https://www.faz.net/-gv6-7qkim

„Es wird furchtbar“ : Internetfirmen drängen ins Bankgeschäft

  • Aktualisiert am

Ältere Menschen sind misstrauischer

Einen Abgesang auf das klassische Bankgeschäft will Ullrich aber trotz aller Online-Euphorie nicht anstimmen. Es gebe schließlich gute Gründe dafür, warum Google und PayPal trotz Banklizenz bisher kein klassisches Konto anbieten. „Die neuen Wettbewerber lassen auch deshalb die Finger vom Konto, weil sie sich sonst fragen müssen, was sie mit der Liquidität machen, die dann auf ihren Konten liegen würde“, sagt der DZ-Bank-Vorstand. Dieses Geld müssten Google und PayPal irgendwo anlegen und dem Kunden eine Verzinsung gewähren - „das ist im derzeitigen Niedrigzinsumfeld nicht einfach.“

Ullrich ist zudem sicher, dass nicht alle Geschäfte ins Internet abwandern werden. Über wichtige Lebensentscheidungen wie eine Baufinanzierung oder die Altersvorsorge würden sich Menschen zwar verstärkt online informieren, diese dann aber nach wie vor in der Filiale abschließen. „Die Kunden vertrauen ihrer Bank in der Regel mehr als einem Internetunternehmen.“

Ganz auf die Bank um die Ecke verzichten wollten die meisten Menschen nicht, bestätigt Banken-Forscher Bernd Nolte. Er erinnert daran, dass vor einigen Jahren viele Deutsche Geld bei der Kaupthing-Bank angelegt haben. Als das isländische Institut 2008 zusammenbrach, war der Schock groß. „Der Internetzugang zu ihrem Konto war gesperrt und sie konnten sich an niemanden wenden.“ Bei Filialbanken könne das nicht passieren, schließlich treffe man deren Mitarbeiter auch im Kindergarten oder beim Bäcker. „Dieser soziale Kontrollmechanismus wird in einer alternden Gesellschaft eine wichtige Rolle spielen“, sagt Nolte. „Wenn Menschen älter werden, sind sie erfahrungsgemäß misstrauischer und vorsichtiger.“

I like Festgeld

Die meisten Banken sind deshalb derzeit dabei, die Angebote in den Filialen und im Internet enger miteinander zu verzahnen. Die UBS bietet Kunden ab einem Vermögen von 250.000 Franken seit einem Jahr an, jede Nacht 50.000 Szenarien durchzurechnen, wie sich ihre Anlagen entwickeln könnten. Wenn ein Portfolio ungünstig zusammengesetzt ist, werden die Kunden darüber ab 2015 auf Wunsch nicht mehr vom Kundenberater informiert, sondern direkt vom Computerprogramm per Email oder SMS. „Danach legt das Programm gestützt auf die Empfehlungen von Hunderten von UBS-Analysten Vorschläge für die Umschichtung des Portfolios vor, die der Kunde ab 2015 ebenfalls elektronisch erhalten wird“, sagt Andreas Kubli, der bei der Schweizer Großbank für Digitalisierungsprojekte zuständige ist.

Die deutschen Sparkassen, die vorwiegend weniger vermögende Kunden haben, fahren ebenfalls zweigleisig. „Auch in einer immer stärker online dominierten Welt brauchen wir Menschen aus Fleisch und Blut“, sagt Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon. Er will deshalb Beratung auf allen Kanälen bieten. Manche Sparkassen-Mitarbeiter sprechen mit ihren Kunden heute nicht mehr nur in der Filiale, sondern verabreden sich mit ihnen am Abend zu Video-Konferenzen im Internet.

Aus Sicht von EY-Experte Müller-Tronnier kann dieser Ansatz für einige Banken Sinn machen, aber nicht für alle. „Wenn sechs oder sieben Institute Online-Chats mit Beratern anbieten und auch sonst ein ähnliches Angebot haben, wird sich das nicht für alle rechnen.“ Die meisten Kunden wollten sich schließlich nicht Tag für Tag beraten lassen, sagt Müller-Tronnier, der aus privaten Gründen seit vielen Jahren in keiner Bankfiliale mehr war. „Da klaffen Angebot und Nachfrage weit auseinander.“

Fidor-Chef Kröner hält grundsätzlich nichts von den Empfehlungen der Bankberater. Sie seien Vertriebsmitarbeiter, die nie gegen die Interessen der Bank handeln könnten, sagt der Unternehmer. Er findet es deshalb sinnvoller, wenn Kunden über Bankprodukte im Internet genauso diskutieren wie über Handys oder Autos. „Die Menschen tauschen im Netz Meinungen und Erfahrungen aus“, sagt Kröner: „Das greifen wir auf und sagen: Macht das beim Geld genauso.“

Weitere Themen

Topmeldungen

Eine Frau mit Maske überquert die Straße im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Im Hintergrund ist ein Stoppschild auf die Wand gemalt: „Nicht ein Toter mehr!“

Liveblog zum Coronavirus : Mehr als 300.000 Infizierte in Amerika

Leichte Hoffnung für Italien: Die Zahlen der täglichen Toten ist gesunken +++ Die schwangere Verlobte des britischen Premiers Johnson litt nach eigenen Angaben unter dem Coronavirus +++ Sánchez will Ausgangsbeschränkungen in Spanien verlängern +++ Alle Entwicklungen im Liveblog.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.