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Betrug im Edelmetall-Handel : Gefälschtes Gold

Nicht nur in Kanada: Internetseiten für Goldanleger berichten von einem „erhöhten Aufkommen an gefälschten Edelmetallprodukten“. Bild: Reuters

Eine Goldbarren-Attrappe sorgt in Kanada für Aufsehen. Dabei handelt es sich um keinen Einzelfall: Auch in Deutschland gibt es gefälschte Edelmetallprodukte.

          Mehrere Fälle von gefälschten Goldbarren haben zuletzt unter Goldanlegern für Aufmerksamkeit gesorgt. In Kanada hat ein Juwelier in Ottawa an einem Schalter der Royal Bank of Canada (RBC), immerhin der größten Bank des Landes, für 1680 Dollar einen Eine-Unze-Barren mit dem Stempel der offiziellen Prägeanstalt Royal Canadian Mint erworben. Der Barren war in Folie eingeschweißt, so dass der Schwindel nicht sofort aufflog. Als der Goldschmied das Material aber walzen und zu Schmuck verarbeiten wollte, bemerkte er, dass es für Gold zu hart war. Ein sogenannter Säuretest ergab, dass es sich um eine Goldbarren-Attrappe handelte.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In kanadischen Medien wurde daraufhin die Befürchtung geäußert, es könnte sich um keinen Einzelfall handeln. „Ein Geldfälscher stellt nicht nur eine falsche 50-Dollar-Note her, die machen eine Menge davon“, wird der Finanzprofessor William Rentz zitiert. Die kanadische Münze sah sich daraufhin genötigt, ihre Produkte öffentlich zu verteidigen. Der fragliche Barren sei von der Münze „weder hergestellt noch transportiert oder verkauft“ worden – zudem seien Fälschungen ihrer Produkte „extrem selten“.

          27 Goldbarren für 18500 Euro

          Gleichwohl berichten Internetseiten für Goldanleger, es gebe im Augenblick generell ein „erhöhtes Aufkommen an gefälschten Edelmetallprodukten“. Goldhändler Tobias Scherer vom Handelsunternehmen Auragentum spricht von zuletzt bis zu vier Fällen im Monat in seinen Filialen in Erding und München, in denen ihnen gefälschtes Edelmetall angeboten worden sei. Konkurrent Pro Aurum entdeckt laut Gründer Robert Hartmann ein bis zwei gefälschte Münzen im Monat und etwa alle zwei Monate „eine gut gemachte Fälschung mit Wolframkern“.

          Die Internetseite Auro-Test berichtet unterdessen, seit Mai seien auch in Deutschland gefälschte Krügerrand-Münzen zu einer Unze in sogenannten Sicherheitsverpackungen der NGC („Numismatic Guaranty Corporation“) aufgetaucht. Einen etwas merkwürdigen Fall gab es in Westfalen. Dort glaubte ein Bielefelder wohl, ein Schnäppchen zu machen, als er laut Polizei von zwei Männern stolze 27 Goldbarren für 18500 Euro kaufte. Ein Barren, den er getestet hatte, war wohl auch echt – die anderen nicht. Aber als er das feststellte, waren die Verkäufer weg.

          In Amerika fand derweil im Sommer ein Strafverfahren statt, das etwas Licht in die Verbreitungswege von Falschgold warf. Im Bundesstaat Oregon wurden zwei Jugendliche verurteilt, die auf einer chinesischen Handelsplattform ganz offiziell Imitate von Goldbarren aus Messing mit einer dünnen Goldschicht kauften. Diese verkauften sie dann über eine amerikanische Kleinanzeigen-Plattform als echt weiter – für viel Geld.

          Auch ein besonders großer Fall von Anlagebetrug mit Gold hierzulande beschäftigt weiter die Juristen, auch wenn mehrere Beschuldigte im Sommer zu Haftstrafen verurteilt worden waren. Mehr als 6000 Anleger hatten zwischen 2011 und 2015 einen zweistelligen Millionenbetrag bei der Berliner Wirtschafts- und Finanzstiftung (BWF) und ihrem Trägerverein Bund Deutscher Treuhandstiftungen investiert. Deren Goldbarren stellten sich bei einer Razzia und einer Untersuchung in den Räumen der Bundesbank gleichfalls zu großen Teilen als Attrappen heraus. Weil die Anlagegesellschaft Insolvenz anmeldete und dort wohl nicht genug zu holen war, klagten einige Anleger gegen die Vermittler, die ihnen dieses Anlageprodukt angedreht hatten – zum Teil mit Erfolg.

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