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Schwierige Prognose : Zahl der Ergebniswarnungen steigt auf Rekordniveau

Bulle und Bär: Die beiden Börsenkontrahenten Bild: Victor Hedwig

Immer mehr deutsche Unternehmen verfehlen überraschend ihre usprünglichen Prognosen zu Ergebnis und Umsatz. Die Börse trägt dies den Konzernen bisher nur wenig nach, doch die Aussichten gelten als schwierig.

          Vorhersagen der Zukunft sind naturgemäß und in aller Regel ungewiss. Die meisten Aktiengesellschaften besitzen gleichwohl eine gewisse Erfahrung und Routine, was die Prognosen ihrer eigenen Geschäftstätigkeit anbelangt. Und dennoch haben sie hierzulande im ersten Halbjahr ihre eigenen Ziele viel häufiger verfehlt als noch im Vorjahr und das deutlich.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Denn die schwächelnde Konjunktur und zunehmende internationale Handelskonflikte machen immer mehr deutschen Unternehmen so zu schaffen, so dass sie die eigenen Umsatz- oder Gewinnprognosen nach unten korrigieren müssen.

          Und so gaben in den ersten sechs Monaten des Jahres die 308 im Qualitätssegment „Prime Standard“ der Frankfurter Börse gelisteten Unternehmen zusammen 54 Warnungen vor einem überraschend schlechten Gewinn oder Umsatz heraus – ein Anstieg um 38 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und ein neuer Höchststand. Im Durchschnitt korrigierten sie ihre Prognosen um rund ein Drittel und damit etwas weniger als im Vorjahr (minus 41 Prozent).

          Gegenwind nimmt zu

          Erstmals seit dem ersten Halbjahr 2014 fiel damit zudem die Zahl der Unternehmen, die ihre eigenen Ziele verfehlten, höher aus als die Zahl derer, die sich besser entwickelt haben. Dies sind Ergebnisse einer Analyse des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY, der veröffentlichungspflichtigen Korrekturen. Insgesamt wurde 51 Mal eine höhere Prognose veröffentlicht als zunächst angekündigt, etwas mehr als im Vorjahr (43 Fälle), aber nur halb so häufig wie im ersten Halbjahr 2017.

          Als Gründe nannten die Unternehmen vor allem Konjunktur und Markt (41 Prozent). In einem Fünftel der Fälle wurde die Senkung der Prognose mit höheren Kosten für Personal und Rohstoffe begründet, zu 11 Prozent mit Verschiebung von Aufträgen oder Umsätzen und zu 10 Prozent mit geopolitischen Unsicherheiten.

          „Der Gegenwind für die deutschen Unternehmen nimmt zu“, sagt Martin Steinbach, Partner von EY. Viele Unternehmen hätten schon zu Beginn des Geschäftsjahres feststellen müssen, dass ihre ohnehin nicht übermäßig optimistischen Prognosen doch nicht erreichbar seien. Die Weltwirtschaft verlieren deutlich an Kraft, der amerikanisch-chinesische Handelskonflikt, der nun auch zu einem Währungskrieg geworden sei, sorge für erhebliche Unsicherheit. Und in Europa scheine alles auf einen ungeordneten Brexit hinauszulaufen. Positive Nachrichten würden dagegen immer seltener.“

          Fast ein Drittel ändert die Prognose

          Die Entwicklung trifft große wie auch kleinere Unternehmen. Sowohl im Dax wie im M-Dax und S-Dax erreichte die Zahl negativer Prognosekorrekturen demnach ein Rekordniveau seit dem Jahr 2011, seither erhebt EY diese Daten. Im Standardwerteindex Dax und unter den Nebenwerten im M-Dax gab es jeweils sieben nach zuvor fünf Warnungen.

          Im Kleinstwerte-Segment S-Dax stieg die Zahl sogar von fünf auf zwölf. Insgesamt hätten 29 Prozent der börsennotierten Unternehmen die eigenen Prognosen in irgendeiner Form korrigiert – im Vorjahr seien es 23 Prozent gewesen.

          Die gute Nachricht: Immerhin scheint der Finanzmarkt die Korrekturen der Prognosen inzwischen etwas gelassener aufzunehmen als noch im Vorjahr. Möglicherweise habe es dabei geholfen, dass die Prognosen nicht ganz so deutlich gesenkt worden seien wie im Jahr zuvor, heißt es von EY. Im Durchschnitt sanken die Aktien der betroffenen Unternehmen demnach am Tag der Warnung um 5 Prozent im Kurs. Im Vorjahr waren es 8 Prozent.

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