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Türkei-Kommentar : Erdogans falscher Weg

Erdogan bekämpft die Inflation – indem er die Preise senken lässt. Bild: dpa

Die Inflation in der Türkei steigt. Um sie zu bekämpfen, hat Erdogan eine ungewöhnliche Lösung gefunden: Die Unternehmer senken ihre Preise um 10 Prozent. Internationales Vertrauen gewinnt er so nicht zurück.

          Ist das noch unorthodox oder schon verrückt? Um die Inflation einzudämmen, will sich die türkische Regierung mit der Wirtschaft auf Preissenkungen verständigt haben.

          Man kann sich vorstellen, wie einvernehmlich diese „Einigung“ erfolgt ist in einem Land, in dem die Führung um Recep Tayyip Erdogan weite Teile der Gesellschaft kontrolliert: Politik, Justiz, Presse, Militär, Religion, die Zentralbank – jetzt eben auch die Wirtschaft und die Preise. Schon seit längerem gibt es staatlich begrenzte Tarife, etwa für Strom. Dass aber alle im Inflations-Warenkorb enthaltenen Güter um 10 Prozent sinken sollen, ist neu.

          Der Schritt sendet fatale Signale aus. Internationale Investoren, deren wachsende Skepsis für die Verluste der Lira und für die importierte Inflation mitverantwortlich ist, erwarten Zurückhaltung des Staates, dazu die Stärkung der Marktkräfte und der Rechtssicherheit. Erst dann wollen sie wieder Vertrauen fassen.

          Danach aber sieht es immer weniger aus. Es gibt nur eine Möglichkeit, um die Lira und die Preise wieder zu stabilisieren: Die Zentralbank muss in zwei Wochen die Zinsen abermals drastisch erhöhen. Doch auch das widerstrebt Erdogans „unorthodoxer“ Geldpolitik.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

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