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Einzelhandel : Wall Street rechnet mit Konsolidierung im Einzelhandel

  • Aktualisiert am

Die Fusion zwischen Sears und Kmart sorgt an der Börse für Kursphantasien. Analysten rechnen mit weiteren Zusammenschlüssen. Die Wal-Mart-Aktie bleibt jedoch weiter unter Druck.

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          Börsianer an der Wall Street setzen nach der jüngst angekündigten Übernahme der Warenhauskette Sears, Roebuck & Co. durch die SB-Warenhauskette Kmart Holding auf eine anhaltende Konsolidierung der Einzelhandelsbranche. Die Kurse zahlreicher Einzelhändler stiegen nach der Fusionsankündigung an, weil Anleger mit weiteren Übernahmen rechnen.

          Zum Auftakt der wichtigen Weihnachtssaison hat die Branche damit wichtige neue Impulse erhalten. Anleger hoffen aufgrund des starken Weihnachtsgeschäfts auf weitere Kursgewinne bei Einzelhändlern. Am Montag wurden diese Erwartungen aber zumeist enttäuscht, nachdem die Kurse in der vergangenen Woche gestiegen waren. Der Aktienkurs von Wal-Mart ging im frühen Handel aufgrund einer abgeschwächten Umsatzpognose um über 3 Prozent zurück. Das zog den gesamten Markt nach unten.

          Hoffnung auf die restliche Saison

          Die Weihnachtssaison begann am Freitag der vergangenen Woche, dem Tag nach dem Erntedankfest, und erste Prognosen signalisieren trotz der hohen Benzinpreise ein robustes Geschäft. Der Informationsdienst ShopperTrak schätzt, daß die Einzelhandelsumsätze am Freitag im Vergleich zum Vorjahr um 10,8 Prozent auf 8 Milliarden Dollar gestiegen sind.

          Das macht der Branche Hoffnung auf die restliche Saison. "Wie in jedem Wettrennen gilt, daß ein starker erster Abschnitt die Chance auf ein Rekordergebnis mit sich bringt", sagte ShopperTrak-Marketingchef Bill Martin. Der amerikanische Einzelhandelsverband rechnet damit, daß die Umsätze in der Weihnachtssaison in diesem Jahr um 4,5 Prozent steigen werden. Vor einem Jahr waren die Umsätze um 5,1 Prozent gewachsen.

          Preise nicht so stark reduziert

          Getrübt wurde das Bild allerdings vom weltgrößten Einzelhändler Wal-Mart. Die SB-Warenhauskette rechnet für November nur mit einer enttäuschenden Steigerung seiner vergleichbaren Umsätze von 0,7 Prozent . Zuvor hatte der Konzern bis zu 4 Prozent Umsatzwachstum in Aussicht gestellt. Auch die Warenhausketten Sears und J. C. Penney blieben trotz starken Kundenverkehrs bei zurückhaltenden Prognosen.

          Sorgen macht der Branche, daß die stark gestiegenen Benzin- und Heizölpreise die Konsumfreude der Verbraucher dämpfen könnten. Das gilt besonders für Ketten wie Wal-Mart, die sich eher an einkommensschwächere Käuferschichten richten. Wal-Mart hatte zum Saisonstart die Preise bei bestimmten Produkten nicht so stark reduziert wie früher, um die Gewinnmargen zu halten, sagen Analysten.

          Die Übernahmekandidaten

          Die Fusionsankündigung von Sears und Kmart hatte vor allem die Kurse von Warenhausketten wie Sak's, May Department Stores und Dillard's beflügelt. Auch J. C. Penney wurde als Übernahmekandidat genannt. Als möglicher Käufer gilt der Konzern Federated Department Stores, der die Ketten Macy's und Bloomingdale's betreibt.

          Die Warenhäuser galten seit langem als Übernahmekandidaten, weil sie nur langsam wachsen und unter hohen Kosten leiden. Sie werden zudem von zwei Arten Wettbewerbern attackiert. Auf der einen Seite greifen Discount-Ketten wie Wal-Mart Stores oder Target an. Auf der anderen Seite geraten sie durch Spezialanbieter wie die Oberbekleidungskette American Eagle Outfitters unter Druck. Eine Konsolidierung erweitert den Immobilienbesitz von Einzelhändlern und macht sie damit flexibler. Zudem könnten sie durch Skaleneffekte beim Einkauf oder bei der Werbung sparen. Das gleiche gilt für Zusammenlegung von Computerprogrammen oder Logistik. Größere Anbieter können zudem von ihren Zulieferern niedrigere Preise verlangen.

          Nach der ersten Euphorie

          Bisher hatte die Konsolidierung aber auf sich warten lassen, weil Einzelhändler befürchteten, daß der Aktienmarkt kühl reagieren würde. Die positive Reaktion auf den Zusammenschluß von Kmart und Sears könnte für ein Umdenken sorgen. Nach Ansicht von Peter Solomon, dem Verwaltungsratsvorsitzenden der auf Einzelhandel spezialisierten Investmentbank Peter J. Solomon Co., ist der Knoten dadurch geplatzt. "Diese Konsolidierung wird anhalten, weil es zu viele Läden im amerikanischen Einzelhandel gibt", sagte Solomon.

          Nach Angaben des Einzelhandelsverbandes ist die Zahl der Filialen, die von den 100 umsatzstärksten Einzelhändlern betrieben werden, seit 1996 um 56 Prozent auf 147.813 gestiegen. Der Kurs von Kmart hat sich nach der ersten Euphorie zwischenzeitlich allerdings etwas ermäßigt. Offenbar hegten manche Börsianer noch Zweifel daran, ob die Fusion zweier Unternehmen, die in der Branche bisher als Bummler galten, erfolgreich umgesetzt werden kann. Die Kmart-Aktie liegt derzeit bei gut 105 Euro, nach dem Rekordhoch von 109 Euro am 17. November. Zu Jahresbeginn lag das Papier noch bei 23 Dollar. Auch die Sears-Aktie liegt mit gut 53 Dollar noch nahe an ihrem zyklischen Hoch. Ende Oktober hat die Aktie nur knapp 32 Dollar gekostet.

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