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Skandinavischer Investor : EQT macht das Rennen um Einstieg in Schufa

Der skandinavische Investor EQT sichert sich Anteile an der Auskunftei Schufa. Bild: dpa

Anteilseigner der Auskunftei Schufa prüfen schon länger eine Veräußerung ihrer Anteile. Nun hat der skandinavische Investor EQT einen ersten Schritt gemacht – und stellt Reformen in Aussicht.

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          Im Bemühen von Private Equity um die Schufa hat der Finanzinvestor EQT im ersten Schritt das Rennen gemacht. Nach einer Vereinbarung mit Schufa-Anteilseigner Société Générale, ein Paket von etwa 9,8 Prozent zu erwerben, strebt die skandinavische Beteiligungsgesellschaft nun nach einer Mehrheit an der Auskunftei. Nach F.A.Z.-Informationen hat EQT in Aussicht gestellt, die Palette an Dienstleistungen auszuweiten und verbraucherfreundlicher zu machen. Außerdem sähe der Investor externe Industrieexperten für die Aufsichtsgremien vor.

          Klaus Max Smolka
          Redakteur in der Wirtschaft.

          EQT sehe einen „Reformstau“ der Schufa, herrührend aus der Struktur rein dividendenorientierter Eigentümer, ist in Finanzkreisen zu hören. Weiterhin könnten die Investoren das Geschäft internationalisieren und interne Prozesse in Vertrieb und Kundenmanagement optimieren. Das wären typische Maßnahmen, mit denen ein Private-Equity-Haus den Wert einer Beteiligung steigert, bevor es – typischerweise nach drei bis sieben Jahren – wieder aussteigt.

          Anteile sollten schon länger veräußert werden

          Im Frühjahr waren Private-Equity-Bemühungen an der Schufa bekanntgeworden. Unter anderem soll sich Hellman & Friedman aus den Vereinigten Staaten interessiert gezeigt haben, aber eben auch EQT. Der Unternehmenswert wurde und wird immer noch auf rund 2 Milliarden Euro taxiert. Anteilseigner der Schufa – dem Vernehmen nach namentlich Deutsche Bank und Commerzbank – prüfen seit längerem, Pakete abzugeben.

          Die Schufa – abgekürzt für „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“ – beurteilt Bürger nach ihrer Bonität und verkauft die Daten an Unternehmen. Das Unternehmen verfügt nach eigenen Angaben über Daten zu 68 Millionen natürlichen Personen und 6 Millionen Unternehmen. Täglich gibt es 490.000 ab – für Kreditgeschäfte beim Autokauf, der Ratenzahlung von Möbeln oder Elektronikartikeln, Online-Käufen und Mobilfunkverträgen.

          Das Unternehmen wird als Datenstaubsauger mit zu hoher Informationsmacht kritisiert, versucht sich selbst gleichzeitig als auch verbraucherfreundlich darzustellen – weil Bürger mit den Erkenntnissen der Gesellschaft Vertrauenswürdigkeit als Mieter nachweisen und Informationen zu Unternehmen einholen könnten. Unternehmenskunden gibt es nach Darstellung der Schufa mehr als 10.000, darunter Banken, Sparkassen, Handelsunternehmen und Telekomanbieter. Die Schufa wurde 1927 gegründet. Anteilseigner sind zu 35 Prozent Kreditbanken, zu 26 Prozent Sparkassen und knapp 18 Prozent Privatbanken, 8 Prozent Genossenschaftsbanken. „Handel und Andere“ machen laut Eigendarstellung 13 Prozent aus.

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