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Dow Jones : Drastischer Jobabbau sorgt für Minus an der Börse

  • Aktualisiert am

Warteschlange vor einem Jobcenter in Amerika Bild: dpa

Frische Zahlen über den Stellenabbau in der größten Volkswirtschaft sorgen für Verluste am amerikanischen Aktienmarkt. Schlimmeres steht nach Einschätzung von Fachleuten aber erst noch bevor.

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          Die Anleger an den amerikanischen Börsen haben schockierende Nachrichten vom Arbeitsmarkt am Freitag nur zu Beginn gut weggesteckt. Wie schon am Vortag wurden weiter steigende Ölaktien erst als Gegengewicht für den Dow Jones Industrial angesehen, der es sogar kurz ins Plus schaffte.

          Als dieses Gegengewicht jedoch nachließ, rutschte der Leitindex zusehends ins Minus. Zuletzt verlor er 1,02 Prozent auf 21.194 Punkte. Auf Wochensicht zeichnet sich damit ein Verlust von etwa 2 Prozent ab.

          Der drastische Stellenabbau in den Vereinigten Staaten hat Europas Anleger weniger stark aus dem Tritt gebracht. Dax und Euro-Stoxx-50 notierten am Freitag mit 9580 und 2679 Punkten in etwa auf dem Niveau unmittelbar vor Bekanntgabe der Zahlen. Die amerikanischen Futures deuteten auf eine etwas schwächere Eröffnung an der Wall Street hin, während am Devisenmarkt der Euro wie bereits zuvor um die 1,07 Dollar notierte. Am Ölmarkt trieben Spekulationen auf Opec-Förderkürzungen die Preise kräftig in die Höhe.

          Nach dem Ausbruch der Coronavirus-Krise sind in Amerika um ein Vielfaches mehr Jobs gestrichen worden als erwartet. Im vorigen Monat wurden 701.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft abgebaut. Von Reuters befragte Ökonomen hatten für März lediglich mit 100.000 gerechnet.

          Millionen Menschen verlieren den Job

          In den vergangenen beiden Wochen meldeten sich in den Staaten zehn Millionen Menschen arbeitslos – so viele wie nie zuvor. Für die Börsen könnten die schockierenden Zahlen aber auch Glück im Unglück sein, sagte Timo Emden, Marktanalyst beim gleichnamigen Analysehaus. „Je gravierender die Weltwirtschaft unter den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie zu leiden hat, desto größer die Hoffnung auf weitere Notenbanker-Schützenhilfe.“

          Zwar sind in den Daten zum amerikanischen Arbeitsmarkt im März die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie noch nicht vollständig erkennbar, die Arbeitslosenquote stieg aber dennoch auf 4,4 von zuvor 3,8 Prozent an. „Der Arbeitsplatzabbau sieht noch harmlos aus im Vergleich zu dem, was noch vor uns liegt“, sagte VP-Bank-Ökonom Thomas Gitzel.

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          Die Analysten der amerikanischen Bank Morgan Stanley halten einen Einbruch der Wirtschaftsleistung in Amerika um 38 Prozent im zweiten Quartal für möglich – das ist so viel wie seit dem Nachkriegsjahr 1946 nicht mehr. Auch in Europa bricht die Wirtschaft ein, die Einkaufsmanagerindizes kollabierten. „Unsere Daten deuten auf einen Einbruch der Euro-Wirtschaftsleistung von annähernd zehn Prozent hin“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. „Schlimmeres scheint in naher Zukunft unausweichlich.“

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          Der Ölmarkt erhält trotz der Krise starken Auftrieb, weil Investoren auf eine bevorstehende Einigung der großen Förderländer (OPEC+) und auf weitere Produktionskürzungen spekulierten. Der Preis für ein Barrel Nordseeöl der Sorte Brent legte mehr als fünfzehn Prozent zu auf 34,65 Dollar. Im Gespräch ist Insidern zufolge eine Drosselung um zehn Millionen Barrel (Fass zu je 159 Liter) pro Tag.

          Bei einer noch stärkeren Kürzung müssten aber auch Staaten außerhalb der Allianz ihren Beitrag leisten. Amerikas Präsident Donald Trump sagte am Donnerstag, die beiden im Clinch liegenden Exporteure Saudi-Arabien und Russland hätten sich auf eine Kürzung um zehn bis 15 Millionen Barrel pro Tag geeinigt. Damit löste er einen Rekord-Kurssprung beim Öl aus. Derzeit pumpt allein Saudi-Arabien täglich die Rekordmenge von zwölf Millionen Barrel aus dem Boden. Durch die Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie ist der weltweite Rohöl-Bedarf binnen weniger Wochen um etwa ein Drittel oder 30 Millionen Barrel pro Tag zurückgegangen.

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          Unser Autor: Martin Benninghoff

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