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Donald Trumps „Truth Social“ : Aktien für Anhänger

Mit „Truth Social“ sollen Nutzer der Wahrheit folgen können - zumindest nach der Wahrnehmung des Donald Trump. Bild: AFP

Eine Aktienemission soll Donald Trumps künftiger Twitter-Alternative bis zu einer Milliarde Dollar einbringen. Das lässt den Kurs der Börsenhülle steigen. Nur um Geld geht es hier nicht.

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          Die neue Internet-Plattform des ehemaligen amerikanischen Präsidenten Donald Trump will Insidern zufolge durch den Verkauf von Aktien bis zu einer Milliarde Dollar zusätzlich einsammeln. Trump hatte im Oktober angekündigt, sich mit einer eigenen Online-Plattform wieder mehr Gehör in den sozialen Medien zu verschaffen und den Branchenriesen Twitter und Facebook Konkurrenz machen zu wollen, nachdem diese ihn in der Nutzung aufgrund seines laxen Umgangs mit Tatsachen beschränkt hatten. „Truth Social“, wie die konservative Plattform heißt, soll im ersten Quartal 2022 an den Start gehen.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Trump Media & Technology Group als Träger von „Truth Social“  dürfte schon 293 Millionen Dollar erhalten, wenn sie wie geplant über die Unternehmenshülle (SPAC) Digital World Acquisition (DWAC) an die Börse geht. Doch es geht bei diesem Börsengang nun einmal nicht nur um Geld. Durch die weiteren Aktienverkäufe soll nicht nur dem Interesse von Händlern, sondern auch von Trump-Anhängern Rechnung getragen werden, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Stellungnahmen von Trump Media und DWAC lagen zunächst nicht vor.

          Digital World Acquisition Corp

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          Dies ist mindestens auch ein Grund, warum Trump, dem immer noch ein Vermögen von mehr als zwei Milliarden Dollar zugeschrieben wird, „Truth Social“ nicht aus eigener Tasche finanziert. Mit einem öffentlichen Angebot lässt sich mehr Aufmerksamkeit für die Plattform erzeugen und gleichzeitig sich die Unterstützer um das Projekt scharen. An Trumps Vermögen, das sich laut der Forbes-Reichenliste innerhalb von fünf Jahren schon fast halbiert hat, gibt es darüber hinaus immer wieder Zweifel.

          Über mangelnde Unterstützung kann sich Trump, für den die Selbstvermarktung durch Bücher, Fernsehen und Lizenz-Einnahmen schon immer eine wesentliche Einnahmequelle war, jedenfalls nicht beschweren.

          Die DWAC-Aktie wird einigermaßen rege gehandelt. Nach der Vereinbarung der Übernahme schoss der Kurs von ursprünglich zehn Dollar bis auf 94,20 Dollar nach oben und pendelte sich zunächst bei rund 60 Dollar ein. Mit der Marktschwäche seit Mitte November fiel er bis auf 39 Dollar. Die Meldung über die geplante Aktienemission trieb den Kurs am Mittwoch dann in einer volatilen Bewegung kurz vor Handelsschluss bis auf 44,35 Dollar nach oben. Nachbörslich ging es dann bis auf fast 60 Dollar weiter nach oben.

          Augenscheinlich gibt es viele Fans - oder zumindest Anleger, die darauf setzen, dass treu ergebene Anhänger den Kurs befeuern werden. Was nicht unplausibel erscheint: denn Trump-Gegner werden die Aktie des aktuell mit zwei Milliarden Dollar bewerteten SPACs und späteren Mediums für eine alternative Wahrnehmung der Wirklichkeit wohl kaum kaufen.

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