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Entlassungen bei Deutscher Bank : Investmentbanken verdienen immer weniger

Die Frankfurter Skyline Bild: Helmut Fricke

Die Investmentbanker waren die Stars der Bankenwelt – bis zur Finanzkrise. Doch jetzt schwinden die Gewinne, die Boni werden gekürzt, Banker entlassen. Die Deutsche Bank verliert besonders viel.

          3 Min.

          Die Königsdisziplin im Bankgeschäft, das Investmentbanking, hat in den Jahren nach der Finanzkrise deutlich an Anziehungskraft verloren. Denn im Kapitalmarktgeschäft lässt sich immer weniger verdienen. Belief sich der Ertragspool, also die Einnahmen aus Beratungs-, Wertpapieremissions- und Handelsgeschäft, in den Jahren vor der Finanzkrise auf mehr als 300 Milliarden Dollar im Jahr, sind es nur noch 250 Milliarden Dollar.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nicht nur die hohen Auflagen der Aufsichtsbehörden, wie etwa die notwendigen Verlustpuffer an Eigenkapital, drücken die Profitabilität. Laut der Ratingagentur Moody’s haben zwischen 2008 bis 2014 die 15 größten Investmentbanken 219 Milliarden Dollar für Rechtsstreitigkeiten aufwenden müssen. Seit 2012 musste die Deutsche Bank Strafen über 11,2 Milliarden Euro zahlen. Sie hat weitere 4,8 Milliarden Euro dafür zurückgestellt. Laut dem britischen Finanzdatenanbieter Dealogic haben die Investmentbanken mit der Beratung bei Unternehmensübernahmen (Mergers & Acquisitions; M&A) sowie der Plazierung von Anleihen und Aktien in diesem Jahr insgesamt knapp 73 Milliarden Dollar verdient. Das sind 10 Milliarden Dollar weniger als vor einem Jahr. Das ist bemerkenswert, weil die vielen M&A-Transaktionen nach Angaben von Dealogic ein Rekordvolumen von 4,9 Billionen Dollar erreicht haben.

          Das hat die Beratungsgebühren für die Banken auf 22,4 Milliarden Dollar getrieben. Das ist schon jetzt das dritthöchste Volumen, obwohl noch ausstehende Erträge von knapp 11 Milliarden Dollar nicht berücksichtigt sind. Wenn Dealogic im Januar die endgültigen Zahlen mitteilen wird, ist also ein neuer M&A-Rekord für die Banken wahrscheinlich.

          Die Deutsche Bank fällt zurück

          Doch im Aktien- und Anleihegeschäft, also der reinen Begleitung von Emissionen ohne Handelsgeschäft, haben die Banken Federn lassen müssen. Die Einnahmen aus Aktien sanken um 14 Prozent auf 18,4 Milliarden Dollar und bei Anleihen um 10 Prozent auf 19,3 Milliarden Dollar. Die führende Investmentbank auf der ganzen Welt ist nach der Dealogic-Rangliste die amerikanische JP Morgan mit Einnahmen von 5,8 Milliarden Dollar. Auf den Plätzen zwei bis fünf folgen ausschließlich Wall-Street-Häuser. Die Deutsche Bank landet auf dem sechsten Platz mit Einnahmen von 3,3 Milliarden Dollar.

          Bild: F.A.Z.

          Sie war damit die Nummer eins in Europa vor der Credit Suisse. Im Jahr 2014 schaffte die Deutsche Bank noch den fünften Rang mit 4,4 Milliarden Dollar. In den Frankfurter Doppeltürmen, aber auch an den beiden für das Investmentbanking wichtigen Standorten London und New York, dürfte besonders schmerzen, dass sich der Abstand zu JP Morgan gemessen an den Einnahmen, vergrößert hat, obwohl der Marktführer 12 Prozent weniger verdient hat. Bei der Deutschen Bank fielen die Einnahmen gegenüber dem Vorjahr aber um ein Viertel.

          9000 Arbeitsplätze werden abgebaut

          Besser sieht die Rangliste für Deutschlands größte Bank aus, wenn auch das Handelsgeschäft berücksichtigt wird. Hier spielt sie ganz vorne mit. Die Zahlen der zehn führenden Investmentbanken analysiert das Londoner Beratungshaus Coalition. Einschließlich des Handelsgeschäfts lag die Deutsche Bank nach den ersten neun Monaten in der ganzen Welt auf dem dritten Rang. Hier führt abermals JP Morgan. Die Investmentbanker der auch im Privatkundengeschäft verankerten Großbank verdienten laut Coalition insgesamt 18,2 Milliarden Dollar, davon 8,8 Milliarden Dollar im Anleihehandel und 4,5 Milliarden Dollar im Aktienhandel.

          Doch das Handelsgeschäft mit Wertpapieren ist teuer. Auch die Deutsche Bank will hier Einschnitte vornehmen und die Handelsbestände reduzieren. Das hat der neue Vorstandschef John Cryan bei der Bekanntgabe der neuen Strategie angekündigt. Auch einige der 27.000 Mitarbeiter im Investmentbanking, davon 7900 mit Kundenkontakt, werden ihre Stellen verlieren. Noch ist die Zahl nicht aufgeschlüsselt, insgesamt will die Deutsche Bank 9000 Arbeitsplätze, davon 5000 in Deutschland, abbauen.

          Die zehn größten Investmentbanken müssen sich laut Coalition-Schätzungen in diesem Jahr mit Einnahmen von insgesamt 148 Milliarden Dollar begnügen, das sind 6 Prozent weniger als vor zwei Jahren. Vor allem das Geschäft mit Anleihen, Devisen und Rohstoffen wirft immer weniger ab. Zwischen 2009 und 2014 sind die Erträge hier um 46 Prozent auf 118 Milliarden Dollar gesunken. Wichtige Wettbewerber wie UBS oder die britische Barclays reduzieren diesen Bereich deutlich.

          Zuletzt hat die amerikanische Investmentbank Morgan Stanley den Abbau von 1200 Mitarbeitern im Anleihehandel mitgeteilt. Die Zahl der Investmentbanker, also der Mitarbeiter mit Kundenkontakt (ohne Abwicklungsbereiche), ist in den zehn führenden Häusern seit Oktober 2011 um ein Fünftel auf 51000 gesunken. Und auch die einst so üppigen Erfolgsprämien werden in diesem Jahr geringer ausfallen. An der Wall Street werden nach einer Studie der Personalberatung Johnson Associates die Boni gegenüber dem vergangenen Jahr branchenweit um 5 bis 10 Prozent sinken. Auch Deutsche-Bank-Chef Cryan will die Boni der Investmentbanker, die 2014 noch 1,7 Milliarden Euro erhalten hatten, kürzen. Denn die Aktionäre müssen für dieses und wohl auch für das kommende Jahr auf die Dividende verzichten.

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