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Amerikanische Börse : Das große Hedgefonds-Sterben an der Wall Street

  • -Aktualisiert am

Wall Street in New York Bild: AFP

Mit Eric Mindich gibt ein weiterer Branchenstar aus der alten Kaderschmiede von Goldman Sachs nach enttäuschenden Ergebnissen auf. Wieso werfen immer mehr Hedgefondsmanager das Handtuch?

          3 Min.

          An der Wall Street werfen immer mehr prominente Hedgefondsmanager das Handtuch. Ende der Woche kündigte Eric Mindich, der Gründer der Hedgefonds-Gesellschaft Eton Park Capital Management, nach schwachen Ergebnissen die Schließung seines Fonds an. Mindich gehört zu den ehemaligen Branchenstars, die ihr Handwerk in der legendären Sparte für Risikoarbitrage der Investmentbank Goldman Sachs gelernt hatten. Unter der Leitung des späteren amerikanischen Finanzministers Robert Rubin war die Abteilung, die auf Kursbewegungen von Aktien aufgrund von Fusionen und Übernahmen wettete, in den achtziger Jahren zu einer Kaderschmiede für Hedgefondsmanager geworden.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Mindich war dazu mit nur 27 Jahren jüngster Partner, also Mitinhaber, in der Geschichte von Goldman Sachs. Als er 2004 seinen eigenen Hedgefonds gründete standen Investoren Schlange. Er begann mit 3,5 Milliarden Dollar und diktierte seinen Investoren, reiche Privatanleger und Institutionen wie Pensionsfonds, scharfe Konditionen. Die Mindestanlagesumme für Eton Park lag damals bei 5 Millionen Dollar – fünfmal so hoch wie der Branchendurchschnitt. Zudem mussten Anleger ihr Geld ungewöhnlich lange investieren. Einem institutionellen Investor, der einen dreistelligen Millionen-Dollar-Betrag anlegen wollte, wies Mindich damals die Tür, weil ihm dessen Engagement nicht langfristig genug erschien.

          Schlechtes Abschneiden während der Finanzkrise

          Die Zeiten, in denen talentierte Händler nur „Hedgefonds“ sagen mussten, damit Investoren ihnen Millionen überwiesen und hohe Gebühren akzeptierten, scheinen aber vorbei. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Brancheninformationsdienstes Hedge Fund Research 1057 dieser Anlagevehikel geschlossen oder liquidiert – so viele wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Neu gegründet wurden nur 729. Die Gesamtzahl der Hedgefonds ist mit rund 8200 auf das niedrigste Niveau seit 2013 gefallen. Fachleute rechnen mit einem anhaltenden Ausleseprozess. Der Grund: Unterdurchschnittliche Renditen, deretwegen Anleger zunehmend Geld aus Hedgefonds abziehen.

          In der großen Wachstumsphase der Branche Mitte des vergangenen Jahrzehnts hatten Pensionsfonds und andere Investoren nach alternativen Anlagen gesucht, um ihre Portfolios zu diversifizieren. Die Hedgefonds versprachen ihnen, aufgrund ihrer flexiblen Anlagestrategien in allen Marktlagen Gewinn zu machen.

          Dann kam die schwere Finanzkrise, in der die meisten Hedgefonds keine gute Figur machten. Die Hoffnung von Investoren, sich mit Hilfe von Hedgefonds abzusichern oder gar eine Sonderrendite zu erwirtschaften, ging insgesamt nicht auf. Zwar wurden einige Fondsmanager wie John Paulson mit einer gigantischen Wette auf fallende Häuserpreise zu Milliardären. Aber insgesamt verloren Hedgefonds im Krisenjahr 2008 um 19 Prozent an Wert. Die Verluste fielen damals zwar nicht so dramatisch aus wie im amerikanischen Aktienmarkt. Für Anleger war es trotzdem eine herbe Enttäuschung. Eine allgemeine Bewertung der Leistungen in der Branche ist allerdings schwierig, weil die Fonds sehr unterschiedliche Anlagestrategien verfolgen. Manche wetten auf große makroökonomische Trends, andere auf Übernahmen und Fusionen von Unternehmen, wieder andere auf Rohstoffe. Aber alle nehmen für sich in Anspruch, besser abzuschneiden als die Marktbarometer, an denen sie sich messen.

          15 Milliarden Dollar verwaltet

          Die auch seit der Finanzkrise unterdurchschnittlichen Renditen in der Branche haben zu wachsender Kritik an den hohen Gebühren geführt, die Hedgefonds für die Verwaltung des Geldes verlangen. Hedgefonds kassieren in der Regel 2 Prozent Verwaltungsgebühr auf die angelegte Summe und dazu 20 Prozent vom erzielten Gewinn. Der Starinvestor Warren Buffett hat diese Praxis als „unglaubliches Vergütungsmodell“ kritisiert und in seinem jüngsten Aktionärsbrief ausführlich gegen die Fonds Stellung bezogen. „Wenn Billionen von Dollar von Wall-Street-Managern verwaltet werden, die hohe Gebühren verlangen, werden es in der Regel die Vermögensverwalter sein, die hohe Gewinn machen, und nicht die Kunden“, schrieb Buffett. Er empfiehlt Privatanlegern wie institutionellen Investoren eine Anlage in kostengünstige Fonds, die einfach einen Wertpapierindex abbilden.

          Mindichs Eton-Park-Hedgefonds hatte vergangenes Jahr wegen erfolgloser Wetten auf japanische Aktien 9,4 Prozent an Wert verloren. Zuletzt verwaltete der Fonds 7 Milliarden Dollar, nach 14 Milliarden Dollar vor fünf Jahren. In einem Brief an Investoren begründete der 49 Jahre alte Mindich die Schließung mit „Gegenwind für die Branche, einem schwierigen Marktumfeld und, viel wichtiger, mit unseren enttäuschenden Resultaten für 2016“.

          Mindich ist schon der zweite Branchenstar aus den Goldman-Kader, der aufgibt. Ende September hatte Richard Perry, Gründer der bekannten amerikanischen Hedgefondsgesellschaft Perry Capital, die Schließung seines größten Fonds bekannt gegeben. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere hatte Perry 15 Milliarden Dollar verwaltet. Diese Summe war bis 2016 auf rund 4 Milliarden Dollar geschrumpft.

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