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Stresstest der Behörde Eiopa : Plötzlich steigende Zinsen könnten Betriebsrenten gefährden

  • Aktualisiert am

Arbeitnehmer demonstrieren für Betriebsrenten Bild: dpa

Steigende Zinsen würden laut der europäischen Versicherungsbehörde einen großen Teil des für Betriebsrenten angelegten Vermögens gefährden. Lücken klaffen jedoch auch schon ohne zusätzlichen Marktstress.

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          Betriebsrentnern in Europa könnten in einer Krise mit plötzlich steigenden Zinsen schmerzhafte Einbußen drohen. Im jüngsten Stresstest der Europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa würde im Extremfall fast ein Viertel der Vermögenswerte ausradiert, wie die Behörde am Dienstagabend in Frankfurt mitteilte. Der Verlust würde sich auf rund 270 Milliarden Euro belaufen.

          Im simulierten Fall gingen den Betriebsrentnern in der Summe voraussichtlich 173 Milliarden Euro an Altersversorgung verloren. Die Arbeitgeber, die die Altersvorsorge ihrer Mitarbeiter auf diese Weise geregelt haben, müssten zudem insgesamt 49 Milliarden Euro Kapital nachschießen. Denn im Großteil der Fälle haben die Arbeitgeber ihren Beschäftigten die tatsächliche Höhe der Betriebsrente zugesagt, und nicht nur die Summe, die das Unternehmen jedes Jahr in die Altersvorsorge einzahlt.

          Untersucht wurden 176 Einrichtungen der betrieblichen Altersvorsorge aus 19 Ländern, die gemessen an den Vermögenswerten für mehr als die Hälfte des Geschäfts stehen. Auch die Einrichtungen aus den großen Staaten Deutschland, Frankreich und Italien nahmen teil. Großbritannien habe mit Blick auf den bevorstehenden Brexit auf eine Teilnahme verzichtet, sagte Eiopa-Chef Gabriel Bernardino.

          Eiopa verlangt bessere Daten

          In dem Stresstest simulierte die Eiopa den Fall, dass die Zinsen für kurzlaufende Anleihen plötzlich in die Höhe schnellen und die Risikoaufschläge für solche Papiere steigen. Dadurch würde der Wert der niedriger verzinsten Anleihen in den Beständen der Pensionskassen fallen.

          Jetzt will die Behörde die Anlagestrategie der Betriebsrenten-Einrichtungen im Negativzins-Umfeld genauer untersuchen. Ab dem kommenden Jahr müssten die Unternehmen dafür deutlich bessere Daten liefern. Den nächsten Stresstest dieser Art plant die Eiopa aber erst für das Jahr 2022.

          Auch ohne zusätzlichen Stress an den Märkten fehlten den Pensionskassen und -fonds Ende 2018 insgesamt 41 Milliarden Euro, um die Betriebsrenten-Zusagen erfüllen zu können, erklärte die Behörde. Das entspreche vier Prozent ihrer Verpflichtungen. Die Träger der betrieblichen Altersvorsorge investieren - wie Lebensversicherer - vor allem in langfristige festverzinsliche und sichere Wertpapiere. Doch diese werfen kaum noch Erträge ab. Eiopa-Chef Gabriel Bernardino sagte in Frankfurt, eine der wichtigsten Schlussfolgerungen aus dem Stresstest sei, dass die Pensionsfonds ihre Kapitalanlagen mehr diversifizieren müssten, um zu große geografische oder Branchenrisiken zu vermeiden.

          Besonders problematisch ist die Lage für Einrichtungen, die den Renten-Empfängern feste Leistungszusagen gemacht haben und nicht nur die Einzahlungen der Arbeitgeber garantieren. In Deutschland waren bis 2017 nur Leistungszusagen erlaubt. Von den 176 Stresstest-Teilnehmern kam rund ein Zehntel aus Deutschland, von der Allianz Pensionskasse über den Pensionsfonds von IBM Deutschland bis zur Zusatzversorgungskasse des Baugewerbes. Der nächste Betriebsrenten-Stresstest der EIOPA ist in drei Jahren geplant.

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