zutage. Vergleiche sind kaum möglich.

          2 Min.

          Ganz ohne einen Bericht darüber, was sie alles für die Nachhaltigkeit tut, kommt kaum eine Bank mehr aus. Doch Kunden oder auch Investoren, denen das Thema so wichtig ist, dass sie sich danach für ein Institut entscheiden wollen, tun sich schwer: Denn jede Bank berichtet, was sie will. So lässt sich die Untersuchung der Nachhaltigkeitsberichte von 119 deutschen Kreditinstituten für die Jahre 2018 und 2019 zusammenfassen, die das Beratungsunternehmen Zielke Research am Donnerstag präsentiert hat.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Berater haben anhand der öffentlich zugänglichen Nachhaltigkeitsberichte bewertet, wie sehr sich die Banken in Sachen Umwelt, Soziales und guter Unternehmensführung engagieren. Dabei gab es Punkte für so unterschiedliche Kriterien wie die Kreditvergabe nach Klimaschutzgesichtspunkten, das Reiseverhalten der Mitarbeiter und ob die Bank ihren Angestellten Sportangebote macht oder nicht. Heraus kam dabei nicht nur eine Bewertung der tatsächlichen Nachhaltigkeit der Institute, sondern auch davon, wie gut sie über ihr nachhaltiges Handeln informieren.

          Frauenquote 0 Prozent

          So schnitten diejenigen Institute besonders schlecht ab, die gar nicht oder eher als Alibi über diese Themen berichten. So würden etwa die Dortmunder Volksbank und die in Paderborn sitzende Verbundvolksbank OWL jeweils auf ihre Geschäftsberichte verweisen, wo dann aber nur sehr dürftige Informationen zur Nachhaltigkeit der Bank zu finden seien, berichtete Geschäftsführer Carsten Zielke in einer virtuellen Pressekonferenz. Als weitere Kuriositäten aus der Untersuchung nannte er eine Volksbank, die sich selbst eine Frauenquote in Führungspositionen von 0 Prozent verordnet habe oder einige Institute, in denen Werksstudenten für die Nachhaltigkeit zuständig seien.

          Zum 10. März tritt in Deutschland die Transparenz-Verordnung in Kraft. Sie verpflichtet Banken und andere Finanzvermittler, Kunden in der Beratung zu Finanzprodukten immer danach zu fragen, ob ihnen Nachhaltigkeit wichtig ist und dann gegebenenfalls entsprechende Produkte anzubieten. Aber auch von sich aus sollten die Institute aus Sicht von Zielke viel offensiver mit dem Thema Nachhaltigkeit umgehen.

          Staatsbank als leuchtendes Vorbild

          Bei vielen Instituten habe er den Eindruck, sie wollten gar nicht über ihre Nachhaltigkeit berichten, obwohl das Thema auch zum Marketing genutzt werden könne. Die Banken seien die größten Finanzierer der Wirtschaft, sagte Zielke. Indem sie zum Beispiel Klimakriterien in die Kreditvergabepolitik einfließen ließen, könnten sie als „grüner Hebel“ in die Industrie hineinwirken. Als leuchtendes Beispiel präsentierte der Berater die staatliche Förderbank KfW. Sie berichte sehr transparent darüber, welcher CO2-Ausstoß mit ihren Geschäften verbunden sei, was aber natürlich auch daran liege, dass sie mit ihren Förderprogrammen gerade den Klimaschutz voranbringen soll. Doch auch als Arbeitgeber für Frauen oder in Sachen Inklusion sei die Förderbank vorbildlich. Ebenfalls sehr gut schnitt die Landesbank Baden-Württemberg ab, die in guter Unternehmensführung die volle Punktzahl erhielt. Die DKB glänzt durch eine überdurchschnittliche Frauenquote, 100 Prozent Ökostrom und eine Kreditvergabe nach Nachhaltigkeitsaspekten.

          Am unteren Ende der Bewertungsskala landete zum Beispiel die Stadtsparkasse München, bei der die Berater vor allem mangelnde Transparenz zu mehreren Nachhaltigkeitsaspekten bemängelten. „Wer nicht berichtet, bekommt keine Punkte“, sagte Zielke. Ähnliche Studien hat der Berater bislang für die Versicherungsbranche gemacht. Sein Resümee: „Die Banken hinken den Versicherern noch weit hinterher.“ Wie die eigene Bank in der Untersuchung abgeschnitten hat, kann jeder auf der Internetseite check-deine-bank.de erfahren.

          Weitere Themen

          War die Bafin zu langsam?

          FAZ Plus Artikel: Krise der Greensill Bank : War die Bafin zu langsam?

          Der Bankenverband setzt die Finanzaufsicht unter Druck: Er hat sie schon Anfang 2020 über die Probleme bei der Greensill Bank unterrichtet. Vor allem Kommunen drohen nun herbe Verluste.

          „Bollwerk gegen Facebook“

          Geplante Kryptowährung : „Bollwerk gegen Facebook“

          Die EU–Kommission plant neue Kryptowährungen stärker zu regulieren, um die Finanzmarktrisiken zu minimieren. Die Brüsseler Entscheidungsträger sollen im Falle von währungspolitischen Gefahren eingreifen.

          Topmeldungen

          Angela Merkel im Bundestag bei der Debatte „Epidemische Lage von nationaler Tragweite“, einen Tag nach dem Bund-Länder-Gipfel

          Deutschlands Corona-Wette : Angela Merkel hisst die weiße Fahne

          Die gesamte Konstruktion, mit der Bund und Länder die Pandemie bewältigen wollten, hat Risse bekommen. Deutschland erlebt eine neue Form von politischem Kontrollverlust.
          Ein besonderes Tänzchen: Kneissl mit Putin auf ihrer Hochzeit in der Südsteiermark

          Kneissl geht zu Rosneft : Wer mit Putin tanzt

          Einst sorgte Österreichs frühere Außenministerin für Aufsehen, weil sie den russischen Präsidenten zu ihrer Hochzeit einlud. Nun zieht Karin Kneissl in den Aufsichtsrat von Rosneft ein – einem besonderen Unternehmen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.