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Sorge um Wohneigentum : Santander wegen Angst vor Automatenknackern vor Gericht

Das Oberlandesgericht Düsseldorf beschäftigt sich mit diesem Geldautomaten, gegen den die Miteigentümer eines Hauses in Ratingen vorgehen. Bild: dpa

Die Eigentümer eines Mehrfamilienhauses in Ratingen treibt die Sorge um, dass der Geldautomat der spanischen Großbank im Erdgeschoss gesprengt werden könnte. Die Justiz steht auf der Seite von Santander.

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          In weiten Teilen von Westdeutschland sorgen „Plofkraaker“ für Unruhe. Kein Wunder, denn die Knallknacker, so die Übersetzung aus dem Niederländischen, schlagen bevorzugt in den Nacht- oder in frühen Morgenstunden zu. Sie sprengen Geldautomaten an Bankfilialen auf und sind mit stark motorisierten Fahrzeugen in nur wenigen Minuten mit der Beute über alle Berge.

          Marcus Jung
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Polizeibeamte sprechen von Fällen der organisierten Kriminalität. Hinter den Diebstählen stehen Banden aus niederländischen Großstädten wie Arnheim oder Utrecht. Manches Bankinstitut hat kapituliert und Filialen geschlossen.

          Schema häufiger Überfälle

          Die Eigentümer eines Mehrfamilienhauses in Ratingen treibt die Sorge um, dass der Geldautomat der Filiale der spanischen Großbank Santander im Erdgeschoss ihres Hauses gesprengt werden könnte; von dem Standort an einer Durchfahrtsstraße sind zwei Autobahnen innerhalb nur weniger Minuten zu erreichen. Seit zwei Jahren verlangen sie von ihrer Mieterin, den Geldautomaten zu entfernen.

          Doch Santander weigerte sich, schließlich entspricht das Angebot eines Geldautomaten dem Geschäftszweck einer Bank. Damit lag auch kein Pflichtenverstoß gegen den Mietvertrag vor. So sah es jedenfalls das Landgericht Düsseldorf, das die Klage im November 2020 abgewiesen hatte.

          Nur abstrakte Gefahr

          Am Montag trafen die Eigentümer und Santander in der Berufung vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf abermals aufeinander. Doch die Erfolgsaussichten für die Kläger bleiben getrübt. Der Senat tendiere in seiner vorläufigen Auffassung dazu, das frühere Urteil des Landgerichts zu bestätigten, sagt eine Justizsprecherin auf Nachfrage der F.A.Z. Die Gefahr einer Sprengung sei zu abstrakt und gering, hieß es in der Verhandlung. Bei 70.000 Geldautomaten bundesweit liege die Zahl der Sprengungen bei 350, so die Richter.

          Zudem hatten sich die Eigentümer schon in den 1970er-Jahren per Teilungsanordnung auf eine gewerbliche Nutzung geeinigt. Um Santander den Geldautomaten zu verbieten, müssten alle Eigentümer einer Abänderung zustimmen. Seine Entscheidung zum „Plofkraaker“-Streit von Ratingen will der Senat am 21. März verkünden.

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