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Flugzeugfinanzierung : Ohne Triebwerke auf einem Flugplatz in den Pyrenäen

So könnte es schlimmestenfalls auch für den von deutschen Anlegern finanzierten A380 enden. Bild: Alexandre GELEBART/REA/laif

Deutsche Fondsanleger haben den ersten A380 finanziert. Nun brauchen sie gute Nerven: Eingemottet wartet der Flieger auf Abnehmer. Es geht um richtig viel Geld.

          Im amerikanischen Bundestaat Arizona stehen sie zuhauf in schier endlosen Reihen: ausgemusterte oder nur vorübergehend stillgelegte Flugzeuge mannigfaltigen Typs. Eine solche Umgebung ist nicht nur wegen des trockenen Wüstenklimas und der einsamen Weite ideal, um Flugzeuge möglichst unbeschadet aufzubewahren oder sie in aller Ruhe auszuschlachten.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Stillgelegt und eingemottet ist inzwischen auch der erste im Linienverkehr betriebene Airbus A380 überhaupt – zehn Jahre nach seiner Inbetriebnahme durch Singapore Airlines. Interessant daran: Das vierstrahlige Riesenflugzeug gehört 2700 deutschen Fondsanlegern, die nun auf einen neuen zahlungswilligen Interessenten hoffen. Fast 100 Millionen Dollar haben sie investiert, und rund 120 Millionen Dollar haben Banken mit Krediten beigetragen, um den Kaufpreis von etwa 220 Millionen Dollar zu bezahlen.

          Anleger des Fonds Nr. 129 betroffen

          Seit Montag steht dieses Flugzeug von Singapore rundherum erneuert und weiß lackiert auf dem Flughafen Tarbes-Lourdes in den französischen Pyrenäen – Zukunft ungewiss. Alle Fenster und Öffnungen sind zum Schutz verschlossen. Die Reifen wurden aufgepumpt. Doch etwas ganz Wichtiges fehlt: Alle vier Triebwerke wurden abmontiert, abheben könnte der Jet also derzeit nicht. Damit hat sich die Fondsgesellschaft Dr. Peters Group Zeit erkauft. Denn sie hat die Turbinen bis Mai 2019 an den Motorenhersteller Rolls-Royce vermietet. Dieser nutzt sie für andere Maschinen, damit diese während einer Wartung weiter fliegen können. Mit den Einnahmen sei der Kapitaldienst der Banken komplett gedeckt – also der Zins und die Tilgung, heißt es von Dr. Peters. Über genaue Zahlen spricht man aber nicht. Es ergibt durchaus Sinn, die Turbinen gesondert zu nutzen, sagt ein Sprecher von Airbus. Denn sie machten 25 bis 30 Prozent des Wertes eines Flugzeugs aus.

          Wie konnte es so weit kommen? Singapore Airlines hatte den Leasingvertrag mit Dr. Peters in diesem Jahr nach zehn Jahren Laufzeit nicht verlängert. Der Fonds läuft aber eigentlich 15 Jahre, die Finanzierung ist auf 14 Jahre ausgelegt. Konkret sind hierdurch zunächst nur die Anleger des Fonds Nr. 129 betroffen. Doch auch für drei weitere Flugzeuge dieses Typs hat die asiatische Fluggesellschaft die Verlängerungsoption nicht wahrgenommen. Das wiederum betrifft die Fonds Nr. 130 und 131.

          In Gesprächen mit mehreren asiatischen Fluggesellschaften

          In diese drei Fonds haben 12.000 Anleger insgesamt etwa 390 Millionen Dollar investiert. Die Mindestanlage betrug 20.000 Euro. Einige Fondsbesitzer haben ein Vielfaches davon angelegt. Dr. Peters ist eigenen Angaben zufolge der größte Anbieter von Flugzeugfonds in Deutschland. Laut Ratingagentur Scope sind von 2006 bis 2016 rund 3,2 Milliarden Euro in etwa 70 Flugzeugfonds geflossen. Gute Nachrichten gab es zuletzt für Besitzer eines anderen Dr.-Peters-Fonds: Emirates hat den Leasingvertrag für eine Boeing 777 verlängert. Auch Air France und die norwegische Billigfluglinie Norwegian gehören zu den Kunden der Dr. Peters Group.

          Man habe die Anleger des Fonds Nr. 129 schon frühzeitig im Jahr 2015 darüber informiert, dass Singapore die Leasingverträge möglicherweise nicht verlängern werde, sagte Anselm Gehling, Geschäftsführer von Dr. Peters, im Gespräch mit der F.A.Z. und betonte das stete Bemühen um Transparenz und Information in dem ganzen Prozess. Aber erst als Singapore den Leasingvertrag für den ersten A380 in diesem Jahr tatsächlich nicht verlängert hätte, habe man spät konkrete Verhandlungen mit Interessenten führen können. Bisher habe es noch nicht geklappt, einen Abnehmer zu finden, der auch noch bereit sei, entsprechend viel zu bezahlen. Dabei sei der Preis gerade einmal halb so hoch wie der einer neuen Maschine, sagt Gehling. Man sei in Gesprächen mit mehreren asiatischen Fluggesellschaften, auch British Airways sei ein möglicher Geschäftspartner. Dann müsste die nagelneue Kabinenausstattung wohl abermals erneuert werden. Falls eine erste Billigfluglinie oder Leasingfluggesellschaft den A380 übernehmen würde, könne die Bestuhlung vermutlich sogar weitgehend beibehalten werden.

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