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LSE und Euronext : Desaster für den Börsenchef

  • -Aktualisiert am

Suche nach Übernahmegelegenheiten: Theodor Weimer, Chef der Deutschen Börse Bild: EPA

Die Pariser Konkurrentin hat dank eines Schachzugs die beste Position für den Kauf der begehrten Mailänder Börse. Die große Konsolidierung in der Branche könnte ohne die Deutsche Börse stattfinden – wieder einmal.

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          Dieses Mal ging es schnell. Das Scheitern einer großen Übernahme durch die Deutsche Börse. Vergangene Woche hat die Börse öffentlich dargelegt, warum sie der ideale Partner für die Borsa Italiana wäre. In den vergangenen Tagen hat sie es noch einmal bekräftigt. Doch zwischen Ankündigung und Absage lag keine Woche.

          Die Londoner Börse will ihre italienische Tochtergesellschaft lieber an die Pariser Euronext verkaufen. Die war so clever, sich eine italienische Staatsbank mit ins Boot zu holen und somit die Stimmung in Italien auf ihre Seite zu ziehen.

          Noch ist nichts entschieden, aber die Aussage könnte klarer kaum sein: Wir reden erstmal nur mit den Franzosen, nicht mit den Deutschen. Für Theodor Weimer und die Deutsche Börse ist das ein Desaster. Schon die Übernahme der spanischen Börse hat nicht geklappt. Die ging an die Schweizer SIX.

          Das hätte nicht passieren dürfen

          Wie so oft bleibt die Deutsche Börse allein zurück mit ihrem immer voller werdenden Festgeldkonto. Ihr geht es nicht schlecht. Aber eine Borsa Italiana mit der attraktiven Staatsanleiheplattform MTS hätte gut gepasst. Kassamärkte, an denen Aktien und Anleihen gehandelt werden, sind die Grundlage für Derivategeschäfte, mit denen die Deutsche Börse viel Geld verdient. Aber diese Grundlage der Deutschen Börse bleibt nun schmal.

          Die europäische Börsenkonsolidierung findet ohne sie statt. Das ist kein gutes Zeichen und hätte nicht passieren dürfen. Offenbar verstehen es andere Börsen weiterhin viel besser, den Boden zu bereiten für die nicht einfachen Zusammenschlüsse nationaler Ikonen, was Börsen oft sind. Der Lernprozess der Deutschen Börse dauert hier zu lange und macht offenbar keine Fortschritte.

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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