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Enttäuschender Quartalsbericht : Uber macht Milliardenverlust

Der Aktienkurs fiel nachbörslich zeitweise um mehr als zwölf Prozent auf weniger als 38 Dollar, erholte sich dann aber wieder etwas. Bild: Reuters

Der Fahrdienst stellt einen Negativrekord auf und wächst langsamer als erwartet. Dabei hatte sein Wettbewerber Lyft kurz zuvor noch für gute Stimmung an der Börse gesorgt.

          Uber hat mit seinen am Donnerstag nach Börsenschluss vorgelegten Quartalsbericht für eine Enttäuschung gesorgt. Der Fahrdienst verfehlte mit seinem Umsatz die Erwartungen und wies einen Milliardenverlust aus. Der Aktienkurs fiel nachbörslich zeitweise um mehr als zwölf Prozent auf weniger als 38 Dollar, erholte sich dann aber wieder etwas. Im regulären Handel hatte die Uber-Aktie noch acht Prozent gewonnen. Dies hatte mit dem tags zuvor veröffentlichten Quartalsbericht des Wettbewerbers Lyft zu tun, der besser als erwartet ausgefallen war. Lyft hatte außerdem Hoffnung darauf gemacht, schneller als bislang erwartet profitabel zu werden. Der Aktienkurs von Lyft kletterte daraufhin am Donnerstag um drei Prozent, verlor aber nach der Vorlage der Uber-Zahlen nachbörslich wieder etwas an Wert und notierte um 61 Dollar.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Uber meldete für die vergangenen drei Monate einen Nettoverlust von 5,2 Milliarden Dollar, den bislang höchsten Verlust in seiner Geschichte. Das Unternehmen führte dies zum großen Teil auf Aufwendungen für Mitarbeiteraktien im Zusammenhang mit dem Börsengang im Mai zurück, die auf 3,9 Milliarden Dollar beziffert wurden. Im vergangenen Jahr lag der Nettoverlust bei 878 Millionen Dollar.

          Seinen Umsatz baute Uber im zweiten Quartal um 14 Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar aus, Analysten hatten im Schnitt mit 3,4 Milliarden Dollar gerechnet. Das Wachstum hat sich damit erheblich abgeschwächt, im ersten Quartal war der Umsatz noch um 20 Prozent gestiegen. Im Kerngeschäft als Chauffeurdienst erhöhte sich der Umsatz in den vergangenen drei Monaten sogar nur um zwei Prozent, was zum Teil damit zu tun hat, dass Uber seinen Fahrern im Zuge des Börsengangs einen Sonderbonus gewährte. Ein deutliches Umsatzplus von 72 Prozent gab es dagegen beim Essenslieferdienst Uber Eats.

          Unternehmen will Preise erhöhen

          Uber und Lyft sind in diesem Jahr mit hohen Erwartungen an die Börse gegangen, haben sich aber bislang schlechter geschlagen als erhofft. Ihre Aktienkurse liegen unter den Ausgabepreisen beim Börsendebüt. Die Aktien von Uber kamen zum Preis von 45 Dollar an die Börse, diejenigen von Lyft kosteten 72 Dollar. Als wesentlicher Grund für die bisherige schwache Entwicklung gilt die Ungewissheit darüber, wie es den bislang defizitären Unternehmen gelingen soll, profitabel zu werden, zumal in dem Markt ein harter Wettbewerb herrscht. Die Anbieter werben mit Rabatten um Kunden und schaffen auch finanzielle Anreize für Fahrer.

          Uber Technologies

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          Lyft hat aber bei der Vorlage seiner Zahlen den Eindruck erweckt, dass sich der Preiswettbewerb etwas entspannt, wenngleich dies von den Kunden nicht als positive Nachricht gewertet werden dürfte. Das Unternehmen teilte mit, Ende Juni seine Preise „maßvoll“ in bestimmten Städten und auf bestimmten Strecken erhöht zu haben. Es beschrieb diese Anpassungen als „Industrietrend“, suggerierte damit also, dass auch Uber seine Fahrten verteuert hat. Die höheren Preise werden nach Einschätzung von Lyft „den Pfad zur Profitabilität beschleunigen“.

          Für dieses Jahr sagte der Fahrdienst jetzt einen niedrigeren bereinigten Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen heraus. Außerdem korrigierte er seine Umsatzprognose nach oben. Im abgelaufenen Quartal stieg der Umsatz von Lyft um 72 Prozent auf 867 Millionen Dollar, Analysten hatten mit 809 Millionen Dollar gerechnet. Der Nettoverlust betrug 644 Millionen Dollar und war wie bei Uber deutlich höher als im Vorjahr. Auch hier wurden Aufwendungen rund um den Börsengang als Begründung angeführt.

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