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Devisenmarkt : Euro auf Zweijahreshoch

Der Euro ist derzeit stark, weil der Dollar schwach ist. Bild: dpa

Die amerikanische Währung kann nicht von der Corona-Krise profitieren. Das Gegenteil ist der Fall: Der Euro ist so viel wert wie seit April 2018 nicht mehr.

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          Der Wechselkurs des Euros gegenüber dem Dollar hat am Donnerstag einen weiteren Höchststand erreicht. Zeitweise kostete die europäische Gemeinschaftswährung 1,2139 Dollar. Das war soviel wie seit April 2018 nicht mehr. Danach gab es eine gewisse Gegenbewegung. Die kurzfristigen Gewinne sollen nach Einschätzung vom Devisenmarkt vor allem von Nachrichten rund um die Corona-Krise bestimmt gewesen sein. Der Euro profitiere zum einen von den Nachrichten über die Impfstoff-Fortschritte, zum anderen von der Schwäche des Dollars, schreiben die Analysten der Landesbank Hessen-Thüringen.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Dollar-Index, der den Wechselkurs des Dollars zu sechs wichtigen Währungen vergleicht, ist von mehr als 100 im Frühjahr auf 91 gefallen – und hat auch in den vergangenen Tagen nochmal nachgegeben. Zu Beginn der Pandemie hatten Ökonomen wie Joachim Fels vom Anleiheinvestor Pimco und Rolf Langhammer vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel noch erwartet, dass der Dollar tendenziell ein Krisen-Profiteur werden dürfte, weil er als „sicherer Hafen“ in solche Situationen besonders gefragt sei. Im Moment sieht es aber eher nicht danach aus.

          Christian Apelt, Devisenmarktfachmann der Helaba, nennt verschiedene Gründe für die jüngste Entwicklung. Im Zuge der Hoffnungen auf einen Corona-Impfstoff habe an den Finanzmärkten allgemein die Risikobereitschaft zugenommen. Daher sei der Dollar als sogenannter sicherer Hafen weniger gefragt und werte nicht nur gegenüber dem Euro, sondern auch gegenüber den meisten anderen Währungen ab. Der schwache Dollar wäre damit gleichsam auch ein Phänomen der globalen Krisenerholung.

          EUR/USD

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          Zudem verlagere sich seit November das Pandemie-Geschehen von Europa wieder mehr in die Vereinigten Staaten, sagt Apelt. Das heißt, dort nehme die Zahl der Neuinfektionen deutlich zu, während sie in der Eurozone insgesamt wieder nachlasse. „Dies wird sich auch ein wenig in den Wachstumszahlen und in der Geldpolitik widerspiegeln“, meint Apelt. Eine im Dezember möglicherweise anstehende Ausweitung der Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) sei wohl schon am Devisenmarkt eingepreist.

          Biden belastet Dollar

          Zuletzt hätten sich aber auch die Signale gehäuft, dass die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) ihrerseits die Anleihekäufe erhöhen könnte. Anleihekäufe der Notenbanken belasten den jeweiligen Wechselkurs zumindest kurzfristig in der Tendenz. Ohnehin habe die Fed in diesem Jahr eine sehr expansive Geldpolitik betrieben, was sich unter anderem in dem wesentlich höheren amerikanischen Geldmengenwachstum zeige, meint Apelt. Unter dem neuen Präsidenten Joe Biden werde die amerikanische Finanzpolitik voraussichtlich sehr locker bleiben – was langfristig ebenfalls kein positives Signal für den Dollar sei.

          Holger Schmieding, der Chefvolkswirt des Bankhauses Berenberg meint, langsam nähere sich der lange überbewertete Dollar seinem fairen Wert. Insbesondere der Zinsvorteil der amerikanischen Währung sei in den vergangenen Monaten zurückgegangen, heben die Analysten der Deutschen Bank hervor. „Wir interpretieren das als das Ende der Periode des Dollar-Exzeptionalismus“, sagt Stefan Schneider, Deutschland-Chefvolkswirt der Bank. Damit ist gemeint, der Dollar sei lange Zeit höher bewertet worden, als es seinem Wert eigentlich entsprochen habe – unter anderem, weil er Weltwährung ist, als „sicherer Hafen“ gilt und mit höheren Zinsen in Amerika punkten konnte.

          „Der Exzeptionalismus wurde noch Anfang letzten Jahres durch einen amerikanischen Zinsvorsprung gewahrt“, sagt Schneider. Im Zuge der Covid-19-Pandemie sei der Zinsvorsprung verschwunden. Gleichzeitig seien die amerikanischen Exporte hart getroffen worden. „Zusammen mit zunächst anhaltend hohen Budgetdefiziten dürfte damit die schwierigere Finanzierung des amerikanischen Leistungsbilanzdefizits den Dollar weiter drücken.“ Auch dürfte sich die neue amerikanische Regierung einem schwächeren Dollar kaum entgegenstellen. Aufgrund dieser Einschätzungen erwarten die Londoner Devisenmarkt-Fachleute der Deutschen Bank für Ende 2021 einen Euro-Dollar-Wechselkurses von 1,30.

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