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Risiko statt Rendite : Es tummeln sich dreiste Zocker am Grauen Kapitalmarkt

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So mancher Anleger am Grauen Kapitalmarkt findet sich am Ende auf einer Gläubigerversammlung im Rahmen eines Insolvenzverfahrens wieder. Bild: dpa

Es klingt verlockend: Acht Prozent Zinsen und zum Teil mehr. Doch so manches Investment am „Grauen Kapitalmarkt“ erweist sich für Anleger als großer Flopp. Verbraucherschützer haben die Versprechen genauer unter die Lupe genommen.

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          Nicht alle Unternehmen werden kontrolliert, die auf dem Finanzmarkt tätig sind, und nicht jedes steht unter staatlicher Aufsicht. Wenn Anbieter keine Erlaubnis der Finanzaufsicht BaFin brauchen und vergleichsweise wenige gesetzliche Vorgaben erfüllen müssen, spricht man vom „Grauen Kapitalmarkt“. Er ist nicht illegal und auch per se nicht schlecht, betont die Bafin. Dort finanzierten sich solide mittelständische Industrieunternehmen, innovative Start-up-Unternehmen versorgten sich mit Gründungskapital. Doch da die staatliche Kontrolle geringer ist, tummeln sich neben seriösen Anbietern auch dreiste Zocker auf diesem Finanzmarkt.

          Die Auswahl ist riesig: Geschlossene Immobilienfonds, Termingeschäfte, Unternehmensbeteiligungen, Geldanlagen über Internetplattformen (Crowdfunding), Gold- oder Edelmetallsparpläne, Direktinvestments unter anderem in Holz, Edelmetalle, Minen - und sogar Rinder, wie die Verbraucherzentrale Hessen feststellte. Nach Angaben der Bafin werden ständig neue Investments entwickelt. Geworben wird im Internet, mit Anzeigen in Zeitschriften und Zeitungen, per Telefon, Werbebrief oder auf Verkaufsveranstaltungen. Versprochen werden nicht selten hohe Renditen.

          Anbieter von eben solchen riskanten Geldanlagen verschweigen nach einer Untersuchung der Verbraucherzentrale Hessen aber häufig die Gefahren des Investments. Das geht aus der am Donnerstag vorgestellten Studie im Rahmen des Projektes Marktwächter Finanzen hervor. Danach entsprachen 80 von 91 untersuchten Werbeanzeigen für Produkte des kaum regulierten „Grauen Kapitalmarktes“ nicht den Anforderungen für eine transparente Werbung. Geworben wurde unter anderem für Investitionen in erneuerbare Energien, vermietete Immobilien, Wald oder Holz. Am häufigsten waren geschlossene Fonds.

          „Viele Verbraucher, die am Grauen Kapitalmarkt investieren, glauben ihr Geld in einer sicheren Anlageform gut aufgehoben - nicht zuletzt, weil Anbieter ihre Produkte häufig als „sicher“ beschreiben“, sagte Jutta Gelbrich, Vorstand der Verbraucherzentrale Hessen. Doch genau das ist das Problem. Die Verbraucherschützer haben im Herbst 2015 im Rahmen des Projektes Marktwächter Finanzen insgesamt 91 Werbeanzeigen für Produkte des „Grauen Kapitalmarktes“ unter die Lupe genommen. Das Ergebnis:

          80 fielen durch. In 77 Fällen wurden die Vorteile der Geldanlage einseitig hervorgehoben, zum Beispiel „Hohe Rendite trifft geringes Risiko“. Knapp die Hälfte der untersuchten Werbungen enthielt gar keinen Hinweis auf Risiken, wie beispielsweise Wertschwankungen. Wenn Risiken erwähnt wurden, dann oft versteckt, in kleiner Schrift oder stark verklausuliert, kritisieren die Verbraucherschützer. „Bei einigen Angeboten war nicht einmal erkennbar, um was für eine Art von Kapitalanlage es sich handelte oder in welche konkreten Produkte investiert werden sollte“, bemängelt Finanzmarktwächter Wolf Brandes.

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