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Energieunternehmen : Eine Volksaktie für die Franzosen

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„Der Preis ist sehr hoch” Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Über vier Millionen Privatanleger haben die neue EdF-Aktie gezeichnet und machen den weltweit größten Börsengang zu einem „Erfolg für das Unternehmen und für Frankreich“, so der französische Finanz- und Wirtschaftsminister Thierry Breton.

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          Eine Aktie des französischen Energieversorgers Electricite de France (EdF) wird die Privatanleger 32 Euro und die institutionellen Investoren 33 Euro kosten. Mit dieser Nachricht überraschte der französische Finanz- und Wirtschaftsminister Thierry Breton am Freitag den Markt, denn damit gilt das unter Kleinaktionären überaus populäre Papier als teuer.

          Schon die zuvor genannte Preisspanne von 28,50 bis 33,10 Euro für Privatanleger und jeweils einen Euro mehr für institutionelle Investoren war besonders von Analysten als vergleichsweise hoch bezeichnet worden.

          Dennoch hielt dies die Franzosen nicht davon ab, sich in großer Zahl um ein Kontingent zu bewerben. 4,85 Millionen Privatanleger haben nach Angaben des Finanzministeriums in den vergangenen Wochen die neue „Volksaktie“ gezeichnet. Zusammen mit den zu Vorzugsbedingungen bedienten Beschäftigten erreiche die Zahl der Kleinaktionäre mehr als fünf Millionen, sagte Breton.

          „Der Preis ist sehr hoch“

          Kein anderer Börsengang war in Frankreich jemals so erfolgreich. Den Rekord hielt bisher die Emission von France Telecom im Jahr 1997, als sich 3,9 Millionen Kleinaktionäre beteiligten. Der am kommenden Montag beginnende Handel der Aktien stellt den weltgrößten Börsengang seit mehr als vier Jahren dar.

          „Wie gewöhnlich stiegen die institutionellen Investoren am Ende ein“, sagte Breton in einem Radiointerview. „Der Börsengang ist ein großer Erfolg für das Unternehmen und für Frankreich.“ Nach seinen Angaben ist das Kontingent der institutionellen Investoren mehrfach überzeichnet gewesen. In Marktkreisen war von einer zweifachen Überzeichnung die Rede. Der EdF-Vorstandsvorsitzende Pierre Gadonneix zeigte sich befriedigt darüber, daß mehr als einer von zwei Beschäftigten Aktien erworben habe. Analysten und Fondsmanager äußerten jedoch Skepsis.

          „Der Preis ist sehr hoch. Ich habe keine Zweifel, daß sich die Aktie schlechter entwickeln wird als Gaz de France“, sagte Jacques-Antoine Bretteil, Fondsmanager bei International Capital Gestion. Das französische Gasunternehmen war im Juli ebenfalls teilprivatisiert worden und erzielte am ersten Handelstag einen Kursgewinn von mehr als 20 Prozent. Auch heute notiert die Aktie noch etwa 10 Prozent über dem Ausgabepreis. Trotz des hohen Preises von EdF trauen einige Beobachter den neuen Aktien aber auch Potential zu.

          Weltweit größter Anbieter von Nuklearenergie

          „Das Unternehmen ist Branchenführer in Europa, daher ist eine Prämie gerechtfertigt“, sagte Francois de Rambauteau von der Fondsgesellschaft Cholet Dupon. „Die Kleinaktionäre halten Immobilien für teuer und Anleihen für riskant. Daher sind sie an den Aktienmarkt zurückgekommen“, sagte Marc Touati, Chefökonom von Natexis Banques Populaires. Allein schon, weil EdF in den französischen Leitindex CAC-40 aufgenommen und daher automatisch von den auf die Nachbildung von Indizes spezialisierten „Tracker Funds“ erworben werde, habe die Aktie mittelfristig Wachstumspotential.

          Weil die Privatanleger so hohes Interesse zeigten, erhöhte die Regierung den ihnen zugeordneten Aktienanteil von 50 auf 60 Prozent. Mit dem genannten Preis liegt der Wert des Unternehmens zwischen 55 und 60 Milliarden Euro - je nachdem, wie von der Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) Gebrauch gemacht wird. Zum Vergleich: Eon, der größte deutsche Versorger, ist an der Börse rund 54 Milliarden Euro schwer. Der französische Staat wird 85 Prozent an EdF behalten. Der hohe Staatsanteil wird von institutionellen Investoren negativ bewertet. Die mit der Ausgabe neuer Aktien erwarteten Einnahmen von 7 Milliarden Euro sollen das Eigenkapital des Unternehmens stärken.

          Mit 58 Kernkraftwerken ist EdF der größte Anbieter von Nuklearenergie der Welt. Beim Gewinn liegt das Unternehmen wegen verlustreicher Auslandsengagements jedoch deutlich hinter Konkurrenten wie Eon und RWE zurück. Auch ist die Verschuldung mit 19 Milliarden Euro hoch.

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