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Nach Bill Gross : Droht der Allianz-Tochter Pimco nun Kapitalflucht?

  • Aktualisiert am

Die amerikanische Fondsgesellschaft Pimco gehört zum deutschen Versicherer Allianz. Bild: dpa

Schnell hat die Fondsgesellschaft Pimco einen Nachfolger für ihre berühmtesten Portfolio-Manager präsentiert. Dennoch halten Experten für möglich, dass weitere Milliarden abfließen.

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          Die Allianz steht nach dem offiziell überraschenden Abgang von „Bond-König“ Bill Gross unter Druck. Experten erwarten, dass Anleger nun weiteres Geld aus den Fonds ihrer amerikanischen Tochtergesellschaft Pimco abziehen werden. „Das wird den Mittelabfluss bei Pimco höchstwahrscheinlich beschleunigen“, urteilte David Schawel, Portfoliomanager von Square 1 Financial. Viele Milliarden Dollar, wenn nicht sogar Hunderte Milliarden Dollar, könnten nach Einschätzung des einflussreichen Fonds-Analysehauses Morningstar wegen der Personalie abgezogen werden. Pimco hat unterdessen schnell einen Nachfolger für die überraschend zurückgetretene Rentenfonds-Manager gefunden. Insidern zufolge kam Gross mit seinem Abgang einem Rauswurf zuvor.

          Neuer Investmentchef von Pimco wird Dan Ivascyn, wie der Vermögensverwalter am Freitagabend mitteilte. Ivascyn war einer von sechs stellvertretenden Anlagechefs, die Pimco dem 70 Jahre alten Gross Anfang des Jahres zur Seite gestellt hatte. Die anderen Stellvertreter wurden ebenfalls befördert. Um den Vorzeigefonds Total Return, den Gross über Jahrzehnte zum weltgrößten Anleihen-Fonds aufgebaut hat, werden sich künftig Mark Kiesel, Scott Mather und Mihir Worah kümmern, allesamt bislang Stellvertreter von Gross. Sie sollen verhindern, dass dort weiteres Geld abfließt.

          Allianz-Chef Michael Diekmann versuchte, die Wogen zu glätten: „Die im Januar eingeführte Management- und Investmentstruktur sowie die sorgfältige Nachfolgeplanung geben uns volles Vertrauen in Pimcos Investment- und Unternehmensleitung.“

          Unmut über Gross

          Seit Mai 2013 haben Anleger bereits 70 Milliarden Dollar aus dem Total Return abgezogen. Der Fonds hatte einst ein Volumen von knapp 293 Milliarden Dollar. Pimco-Chef Douglas Hodge erklärte, das Unternehmen sei dankbar für alles, was Gross für die Firma und ihre Kunden geleistet habe. „Im Verlauf dieses Jahres wurde allerdings immer deutlicher, dass die Führungsspitze des Unternehmens und Bill fundamental unterschiedliche Ansichten darüber haben, wie es mit Pimco weitergehen soll.“

          Insidern zufolge sollen alleine fünf führende Portfolio-Manager in den letzten Tagen mit ihrem Weggang gedroht haben, wenn Gross bleibe. Auch das Zerwürfnis zwischen Gross und seinem langjährigen Kompagnon Mohamed El-Erian, das Anfang des Jahres über die Medien ausgetragen wurde, sorgte für Unmut.

          Auch Gross selbst soll immer wieder damit gedroht haben, das Haus zu verlassen und habe das Management wissen lassen, dass er sich nach einer anderen Rolle umschaue. Dabei hat er auch mit einem Wechsel zum Pimco-Konkurrenten DoubleLine Capital geliebäugelt, wie dessen Vorstandschef Jeffrey Gundlach sagte. Als Gross zuletzt wieder mit seinem Abgang gedroht habe, habe das Führungsgremium entschieden, dass es Zeit sei, dass er das Haus tatsächlich verlasse, sagte ein Insider. Die Firma habe bereits mit Ivascyn einen von der Allianz abgesegneten Nachfolgeplan in der Tasche gehabt, der schon am Samstag präsentiert hätte werden können. Dem kam Gross mit seinem Abgang aber zuvor.

          Der Milliardär Gross wechselt zum amerikanischen Vermögensverwalter Janus Capital, der von seinem ehemaligen langjährigem Pimco-Kollegen Richard Weil geleitet wird. Hier soll er sich bereits ab diesem Montag um einen Anleihenfonds kümmern, der erst im Mai startete und lediglich 13 Millionen Dollar schwer ist. Das könnte sich aus Analystensicht mit Gross aber schnell ändern.

          Gleichwohl haben Experten Zweifel, ob es eine Wiedergeburt für Gross geben wird, wenn der Wechsel zu Janus nicht gut läuft. „Ich weiß nicht, ob es einen dritten Akt für ihn gibt“, sagte Jeff Tjornehoj, Analyst des zu Thomson Reuters gehörenden Analysehauses Lipper.

          Bill Gross hatte Pimco in den vergangenen 43 Jahren stark gemacht. Sein Abgang sorgte auch an der Frankfurter Börse für Entsetzen. Er kostete die Allianz am Freitag rund vier Milliarden Euro an Marktkapitalisierung - der Aktienkurs sank um 6 Prozent. „Bisher sind Pimco und Bill Gross Synonyme“, urteilte Todd Rosenbluth vom Analysehaus S&P Capital IQ. „Investoren werden eine Weile brauchen, bis sie verstehen, dass er keine Rolle mehr spielt.“ Jahrelang lieferten Gross und seine Kollegen verlässlich Gewinne ab und wurden deshalb von der Allianz an der langen Leine gelassen. Doch zuletzt verließ den obersten Anlagechef von Pimco das Glück. Vor dem Hintergrund der Finanzkrise und dauerhafter Niedrigzinsen gingen viele Wetten nicht mehr auf, und Gross’ Vorzeigefonds Total Return warf für die Anleger nicht mehr die erhofften Gewinne ab.

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