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Kryptowährung : Der Trick mit den Bitcoin-Münzen aus Silber

Bitcoin erleben einen Hype. Bild: EPA

Eigentlich handelt es sich um eine digitale Währung, doch lässt ein deutscher Edelmetallhändler nun Bitcoin-Münzen aus Silber prägen. Sie haben den Status eines Zahlungsmittels – jedenfalls auf einer Südseeinsel.

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          Der Boom von Kryptowährungen, der zuletzt vom Investment des Elektroauto-Herstellers Tesla in Bitcoin verschärft wurde, treibt offenbar seltsame Blüten. Das Online-Edelmetallhandelshaus Coininvest teilte jetzt jedenfalls mit, Bitcoin-Münzen aus Silber prägen zu lassen, die den Status eines echten Zahlungsmittels haben sollen.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Mit unserer limitierten Auflage definieren wir die klassische Silbermünze neu und schaffen eine einzigartige Verbindung, die für Edelmetallinvestoren ebenso wie für Investoren der Kryptowährung hoch attraktiv ist“, schwärmt Daniel Marburger, der Geschäftsführer der Edelmetall-Onlineplattform Coininvest mit Sitz in Frankfurt.

          Das klingt zunächst reichlich ungewöhnlich. Was steckt dahinter? Wie können Bitcoin, die von den hiesigen Regulierungsbehörden mit sehr kritischen Augen betrachtet werden, auf einmal echtes Zahlungsmittel sein? Und wieso kann eine Online-Plattform befugt sein, Zahlungsmittel zu prägen, also gleichsam das Münzregal inne zu haben, wie man es vor allem in früheren Zeiten mit Edelmetall-Währungen gern zu formulieren pflegte?

          Großes „B“ und zwei Striche durch: die neue Bitcoin-Silbermünzen
          Großes „B“ und zwei Striche durch: die neue Bitcoin-Silbermünzen : Bild: Coininvest

          Eine Nachfrage bei dem Unternehmen ergibt: Die Münzen sind keineswegs offizielles Zahlungsmittel der Bundesrepublik Deutschland, obwohl das Unternehmen hierzulande seinen Sitz hat. Das ganze ist vielmehr eine Art kleiner Trick. Das Unternehmen nutzt dabei eine Regelung des Inselstaates Niue. Niue, auch bekannt unter dem Namen „The Rock“, ist ein Koralleninsel-Staat im Südpazifik, 2400 Kilometer nordöstlich von Neuseeland. Das Land liegt südlich von Samoa und westlich der Cookinseln. Seit 1974 ist Niue durch einen Assoziierungsvertrag mit Neuseeland verbunden.

          Die Bitcoin-Münzen nun haben einen Nennwert von zwei Dollar als Zahlungsmittel in Niue, dieser ist auf der Münz-Rückseite mit dem Konterfei der britischen Königin Elisabeth II. in Worten angegeben. „In Niue ist die Münze offizielles Zahlungsmittel“, sagt Marburger: „Wir fanden die Verbindung von Kryptowährung, Silber und legalem Zahlungsmittel spannend, daher habe ich dieses Projekt ins Leben gerufen.“

          Zwei Dollar des Inselstaates Niue: die Rückseite der Bitcoin-Münze
          Zwei Dollar des Inselstaates Niue: die Rückseite der Bitcoin-Münze : Bild: Coininvest

          Für Anleger in Silbermünzen soll die etwas verrückte Konstruktion ganz praktische Vorteile haben. „Der Status des legalen Zahlungsmittels macht diese Münze auch wirklich zur Münze – ohne Nennwert wäre es lediglich eine Medaille“, sagt Marburger. Münzen aus Nicht-EU Ländern wiederum könnten mit 7 Prozent Einfuhrumsatzsteuer importiert und anschließend differenzbesteuert verkauft werden. „Die Bitcoin-Münze wird außerhalb Europas produziert, deshalb wird die Differenzbesteuerung angewendet und nicht einfach die deutsche Mehrwertsteuer“, sagt Marburger. „Die Differenzbesteuerung ist definitiv günstiger, da ansonsten 19 Prozent Steuer fällig würden.“

          Mit dem Inselstaat Niue hat Coininvest zu diesem Zwecke extra einen Vertrag abgeschlossen. Es dürfe nicht jeder einfach Münzen von Niue prägen, wie er will, sagt Marburger. Für jede verkaufte Münze werde ein gewisser Prozentsatz oder ein Aufgeld an den Herausgeber des Zahlungsmittels abgetreten, in dem Fall an Niue, das sei vertraglich geregelt: eine sogenannte Royalty Fee oder Lizenzgebühr. Die Münzen gingen durch ein Prüfverfahren der Regierung, bevor ein Motiv akzeptiert werde, sagt Marburger: „Dieses Prüfverfahren ist aber in Kanada oder Australien sicherlich etwas strenger als auf Niue.“

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