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Finanzkonferenz in Frankfurt : Draghi und Sewing fordern mehr Bankenunion

BNP-Paribas-Chef Jean Lemierre, Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing, EZB-Präsident Mario Draghi und Bürgermeister Uwe Becker (v.l.). Bild: Wolfgang Eilmes

Der Deutsche-Bank-Vorstandsvorsitzende ist beunruhigt über den Stillstand in Europa. Und verlangt Fortschritt auch in einem sehr umstrittenen Thema.

          Für mehr einheitliche Regeln für Banken und Kapitalmärkte in Europa haben sich der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, sowie der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Christian Sewing, ausgesprochen. Auf einem Bankenkongress in Frankfurt sagte Draghi an diesem Freitag: „Die Vollendung der Bankenunion in all ihren Dimensionen, einschließlich der Risikominderung, und der Beginn der Kapitalmarktunion durch die Umsetzung aller laufenden Initiativen bis 2019 sind jetzt so dringend wie die ersten Schritte im Krisenmanagement des Euro-Währungsgebiets vor sieben Jahren.“

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Sewing kritisierte auf der Veranstaltung den Stillstand in Europa. Er warnte vor dem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Vereinigten Staaten und Asien. Diesen Stillstand und den fehlenden politischen Willen, wichtige Projekte wie die Kapitalmarkt- oder die Bankenunion voranzutreiben, könne sich Europa nicht leisten. Für ihn gehört zur Bankenunion auch eine gemeinsame europäische Einlagensicherung.

          Gegen die wehrt sich aber die deutsche Regierung, da zuerst die Risiken aus Staatsanleihen und faulen Krediten in den Bilanzen italienischer Banken reduziert werden müssten. Mit Blick auf die geringen Börsenwerte europäischer Banken im Vergleich zu amerikanischen oder asiatischen Instituten hält es Sewing für möglich, den Abstand noch zu verringern.

          „Die Konsolidierung wird kommen“

          Er und der Commerzbank-Vorstandsvorsitzende Martin Zielke fordern eine Harmonisierung der Regulierung. Sewing wertet die in den Ländern Europas unterschiedlichen Regeln als Wettbewerbsnachteil gegenüber amerikanischen Banken. Zielke betrachtet große Technologieunternehmen wie Facebook oder Google als Konkurrenz und hält diese gegenüber Banken für deutlich laxer reguliert.

          Die beiden Vorstandschefs gingen zwar nicht auf die Gerüchte über ein Zusammengehen ihrer beiden Häuser ein, jedoch gibt es ihrer Ansicht am deutschen und europäischen Markt zu viele Banken. „Die Konsolidierung wird kommen“, sagte Sewing.

          Ohne Italien beim Namen zu nennen, kritisierte Draghi hochverschuldete Euroländer für die weiter hohen Staatsschulden und die ausgebliebenen Sparmaßnahmen. Um ihre Bürger und Unternehmen vor steigenden Zinsen zu schützen, dürften diese Länder ihre Verschuldung nicht weiter ausweiten und müssten die Regeln der Währungsunion achten. Aufgrund des Konfrontationskurses der seit Juni amtierenden Regierung aus rechter Lega und populistischer Fünf-Sterne-Bewegung sind die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen deutlich gestiegen. Diese Entwicklung könne über restriktivere Kreditkonditionen der Banken die Realwirtschaft belasten, warnte Draghi.

          Trotz der jüngsten Wachstumsdelle ist er zuversichtlich: „Es gibt sicher keinen Grund, warum die Expansion im Euroraum abrupt enden sollte.“ Da die Erholung schon lange anhalte, sei eine graduelle Abschwächung normal. Die Wirtschaft wachse schon seit fünf Jahren. „Und wir erwarten, dass die Expansion in den kommenden Jahren anhält.“

          Der EZB-Präsident bekräftigte, dass die in Deutschland umstrittenen Anleihekäufe voraussichtlich zum Jahresende eingestellt werden. Gleichzeitig behält er sich vor, auf Änderungen im wirtschaftlichen Umfeld jederzeit reagieren zu können, was sich auf die Zinserwartungen auswirken könne. Draghi ließ offen, ob in einem solchen Szenario die Anleihekäufe wieder aufgenommen oder eine Leitzinserhöhung noch länger aufgeschoben werde. Er betonte noch einmal, dass die Zinsen im Euroraum nicht vor dem Sommer 2019 erhöht werden.

          Der Verwaltungsratsvorsitzende der französischen Großbank BNP Paribas, Jean Lemierre, hält es für falsch, die Fortschritte in Europa schlecht zu reden. Die Banken hätten Notfallfonds aufgebaut und ihr Eigenkapital deutlich erhöht. Stärker als die Konsolidierung treibt ihn die Frage um, wie Banken die Wirtschaft finanzieren können. Das sei mit Bilanzabbau nicht möglich. Kapitalmarkt- und Bankenunion müssten viel stärker aufeinander abgestimmt werden, sagte Lemierre.

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