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Ernst Fassbender : Pionier des Investmentbankings produziert jetzt Filme

Ernst Fassbender Bild: LAIF

Ernst Fassbender war einer der Pioniere im deutsche Investmentbanking. Jetzt lässt er in Griechenland Filme drehen.

          2 Min.

          Investmentbanker, die Fusionen und Übernahmen begleiten, führen ein Leben an der Grenze. Gehälter und Boni erreichen exorbitante Höhen - hoch sind aber auch Arbeitsbelastung und Adrenalinpegel; vor allem die ständige Verfügbarkeit zehrt an den Kräften. Rund um die Uhr sollen sie für den Kunden da sein, jedenfalls wenn gerade ein aktuelles Fusionsvorhaben ansteht: „24/7“ im Dienst, wie sie das im amerikanisierten Business-Sprech sagen.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Kein Wunder, dass da viele ans Aussteigen denken. In der Branche erregte vor einigen Jahren Rudolf Wötzel Aufmerksamkeit, Deutschland-Chef für Fusionen und Übernahmen der Investmentbank Lehman Brothers. Vor dem Gipfel der Finanzkrise lief er auf Gipfeln in den Alpen; von Salzburg wanderte er bis nach Nizza, eröffnete ein Bergrestaurant - und schrieb ein Buch. „Über die Berge zu mir selbst: Ein Banker steigt aus und wagt ein neues Leben“. Kurz nach dem Ausstieg Wötzels ging Lehman Brothers übrigens pleite - der Banker bewies gutes Timing.

          Einen ganz anderen Ausstieg wählte Ernst Fassbender: Er macht jetzt Filme. Fassbender gehört in Deutschland zu den Pionieren der Branche. Er war einer der großen Namen, bestens vernetzt in der Finanzszene ebenso wie in der Großindustrie. Fassbender gehörte zu denjenigen, die die monatelange Schlacht um die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone begleiteten. Nach seiner Station bei Merrill Lynch arbeitete er als Deutschland-Chef bei Lazard. Die Attacke der spanischen ACS auf den Baukonzern Hochtief drückte er gegen den Vorstand der Deutschen und gegen fast den kompletten Aufsichtsrat durch. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte ihre Missbilligung erkennen lassen. Seinen robusten Stil bekamen Kunden wie Kollegen zu spüren. Gab es Streit, konnte das offen, lautstark und auch lang werden.

          Nach der Tragödie kommt eine Komödie

          Ende 2013 trat er als Chairman von Lazard in Deutschland ab, seitdem ist nichts mehr von ihm zu hören. Erst langsam spricht sich herum, dass der 57 Jahre alte Banker nun ein wesentlich sinnlicheres Geschäft verfolgt als ehedem. Die Adresse seiner Firma ist zwar passend für einen alten Kapitalmarktmann: „Am Börsenplatz 1“ in Frankfurt. Aber das Genre ist ein ganz anderes. Fassbender produziert Filme, wie er auf Anfrage bestätigt. Die Gesellschaft: die FassB Filmproduktion GmbH & Co. Seinen vollen Namen konnte er schwierig unterbringen. Zu groß ist die Verwechslungsgefahr mit einem anderen Protagonisten des Filmgeschäfts, dem deutsch-irischen Schauspieler Michael Fassbender. Einen ersten Film hat Fassbender schon mitproduziert. Er spielt in Griechenland und heißt „Suntan“. Die Produktion liegt gerade in den letzten Zügen.

          Die Geschichte: Kostis, ein 40 Jahre alter Arzt, landet auf der Insel Antiparos, um eine örtliche Klinik zu übernehmen. Sein ganzes Leben wird sich aber auf den Kopf stellen, als er eine internationale Gruppe junger und gut aussehender Tourist(inn)en trifft und sich dabei in Anna verliebt, eine 19-jährige Göttin. Und Fassbender wäre nicht Fassbender, wenn das Projekt nicht ambitioniert wäre. „Damit verbindet sich die Hoffnung, dass wir das in die großen internationalen Filmwettbewerbe schicken können, wie nach Locarno oder nach Cannes.“ „Suntan“ ist eine Tragödie. Aber Fassbender arbeitet schon am nächsten Film, es soll eine Komödie werden, wieder in Griechenland.

          Fassbender will Jungregisseure fördern

          Schon als Jugendlicher hat sich Fassbender für das Kino interessiert, wollte sich mit Hilfsjobs in der Branche verdingen, wozu es aber nie kam. Die Verbindung nach Griechenland kommt über einen Bekannten aus dem dortigen Film zustande.

          Fassbender hat den Schnitt zu seinem alten Leben - im doppelten Sinne - also vollständig gemacht. Anders als andere Banker. Als sich Kai Tschöke von Morgan Stanley verabschiedete und eine „neue Herausforderung“ suchte, erwarteten alle, dass er etwas ganz anderes machen würde. Stattdessen kehrte er in die Branche zurück - bei Rothschild. Dorothee Blessing von Goldman Sachs: Auch sie nahm eine Auszeit, kehrte aber ebenfalls zurück und arbeitet nun bei JP Morgan. Der Abschied scheint Bankern nicht leicht zu fallen. Aber Fassbender ist auch etwas älter. Und er dürfte ausgesorgt haben. Nun will er über FassB auch Jungregisseure fördern: „Gerne zum Beispiel eine Abschlussarbeit von einer Filmhochschule.“ 50.000 Euro stehen zur Verfügung.

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